Er war sehr schwach und nicht bei vollem Bewußtsein. Er fühlte kaum die Stöße und Rucke auf dem schlechten Pflaster. Frau Ruhnau aber zuckte jedesmal zusammen. »Wären wir erst da! Wären wir erst da.«

Endlich hatten sie die Köpenicker Straße hinter sich, sie fuhren auf der Treptower Chaussee. Der Wagen bog in den Wald ein, fuhr an den Fluß und blieb vor einem kleinen Häuschen stehen. Ebenerdig, ohne Unterbau, aus grün angestrichenen Brettern zusammengebaut, glich es einer Sommerlaube. Hinter ihm lag die Spree im Abendsonnenschein.

Purpurrot lohte der Himmel, Purpur fiel auf Ufer und Fluß. Zartgrüne Weiden, lichte Gewänder, weißliche Boote, von halbnackten Gestalten pfeilschnell getrieben, schwellende Segel, schwärzliche Flöße, alles schwamm und schwebte in rosigem Schein. Jede Schwere war behoben, jede Härte aufgelöst, Flimmern und Leuchten in Wasser und Luft.

Frau Ruhnau beugte sich über den Kranken.

»Wir sind da, Sebastian, Sebastian!«

Er hob ein wenig den Kopf und starrte träumend in das lebendige Licht.

In seine erlöschenden Augen trat ein unirdischer Glanz.

»Indien – das ist Indien!«

Frau Ruhnau schüttelte den Kopf.

»Nee, mein Jungechen, das is Treptow. Und das Häuschen, das is mein Schwager seine Sommerbude.«