Jemand sagte: »Was euch vereint hat, ist zerrissen. Sein Leben ist erstorben. Du aber lebst. Und keine Brücke führt vom Lebenden zum Toten.«

Ein mörderischer Griff preßte ihr Herz zusammen. Aus schwerster Not stöhnte sie auf ...

Sie lag im Dunkeln an der Erde. Ihre Wangen waren naß von Tränen. Und schnell, ehe die betäubte Seele sich von ihrer Angst befreien konnte, stammelte der Mund, mit blassen Lippen: »Schicksal, erhöre mich – nimm mir, wenn es sein muß, seine Freundschaft, aber laß, o laß mir sein Begehren.«

Isabella, jetzt auf einem niederen Schemel unterhalb des Fenstertritts gekauert, hätte die Wiederkehr in unsere Gemeinsamkeit nicht scheuen brauchen. Mit Ausnahme einer faunischen Bemerkung des grauhaarigen Zigarettenrauchers entheiligte kein Männerwort den Nachhall der ausgeströmten Klage. Nur in Franziska, mir entging es nicht, rang ein Kampf. Ein Widerspruch, ein Stolz? Mit einem Hochmut, der ihr wohl helfen mußte, ihre Abneigung gegen diese öffentliche Kundgebung zu überwinden, erkannte sie die Tyrannei der Sinnlichkeit nicht an. Mehr als den Geliebten suche die Frau jetzt in dem Manne den Vater ihrer Kinder, den gleichberechtigten Gefährten.

Wieder war es eine Frau, die sich ihr entgegenstellte. Am wenigsten hätte ich es dieser zugetraut. Sie war mir jenseits jedes passionellen Sturms erschienen. Ich entdeckte bald den Einfluß, unter dem mein Urteil stand. Entgegen den heutigen Gebräuchen war ihre Kleidung der Anzahl ihrer Jahre angepaßt. Das gab ihr vorzeitig den Anschein der Matrone. Es gelang mir, ihr früheres Ich bildhaft vor mir wiederherzustellen. Die feine Linie des jetzt zur Fülle neigenden Ovals, den schönen Schnitt der großen schwarzen Augen, jetzt von sanfter Traurigkeit verschattet, die Lockungen der Lippen, ehe die Zeit ihnen die Frische nahm.

Fühlte sie von mir etwas zu sich herübertasten? Sie wendete sich nur an mich, als sie ruhig sagte, sie habe keine Vorstellung von einer Weltordnung, die es den Frauen möglich machen werde, vom Mittelpunkt ihrer Natur sich zu entfernen. Was für Geschöpfe würden sie dann sein? Vom Fluch des Triebes befreit, von der Versklavung durch das Blut, das seine Forderungen am gebieterischsten stellt, wenn es die Grenzen seiner Macht erreicht. Ruhigere sicher. Ob aber glücklichere? Ohne die Glorie ihrer tödlichsten, unentbehrlichsten, aus der Wurzel ihres Weibseins aufsteigenden Schmerzen. Ganz schlicht, die Farbe ihrer Wangen kaum erhöht, erzählte sie; es mochte ihr Erlebnis, es mochte das Tausender ihrer Mitschwestern gewesen sein.

Herbst

Noch ein Tücherschwenken. Glück auf den Weg! Liebe! Liebste! Dann bog der Wagen um die Ecke, allmählich verkräuselte der aufgewühlte Staub.