„Freilich nicht,“ sagte der Alte, „soviel Geld gibt es gar nicht. Aber wir müssen doch wenigstens zwei Musikanten haben für den Tanz und zwei Flaschen Tequila, sonst sagen die Leute uns nach, Elvira sei überhaupt gar nicht verheiratet, sondern sei nur mit dir davongelaufen. Und so etwas machen meine Töchter nicht. Warte nur darauf nicht – du könntest sonst alt werden!“

Es wurde dann hin und her gerechnet, daß Salvatore noch drei Wochen oder vier im Busch Kohle brennen müsse, um das Geld für die Musikanten zusammen zu haben, wie auch für den Tequila, für ein Kilo Kaffee, drei Kilo Zucker, ein Paar Schuhe für die Mutter und eine Hose für den Vater. Als er damit einverstanden war, wurde ihm erlaubt, daß er bei den zukünftigen Schwiegereltern in Kost gehen könne, wofür er ein Drittel weniger zu bezahlen habe als bei der Negerin; man wolle ihn inzwischen schon als Sohn anerkennen. Er möge sich dort in der freien Ecke ein Schlafgestell einrammen, und wenn er eine zweite Decke für Elvira kaufen wolle, so könne sie schon jetzt bei ihm schlafen, damit nicht so viele Umstände gemacht zu werden brauchten. Denn verhindern ließe es sich ja doch nicht.

Nachdem Salvatore auch die Decke für Elvira zugestanden hatte, wurde Elvira selbst, die wie alle Familienmitglieder der ganzen Verhandlung beigewohnt hatte, gefragt, ob sie etwas einzuwenden habe.

„Ich würde ganz gern nach Torreon gehen“, war ihre Antwort; und damit war diese wichtige Familienangelegenheit erledigt.

Dem guten Salvatore fehlten aber jene neun Pesos, die er sich in die Tasche gelogen hatte. In den vier Wochen, die er zu arbeiten hatte, ging auch das Hemd in die Brüche, und für die Hochzeit mußte er unbedingt ein neues haben. Diese beiden Tatsachen waren die Ursache, daß einem in der Nähe wohnenden amerikanischen Farmer eines Tages zwei Kühe fehlten, die nie wieder kamen.

Nachdem der Tanz gewesen war, der alte Llaca sich betrunken hatte, eine neue gelbe Zwirnhose für ihn und für die Señora ein Paar neue Schuhe in Erscheinung getreten waren, durfte Salvatore das Mädchen Elvira als seine rechtmäßige Gattin betrachten, die ihm niemand entführen oder verführen durfte, ohne seine Ehre zu verletzen und seinen Zorn hervorzurufen.

Salvatore packte seine beiden Decken, einen Kaffeekessel, sein Machete, seine Axt und seine Elvira auf den Esel und wanderte in die Minengebiete von Torreon.

Nur eine Woche lungerte er herum, dann bekam er Arbeit in einer Erzgrube. Die Arbeit war schwer, aber er fürchtete sich nicht davor. In der freien Zeit, die er hatte, baute er sich eine Hütte, in der er mit seiner Elvira ein glückliches Leben führte. Sie kochte ihm das Essen, wusch seine Wäsche, flickte ihm seine Hosen, prickte ihm die Sandflöhe aus den Füßen und wärmte ihm in den kalten Nächten, die in jener Berggegend so häufig sind, das Bett. Er fühlte sich wohl, und sie hatte keinen Grund zu irgendwelcher Klage.

Vielleicht wäre das ein ganzes Menschenleben so geblieben, wenn nicht eines Tages ein Bursche mehr in Elvira entdeckte, als Salvatore je fähig war in ihr auch nur zu ahnen. Als Salvatore jenes Abends heimkam, war Elvira ausgeflogen. Und da sie die schöne Decke, ihr zweites Hemd, ihre beiden Kleider und den Kamm mitgenommen hatte, wußte Salvatore, daß es für immer war, daß sie nicht gedachte, die eheliche Gemeinschaft mit ihm fortzusetzen.

Die Hütten der eingeborenen Bevölkerung sind nicht imstande, irgendwelche Geheimnisse zu verbergen, denn die Wände sind kaum dichter als ein Lattenzaun aus rohen Staketen.