Nachdem Salvatore etwa zwei Dutzend Hütten abgesucht hatte, fand er die richtige. Er hörte seine Elvira darin lachen und schwatzen. Er spähte durch die Wände und erblickte Elvira schmeichelnd an der Seite ihres Neuerwählten sitzen. Sie war in vortrefflicher Laune. Außer diesem Paar waren noch zwei andere junge Paare in der Hütte. Alle waren lustig und guter Dinge, und sie hatten sich zu einem gemütlichen Abendschwätzchen zusammengefunden. Der Name Salvatore wurde gar nicht erwähnt; sein Träger war ausgelöscht aus dem Gedächtnis dieser lustigen Leutchen.
Als er sich davon überzeugt hatte, daß seine Elvira sehr glücklich war, offenbar viel glücklicher und viel verliebter, als er sie jemals gesehen hatte solange sie seine Frau war, daß also keine Hoffnung blieb, sie je wieder als Ehegesponst zu haben, beschloß er, einen dicken Strich unter diesen Abschnitt seines Lebens zu ziehen.
Mit der ganzen Geschicklichkeit und Intelligenz, die den mexikanischen Indianern eigen ist, fabrizierte er in überraschend kurzer Zeit eine ausgezeichnete Bombe aus den denkbar primitivsten Mitteln. Um ihre Wirkung ganz sicher zu machen, arbeitete er sich mit großer Mühe in die Werkzeugbude und verschaffte sich Dynamit, Hütchen und Zündschnur.
Als alles fertig war, schlich er sich wieder zu jener Hütte wo die lustige Gesellschaft noch immer beisammen war und wahrscheinlich im Sinn hatte, zu übernachten. Türen haben diese Hütten nicht, und so war es eine einfache Sache, die Bombe, nachdem die Zündschnur gut Feuer gepackt hatte, in die Hütte zu schleudern.
Nachdem das geschehen war, verließ Salvatore die Nähe der Hütte und ging ruhig nach Hause, um sich zu Bett zu legen. Was ein Mensch nur tun konnte, um eine Bombe wirkungsvoll zu machen, das hatte er getan. Das Resultat kümmerte ihn nicht. Ging die Bombe auf, war es recht, ging sie nicht auf, war es auch recht. Nachdem die Bombe verfertigt und sachgemäß an die richtige Stelle gebracht worden war, hatte die ganze Ehegeschichte jegliches Interesse für Salvatore verloren. Morgen und für den Rest ihres ganzen Lebens war Elvira und ihr neuer Gatte und alle, die bei diesem Drama bewußt oder unbewußt helfend mitgewirkt hatten, vor dem Zorn Salvatores so sicher, als ob er nicht existiere. Für ihn war der Fall Elvira gänzlich abgetan.
Nicht aber für die lachende Gesellschaft in der Hütte.
In den Bergwerksgegenden Mexikos weiß jeder Indianer und jede Indianerin, was es zu bedeuten hat, wenn sie plötzlich eine alte Konservenbüchse sehen, an der eine schmökende Zündschnur hängt. Die Bombe sehen und raus aus der Hütte, ohne ein Wort zu sagen, ohne auch nur einen Warnungsschrei auszustoßen, dauerte nur den Bruchteil einer Sekunde. Dann erfolgte eine fürchterliche Explosion, die die Hütte splitterweise einige hundert Meter weit fortschleuderte.
Elvira und ihre neue Liebe waren mit dem Schrecken, der keine ernsten Folgen bei ihnen zurückließ, davongekommen. Auch die übrigen Leutchen waren heil, bis auf eine der anderen beiden jungen Frauen, die in dem Augenblick, als die Bombe auf der Bildfläche erschien, sich in einer Ecke gerade mit den Kaffeetassen beschäftigte und deshalb weder die Bombe, noch den wortlosen Abschied ihrer Gäste bemerken konnte. Diese bedauernswerte Tochter Mexikos machte die Reise der Hütte mit, und da sie sich in der kurzen Zeit nicht so rasch entscheiden konnte, mit welchem Teil der Hütte sie die Fahrt machen solle, landete sie stückweise an zwanzig verschiedenen Stellen der Umgegend.
Zwei Tage später erschien auf dem Arbeitsplatze Salvatores ein Polizeibeamter. Das Verhör ging vor sich, ohne daß sich Salvatore in seiner Arbeit viel stören ließ. Nur dann gerade, wenn er sich sowieso die Zeit nahm, eine Zigarette zu rollen, gab er Auskunft.
„Sie haben da in die Hütte des Juan Guennel eine Bombe geworfen?“