Mit einem verächtlichen Achselzucken verließ Klarisse den Raum. Da flog ihr raschelnd etwas um den Kopf. Es war das blaue Schreibheft, das ihr die Vefi nachgeworfen hatte.

»Nehmt dös a mit!« schrie sie höhnisch.

Dann ging sie in die Wirtsstube zurück, ergriff die Bürste und begann den Schenktisch wütend zu bearbeiten.

Plötzlich ließ sie die Hände sinken, warf den Körper auf die feuchte Platte, barg das Gesicht in beide Arme und heulte laut vor Zorn, Heimweh und jäh erwachter Angst um ihre Zukunft.

›A lustigs Stückl‹ hatte der Aloys uns versprochen. Mich verfolgte, während ich ihm zuhörte, das Dichterwort: In jeder Trennung steckt ein Keim von Wahnsinn. Ungeweckte Seelen, dachte ich. Ihre Einfalt ist noch unzerspalten. Ja ist Ja und Nein ist Nein. Redlichkeit und Treue sind die Frucht ihrer Instinkte. Sie sind wie Pflanzen, die nur gedeihen im Mutterboden. Herausgerissen, in fremde Erdreiche geworfen, entarten sie. Sie welken. Ich gedachte Iwans Abenteuer auf dem Gut der ostpreußischen Freunde. Ich fragte: Darf ich? Man erteilte mir das Wort.

Wirkung in die Ferne

Gegen Abend fing es an zu schneien. Ganz langsam und bedächtig. Die großen Flocken schienen zuweilen stehenzubleiben in der regungslosen Luft, ehe sie sich niedersenkten und die Erde sanft berührten. Binnen kurzem war das Landschaftsbild verändert. Der Schnee warf auf die kahlen Wiesen und entblößten Wälder einen fleckenlosen weißen Mantel, unter dessen schimmernden Falten das Auf und Ab der Hügel sich verflachte, so daß die welligen Bewegungen des Bodens zu einer Ebene geglättet schienen, die sich geheimnisvoll in die Unendlichkeit verlor.

Iwan Michailow war auf die Landstraße getreten und starrte in die weiße helle Fläche. Im Sommer in Gefangenschaft geraten und dem ostpreußischen Besitzer als Landarbeiter zugewiesen, erlebte er den ersten Schneefall auf dem ermländischen Gut. Er dachte: Nun werden sie zu Hause auch schon Winter haben.