Der Rhythmus der jagenden Triolen reißt das Blut der Hörer mit. Die Leiber und die Beine zucken, verlangend kehrt die Jugend sich zu der Tür des Tanzsaals, der eben aufgeschlossen wird. Und die Tarantella rast noch immer, und die Musikanten jubeln, schreien.

Durch den Wirbel der Atome geht der Strom magnetisch von dem Weib mit den rostbraunfarbigen Haaren zu dem Mann, der einsam in seinem Winkel sitzt. Er ist wie eingehüllt in die Glut ihres Begehrens. Er erschauert unter dem liebkosenden Getaste ihrer Finger, ihre weißen Zähne graben sich in seinen Hals, er fühlt die Knospen ihrer jungen Brüste an den seinen, ihre Flechten, aus ihrem Zwang gelöst und von ausspringenden Löckchen wie von kleinen Flämmchen überflattert, begraben seinen Atem unter ihrem schweren Duft. Sie gibt ihm die Wollust tausender im heißen Spiel der Liebe erträumter Nächte in einem kurzen Augenblick. Die ganze Weibheit hält er mit ihrem schlanken Leib in seinem Arm.

Betäubt, entfestet, ohnmächtig gegen die Naturgewalt zu kämpfen, gibt er sich ihr widerstandslos hin.

Erobererhochmut tritt in ihre Züge, da sie seine Unterjochung fühlt. Sie erhebt sich und entbietet ihm noch einmal ihren Willen, daß er ihn in die Gefolgschaft ihres Kleidersaumes zwingt.

Er zögert, beschwert von trauriger Ermattung. Der Kontakt ist unterbrochen. Der Funke sprüht nicht zwischen den konträren Polen auf.

In einer Sekunde des Besinnens richtet sich das unbegrabene Skelett des gespenstischen Gedankens vor ihm auf. Die ganze Weibheit hat er in ihrem schlanken Leib genossen. Tausende heißer Nächte haben sich ihm in einen kurzen Augenblick gepreßt. Weil sein Gedächtnis tausend zugefallene Pforten der Erinnerung aufgebrochen hat, um ihm vertausendfacht sein Ich zu zeigen, wie in einem Raum mit tausend Spiegelwänden.

Ja, er erkennt es wieder, sein ewiges Erlebnis. Stets das gleiche. Die Flucht aus der Wüste der Askese in die Üppigkeit der Lebensgier. Und Licht, Musik und Tanz. Und das Weib. Immer das gleiche. Der Brennpunkt aller Illusionen. Und wenn ihr Wesen, bis zur letzten Falte ausgespäht, keine Rätsel mehr zu bieten hat, ein Gewicht, das in die Niedrigkeit hinunterzieht, das mißachtete Gefäß eines schal gewordenen Trunkes.

... Wie berückend die Erscheinung in dem weißen, rosig überhauchten Sammetgewand, in jeder Biegung von irisierenden Reflexen überrieselt. Eine einzige mitten in der Allgemeinheit. Ein künstlerisch vollendetes Gebilde der Sansara.

Wie mit Ketten reißt es ihn wieder zu ihr hin. Zwischen Verlangen und Verzicht ertrinken ihm die Sinne, nur an eine feste Vorstellung geklammert: Dies ist die Stunde der äußersten Entscheidung. Jetzt oder niemals durchbrichst du dein Geschick. Jetzt oder nie tritt das Göttliche in dir die erdenschwere, schuldbeladene Materie nieder.

Und es lichtet sich um ihn wie Morgenröte. Ihm ist, als klimme er auf einen Gipfel, tief unter sich die bunte Sinnenwelt.