Sie kann nicht. Entkräftet, sterbend sinkt sie nieder. Und in das Ausklingen der Pfeife mischt sich ein leiser Wehlaut. Das erste Wimmern ihres Kindes.

Der Kreislauf ist vollendet. Ein Leben geht zugrunde und gibt der Arbeit einen neuen Sklaven.

Oh ... oh ... oh ... oh ...

Oh ... oh ... oh ... oh ... oooh ... jeeeh ...

Wir saßen mit gesenkten Köpfen. Von der Trostlosigkeit dieser Zustandsschilderung bedrückt und aufgereizt, uns zu verachten. Nur ein grauhaariger Herr, wie schlafend an die Kachelwand gelehnt und in die Spiralen seiner kunstgerechten Rauchringe gewickelt, schlug die Augen auf und sagte: »Ja, so seid Ihr. Immer Weiß und Schwarz. Der Proletarier ist edel, der Bürger ist ein elendes Subjekt. Ein Ausbeuter. Und ohne ein paarmal hunderttausend Guldenrente tut Ihr's bei ihm nicht. Meiner Erfahrung nach taugen wir Menschen auf beiden Seiten nichts. Wer die Macht hat, übt Gewalt und unterdrückt das Recht. So ist's von Weltanfang gewesen. Wenn Ihr am Ruder seid, werdet Ihr's nicht anders machen.« Er bewegte die Feder seines Benzinfeuerbüchschens, entzündete bedächtig eine frische Zigarette und führte ein Beispiel für seine Weltanschauung an.

Die Erziehung zur Bosheit

Denkt euch einen braunen Wollknäuel, dem man vier Pfötchen und ein Schwänzchen angebunden hat. Oder noch besser, stellt euch eine Kugel vor, mit einem braunen Fellchen überzogen. Daran ein Köpfchen mit zwei blanken Augenpunkten, einem schwarzen Näschen und einer sammetweichen Schnauze. Oder ein lächerliches, winzig kleines Löwenjunges ...

Aber vielleicht glich Bello, als ihn der Gärtner in der Rocktasche vom Markte mit nach Hause brachte, am meisten einem jener Spielzeugshunde, die schreien, wenn man sie etwas auf den Magen drückt. Nur daß man Bello dazu nicht zu drücken brauchte. Denn er klagte unaufhörlich um die Mutter, der man ihn zu früh entrissen hatte. Selbst, als er sich bereits darein ergeben hatte, tags die leere, kalte Luft und nachts eine lieblose Filzdecke über sich zu fühlen (an Stelle des weichen, gastfreundlichen Leibs, in dessen tierisch temperierter Wärme er mit den Geschwistern gekuschelt war), suchte sein Mäulchen sehnsüchtig im Halbschlaf die stets bereite Nahrungsquelle. Und er weinte schmerzlich, wenn noch niemand wach war, um ihm das gewohnte Dämmerfrühstück zu kredenzen.