»Schwester Brigitte, tut mir eine Liebe, helft mir hinunter in den Garten.«

Mit Festigkeit und Sanftmut redet ihm die Schwester diesen Einfall aus.

»Das ist unmöglich, Kirschenhauer. Das schafft Ihr nicht. Und es könnt' Euch schaden. Und denkt nur, wenn Euch was passiert, ehe ...«

Sie spricht den Satz nicht bis zu Ende. Aber der Josef errät, woran sie denkt, und der Atem geht ihm aus, wie wenn ihm wer aufs Herz geschlagen hätte. Steht es so mit ihm? Aber dann erst recht ...

»Schwester Brigitte,« fleht er sie an, und seine Augenlider zucken wie im Krampf, »ich möcht' halt so gern hinunter. Es ist eh' vielleicht das letzte Mal. Ich werd' auch im Himmel dafür für Euch beten, und Ihr verdient Euch Gottes Lohn.«

Er sagt das, weil er nichts Dringlicheres weiß, sie nimmt es völlig ernst. Um Gotteslohn tut sie ja alles, betreut die kleinen Kinder, sorgt für die Betrunkenen und die armseligen Pfründnersleute, wäscht und füttert die Kranken. Und eine Fürbitte im Himmel, durch die sie näher an Gottes Thron zu sitzen kommt, ist ihr das wertvollste Geschenk. Sie meint: der Josef sieht auch wirklich besser aus, er hält sich wohl noch ein paar Tage.

»Ich schau' gerad' hinunter in den ersten Stock, ob einer von den armen Männern daheim ist.«

Niemand ist in den Armeleutezimmern, der Sonnenschein hat alle weggelockt.

»Also versuchen wir's in Jesu Christi Namen.«

Eine Plage ist's, den schweren Mann zu schleppen, den Gang entlang, über die zwei Stiegen. So oft der Josef keuchend innehalten muß, beredet ihn die Schwester, wieder umzukehren. Dann bettelt er, beschwört sie bei ihrer jenseitigen Seligkeit, stellt ihr vor, wie die Himmelsfreuden durch die Last der Erdentrübsal wachsen.