Zwei Uhr morgens. Der mit kaltem Rauch gefüllte Raum eines Kaffees. Alle Tische verlassen. Der Kellner ist hinter dem Büfett halb vom Stuhl gesunken und schläft. Die elektrischen Flammen sind ausgedreht. Nur an dem Tisch, an dem Kyll und Broß sitzen, brennt Licht. Auf dem Tisch stehen leere Kaffeetassen, eine Flasche Kognak und zwei Gläser, eine Aschenschale mit Zigarren- und Zigarettenstummeln gefüllt. Kyll, 26 Jahre, schmächtige Gestalt, nachlässige dunkle Kleidung. Sehr blaß. Tiefliegende schwärmerische Augen, wirre schwarze Haare, nervös zuckende Lippen. Broß, 27 Jahre, blond, etwas aufgeschwemmt, wasserblaue Augen, Habyschnurrbart. Kleidung und Bewegungen eines Commis voyageur.
Broß (legt die ausgebrannte Zigarre auf den Aschenbecher): Also gute Nacht, Herr ... (Er sucht den Namen.)
Kyll (der vor sich hingebrütet hat, fährt auf): Sie wollen schon fort?
Broß: Schon? Es geht auf zwei. Wir sind ohnehin die einzigen.
Kyll: Gottlob – ich atme auf. Endlich sind sie weg – die Feinde.
Broß (erstaunt): Feinde? Sie haben ja gesagt, Sie kennen hier keinen einzigen.
Kyll (nervös): Ja, haben Sie denn niemals das Gefühl, daß sie alle unsere Feinde sind, die anderen, die außer uns noch auf der Welt sind?
Broß (auflachend): Nein, wirklich. So was ist mir noch nie eingefallen.
Kyll (auf den Tisch gestützt, mit der Hand in den Haaren wühlend, düster): Auf mir lastet der Gedanke wie ein Alp. Er vergällt mir jede Freude. Selbst im Schlaf werde ich ihn nicht los.
Broß (innerlich belustigt, aber aus Höflichkeit ganz ernst): Aber wieso denn? Was können Ihnen denn ganz wildfremde Leute tun?