Kyll (ohne die Unterbrechung zu beachten, schwärmerisch, mit Tränen in den Augen): Zwei Menschen, die füreinander keine anderen waren. Das war das Paradies. Die Schlange war die andere. Das erste Wort, das Eva mit ihr gesprochen hat, war der Sündenfall. Seitdem sind wir zu Lug und Heuchelei verdammt.
Broß: Einfälle haben Sie, Herr ... (Er sucht nach dem Namen.)
Kyll (immer erregter): Bei jedem neuen Menschen fängt der Paradieseszustand wieder an. Mutter und Kind sind zuerst ganz dasselbe. Und lange noch sind sie kristallklar füreinander, bis sich das fürchterliche Anderssein dazwischen drängt.
Broß (gelangweilt): Das ist nun mal der Lauf der Welt.
Kyll (schlägt erregt mit der Faust auf die Tischplatte): Es ist ihr Fluch. Und es ist gegen die Natur. Woher käme sonst dieses Entsetzen, dieser Schmerz, wie es keinen furchtbareren gibt – wenn man an einen Freund in vertrauter Zweiheit voll geglaubt hat und man sieht ihn plötzlich unter anderen, verwandelt, unecht, ein ganz anderer. (Verzweifelt.) Gott! Einen Menschen finden, den ich achten kann! Eine Seele, deren ganze Nacktheit ich entblößen dürfte, ohne eine Täuschung zu entschleiern.
Broß (steht auf und will nach seinem Paletot langen): Sie nehmen das zu tragisch, Herr ... (Er sucht den Namen.) Die Menschen sind eben keine Engel.
Kyll (steht auf, tritt vor ihn hin, aufgeregt): Meinetwegen Teufel, Tiere. Aber sie – sie selbst. Ihr Charakter ist ihr Schicksal. Sie entgehen ihm nicht; warum verbergen sie ihn also?
Broß (der nur daran denkt, das Gespräch abzubrechen, ablenkend): Die wenigsten Menschen denken so wie Sie.
Kyll (immer wilder): Warum? Warum? Alles verfault in ihnen, alles ist vergiftet. Selbst mit sich selber sind sie nicht mehr eins. Sie reden, woran sie nicht denken, tun, wobei nicht ihr Interesse ist. Sich selbst belügen sie.
Broß (über Kyll hinweg nach seinem Paletot langend, ungeduldig): Gott, Sie werden das nicht ändern.