Als Lauzun sich in Louvois’ Cabinet begab, um seine Instructionen in Empfang zu nehmen, führte der kluge Minister eine Sprache, welche deutlich bewies, wie wenig Vertrauen er in den eitlen und excentrischen fahrenden Ritter setzte. „Lassen Sie Sich um des Himmels willen nicht durch Ihre Kampflust hinreißen. Setzen Sie Ihren ganzen Ruhm darein, die Engländer zu ermüden und vor Allem halten Sie strenge Mannszucht.”[110]

Lauzun’s Ernennung war nicht nur an sich ein Mißgriff, sondern man mußte auch, um einen Mann an einen Posten zu stellen, dem er nicht gewachsen war, zwei andere Männer von Posten entfernen, für die sich beide ganz vorzüglich eigneten. So unmoralisch und hartherzig Rosen und Avaux immer sein mochten, so war doch Rosen ein geschickter Feldherr und Avaux ein gewandter Diplomat. Obwohl es nicht wahrscheinlich ist, daß sie im Stande gewesen wären, Irland’s Schicksal abzuwenden, so würden sie doch wahrscheinlich den Kampf haben in die Länge ziehen können, und daß der Kampf in die Länge gezogen wurde, lag offenbar im Interesse Frankreich’s. Es würde jedoch eine Beleidigung für den greisen General gewesen sein, wenn man ihn unter Lauzun’s Oberbefehl gestellt hätte, und zwischen Lauzun und dem Gesandten bestand eine so heftige Feindschaft, daß ein herzliches Zusammenwirken von ihnen nicht zu erwarten gewesen wäre. Rosen und Avaux wurden daher Beide unter vielen besänftigenden Versicherungen der königlichen Zufriedenheit und Gunst nach Frankreich zurückberufen. Zu Anfang des Frühjahrs segelten sie mit der Flotte, welche Lauzun nach Irland gebracht hatte, von Cork ab.[111] Lauzun war nicht sobald gelandet, als er sich überzeugte, daß nichts zu seinem Empfange vorbereitet war, obgleich man ihn seit längerer Zeit erwartet hatte. Es waren keine Quartiere für seine Leute, keine Magazine zur Aufnahme seiner Vorräthe, keine Pferde, keine Fuhrwerke besorgt.[112] Seine Truppen mußten die Beschwerden eines langen Marsches durch eine Wüste ertragen, ehe sie nach Dublin gelangten. Hier fanden sie allerdings leidliche Verpflegung. Sie erhielten freies Quartier bei Protestanten, hatten reichlich Brot und drei Pence täglich. Lauzun wurde zum Oberbefehlshaber der irischen Armee ernannt und nahm seine Residenz im Schlosse.[113] Sein Gehalt war der nämliche wie der des Vicekönigs, achttausend Jakobus, gleich zehntausend Pfund Sterling jährlich. Diese Summe erbot sich Jakob nicht in Kupfermünze mit seinem Bildniß, sondern in französischem Golde zu bezahlen. Lauzun aber, zu dessen Fehlern die Habsucht nicht gehörte, weigerte sich, seine Kasse aus einem fast leeren Schatze zu füllen.[114]

Auf ihn und die ihn begleitenden Franzosen machten das Elend des irischen Volks und die Verkehrtheit der irischen Regierung einen Eindruck, den sie schwer beschreiben konnten. Lauzun schrieb an Louvois, der Hof und das ganze Land befänden sich in einem Zustande, von welchem sich derjenige, der immer in wohlgeordneten Staaten gelebt habe, keinen Begriff machen könne. Es sei, sagte er, ein Chaos wie das, von dem er im ersten Buche Mosis gelesen habe. Die öffentlichen Beamten thäten weiter nichts, als daß sie sich mit einander stritten und die Regierung und das Volk ausplünderten. Nachdem er etwa einen Monat im Schlosse zugebracht, erklärte er, daß er um Alles in der Welt keinen zweiten solchen Monat durchleben möchte, und seine tüchtigsten Offiziere bestätigten seine Aussage.[115] Einer von ihnen war allerdings so ungerecht, das irische Volk nicht nur als unwissend und träge, was es in der That war, sondern auch als hoffnungslos dumm und gefühllos zu schildern, was es sicherlich nicht war. Die englische Politik, sagte er, habe sie so vollkommen verthiert, daß man sie kaum noch menschliche Geschöpfe nennen könne. Sie seien unempfindlich gegen Lob und Tadel, gegen Versprechungen und Drohungen; und doch sei es schade um sie, denn sie seien in physischer Hinsicht der schönste Menschenschlag in der Welt.[116]

Plan der englischen Jakobiten; Clarendon, Aylesbury, Dartmouth.

Inzwischen hatte Schomberg den Feldzug unter günstigen Auspicien eröffnet. Mit geringer Mühe hatte er Charlemont, die letzte wichtige Festung, welche die Irländer noch in Ulster behaupteten, genommen; aber das große Werk der Wiedereroberung der drei südlichen Provinzen der Insel verschob er bis zu Wilhelm’s Ankunft. Wilhelm beschäftigte sich unterdessen mit den Anordnungen zur Regierung und Vertheidigung England’s während seiner Abwesenheit. Er wußte sehr wohl, daß die Jakobiten auf ihrer Hut waren. Bis vor ganz Kurzem waren sie noch keine zusammenhängende und organisirte Faction gewesen. Es hatte, um Melfort’s Ausdruck zu gebrauchen, zahlreiche Trupps gegeben, welche alle entweder mit Jakob im Dubliner Schlosse, oder mit Marien von Modena in Saint-Germains in Verbindung standen, unter einander aber keine Connection hatten und sich gegenseitig nicht trauten.[117] Seitdem es aber bekannt geworden war, daß der Usurpator über den Kanal zu gehen beabsichtige und daß er sein Scepter in weiblichen Händen zurücklassen wolle, hatten sich diese Trupps eng aneinander angeschlossen und eine ausgedehnte Verbindung zu bilden begonnen. Clarendon, der die Eide verweigert, und Aylesbury, der sie ehrloser Weise geleistet hatte, gehörten zu den Hauptverräthern. Dartmouth war, obgleich er den im Besitz der Macht befindlichen Souverainen Treue geschworen, einer ihrer thätigsten Feinde und er übernahm was man das Marinedepartement des Complots nennen kann. Sein Geist war beständig mit einem englischen Seemann eben nicht zur Ehre gereichenden Plänen zur Zerstörung der englischen Flotten und Arsenale beschäftigt. Er stand in enger Verbindung mit einigen Seeoffizieren, welche der neuen Regierung zwar dienten, aber doch nur ungern und mit halbem Herzen, und er schmeichelte sich, daß er diese Männer durch das Versprechen großer Belohnungen und durch geschicktes Anschüren des neidischen Hasses, mit dem sie die holländische Flagge betrachteten, dazu bewegen werde, zu desertiren und ihre Schiffe in einen französischen oder irländischen Hafen zu bringen.[118]

Penn.

Penn’s Benehmen war kaum minder schändlich. Er war ein eifriger und geschäftiger Jakobit, und seine neue Lebensbahn war der moralischen Reinheit noch ungünstiger, als es die vorige gewesen war. Es war kaum möglich, zu gleicher Zeit ein consequenter Quäker und ein Höfling zu sein; ganz und gar unmöglich aber war es, ein consequenter Quäker und ein Verschwörer zu sein. Es ist schmerzlich es sagen zu müssen, daß Penn, während er selbst den Vertheidigungskrieg für sündhaft zu halten erklärte, doch Alles that was in seiner Macht stand, um eine fremde Armee ins Herz seines eignen Landes zu bringen. Er schrieb Jakob, daß die Anhänger des Prinzen von Oranien nichts so sehr fürchteten als einen Aufruf zu den Waffen, und daß, wenn jetzt von Frankreich oder Irland aus ein Einfall in England unternommen würde, die Zahl der Royalisten sich größer herausstellen werde als sie je gewesen. Avaux hielt diesen Brief für so wichtig, daß er Ludwig eine Abschrift davon einsandte.[119] Diese und ähnliche Mittheilungen, schrieb der schlaue Gesandte, hätten auf die Stimmung König Jakob’s einen guten Eindruck gemacht, Se. Majestät sei endlich überzeugt, daß er seine Lande nur mit dem Schwerte in der Hand wieder erlangen könne. Es ist ein interessanter Umstand, daß es dem großen Friedensprediger vorbehalten sein sollte, diese Ueberzeugung im Geiste des alten Tyrannen hervorzurufen.[120] Penn’s Verfahren war der Aufmerksamkeit der Regierung nicht entgangen. Man hatte Verhaftsbefehle gegen ihn erlassen und er war eingezogen worden; es hatten aber keine Beweise gegen ihn aufgebracht werden können, die eine Anklage auf Hochverrath begründet hätten; er hatte bei jeder Partei viele Freunde, die er auch trotz aller seiner Fehler zu haben verdiente, und er wurde daher bald wieder in Freiheit gesetzt, um zu seinen Comploten zurückzukehren.[121]

Preston.

Der Hauptverschwörer war jedoch Richard Graham, Viscount Preston, der unter der vorigen Regierung Staatssekretär gewesen war. Obgleich schottischer Peer, war er doch nur englischer Baronet. Er hatte zwar von Saint-Germains ein englisches Hochadelsdiplom erhalten; aber das Diplom war von einem späteren Datum als die Flucht, welche die Convention für eine Abdankung erklärt hatte. Die Lords hatten sich deshalb nicht nur geweigert, ihn ihrer Privilegien theilhaftig werden zu lassen, sondern sie schickten ihn sogar ins Gefängniß, weil er sich unbefugterweise einen der Ihrigen genannt habe. Da er indessen klein beigegeben und seinen Anspruch zurückgezogen, hatte er seine Freiheit wieder erlangt.[122] Obgleich die demüthige Sprache, die er bei dieser Gelegenheit zu führen sich herabgelassen, keineswegs einen Märtyrersinn verrieth, so betrachtete ihn doch seine Partei und die Welt überhaupt als einen Mann von Muth und Ehre. Er führte noch die Siegel seines Amtes und wurde von den Anhängern des unveräußerlich erblichen Rechts noch immer als der wirkliche Staatssekretär angesehen. Er stand in hoher Gunst bei Ludwig, an dessen Hofe er früher gelebt, und die französische Regierung hatte ihm seit der Revolution bedeutende Geldsummen zu politischen Zwecken anvertraut.[123]