Einer ihrer nächsten Verwandten war dagegen einer ihrer bittersten Feinde. Aus den in den Händen der Regierung befindlichen Beweismittel ging unbestreitbar hervor, daß Clarendon in die jakobitischen Insurrectionspläne tief verwickelt war. Die Königin aber wollte durchaus nicht, daß man gegen einen ihrer Verwandten mit Strenge verfuhr, und Wilhelm, der sich erinnerte, welche Bande sie um seinetwillen zerrissen und welche Vorwürfe sie sich zugezogen hatte, überließ bereitwillig Leben und Freiheit ihres Oheims ihrer persönlichen Fürsprache. Bevor aber der König nach Irland abreiste, sprach er sehr ernsthaft mit Rochester. „Ihr Bruder,” sagte er zu ihm, „hat gegen mich conspirirt. Ich bin dessen gewiß, denn ich habe schriftliche Beweise, die von seiner eignen Hand herrühren. Man drang in mich, ihn nicht mit in die Begnadigungsacte aufzunehmen, aber ich wollte nicht etwas thun, was die Königin tief bekümmert haben würde. Um ihretwillen vergebe ich das Geschehene, aber Mylord Clarendon wird wohl thun in Zukunft vorsichtiger zu sein, sonst wird er erfahren, daß solche Dinge kein Spaß sind.” Rochester theilte Clarendon die Ermahnung mit. Clarendon, der in fortwährender Correspondenz mit Dublin und Saint-Germains stand, betheuerte, daß es sein einziger Wunsch sei, ruhig zu leben, und daß die bestehende Regierung, obwohl er wegen der Eide bedenklich gewesen sei, doch keinen gehorsameren Unterthanen habe als er zu sein sich vorgenommen.[138]
Penn muß Caution erlegen.
Unter den Briefen, welche die Regierung aufgefangen, befand sich auch einer von Jakob an Penn. Dieser Brief war zwar kein legaler Beweis dafür, daß der Adressat sich des Hochverraths schuldig gemacht; aber er erweckte Verdacht, der, wie wir jetzt wissen, wohl begründet war. Penn wurde vor den Geheimen Rath gestellt und verhört. Er sagte sehr richtig, daß er Niemanden hindern könne an ihn zu schreiben und daß er für das was man ihm schreibe, nicht verantwortlich sei. Dagegen gab er auch zu, daß er durch Bande der Dankbarkeit und Zuneigung, die kein Wechsel des Glücks lösen könne, an den vorigen König geknüpft sei. „Ich würde mich freuen, wenn ich ihm in seinen Privatangelegenheiten einen Dienst leisten könnte, aber ich habe eine heilige Pflicht gegen mein Vaterland, und deshalb war ich nie so ehrlos, daß ich nur den Gedanken gehegt hätte, ihn zurückzurufen.” Dies war eine Lüge und Wilhelm wußte das wahrscheinlich. Doch er wollte nicht streng gegen einen Mann verfahren, der viele Ansprüche auf Achtung hatte und der schwerlich ein gefährlicher Verschwörer wurde. Er erklärte sich daher für befriedigt und schlug vor, den Gefangenen von der Anklage zu entbinden. Dagegen remonstrirten jedoch einige Mitglieder des Geheimen Raths und Penn mußte Caution stellen.[139]
Unterredung zwischen Wilhelm und Burnet.
Am Tage vor seiner Abreise ließ Wilhelm Burnet in sein Cabinet kommen und sprach in festem aber wehmüthigem Tone von den Gefahren, welche das Land von allen Seiten bedrohten, von der Heftigkeit der streitenden Parteien und von dem schlechten Geiste, der nur zu viele Mitglieder des Klerus zu beseelen scheine. „Doch ich vertraue auf Gott. Ich will mein Werk durchführen oder darin umkommen. Nur um die arme Königin ist mir bange,” und mit ungewohnter Innigkeit wiederholte er noch einmal: „Die arme Königin!” „Wenn Sie mich lieben,” setzte er hinzu, „so besuchen Sie sie recht oft und helfen Sie ihr wo Sie können. Ich für meine Person würde mich, wenn Eins nicht wäre, darauf freuen, wieder zu Pferde steigen und unter dem Zelte wohnen zu können. Denn ich bin überzeugt, daß ich mich besser dazu eigne, einen Feldzug zu dirigiren, als Eure Häuser der Lords und Gemeinen zu leiten. Obwohl ich aber weiß, daß ich den Weg der Pflicht gehe, ist es doch hart für meine Frau, daß ihr Vater und ich einander im Felde gegenüberstehen müssen. Gott gebe, daß ihm nichts zustößt. Beten Sie für mich, Doctor.” Burnet entfernte sich tief ergriffen und sprach wahrscheinlich mit nicht gewöhnlicher Inbrunst die Gebete, um die sein Gebieter ihn ersucht hatte.[140]
Wilhelm reist nach Irland ab.
Am folgenden Tage, dem 4. Juni, reiste der König nach Irland ab. Prinz Georg hatte seine Dienste angeboten, hatte sich mit einem großen Kostenaufwande equipirt und erwartete mit Gewißheit, einen Platz im Wagen des Königs zu erhalten. Aber Wilhelm, der sich von der Unterhaltung mit Sr. Königlichen Hoheit wenig Vergnügen oder Nutzen versprach und der selten etwas auf Zuvorkommenheiten gab, wählte Portland zum Reisegesellschafter und schien während dieses ganzen ereignißvollen Feldzuges von der Anwesenheit des Prinzen nicht die geringste Notiz zu nehmen.[141] Wäre Georg sich allein überlassen gewesen, so würde er die Kränkung schwerlich bemerkt haben. Aber wenn auch er selbst zu stumpfsinnig war, um so etwas zu fühlen, so fühlte seine Gemahlin für ihn, und ihr Haß wurde durch Unheilstifter von nicht gewöhnlicher Geschicklichkeit fortwährend angeschürt. Bei dieser, wie bei mancher andren Gelegenheit erwiesen sich die Mängel von Wilhelm’s Character als sehr nachtheilig für die hochwichtigen Interessen, die er zu wahren hatte. Seine Regierung würde viel glücklicher gewesen sein, wenn er neben seinem Muthe, seiner Capacität und seiner Seelengröße ein wenig von der ungezwungenen Heiterkeit und Courtoisie seines Oheims Karl besessen hätte.
Am vierten Tage traf der König in Chester ein, wo eine Flotte von Transportschiffen das Zeichen zum Absegeln erwartete. Am 11. Juni schiffte er sich ein und wurde von einem Geschwader von Kriegsschiffen unter den Befehlen Sir Cloudesley Shovel’s über den St. Georgskanal begleitet.[142]
Crone’s Prozeß.
Der Monat, welcher auf Wilhelm’s Abreise von London folgte, war einer der ereignißreichsten und angstvollsten in der ganzen Geschichte England’s. Wenige Stunden nachdem er aufgebrochen, wurde Crone vor die Schranke der Old Bailey gestellt. Eine große Anzahl Richter saß auf der Bank. Fuller hatte sich wieder hinreichend erholt, um vor Gericht erscheinen zu können, und der Prozeß begann. Die Jakobiten waren unermüdlich in ihren Anstrengungen gewesen, die politische Meinung der Personen zu ermitteln, deren Namen auf der Geschwornenliste standen. Es wurden so viele verworfen, daß es einige Mühe machte, die erforderliche Zahl von zwölfen zusammenzubringen, und unter diesen zwölf war nur einer, auf den die Mißvergnügten sich verlassen zu können glaubten. Sie irrten sich darin auch nicht ganz, denn dieser Mann hielt sich gegen seine elf Collegen die ganze Nacht und den halben folgenden Tag, und er würde sie wahrscheinlich durch Hunger zum Nachgeben gezwungen haben, wäre nicht Mrs. Clifford, die mit ihm im Einverständniß war, dabei betroffen worden, wie sie ihm Confect durch das Fenster zuwarf. Da er nichts mehr zu essen bekam, gab er nach und es erfolgte das Verdict Schuldig, das angeblich zweien von den Geschwornen das Leben gekostet haben soll. Es wurde nun sofort auf Sistirung des Urtheils angetragen, und zwar auf den Grund hin, weil ein auf der Rückseite der Anklageschrift stehendes lateinisches Wort unrichtig geschrieben war. Dies war allerdings ein nichtssagender Einwand. Jeffreys würde denselben ohne weiteres durch einen Strom von Flüchen verworfen haben und zu dem angenehmsten Theile seiner Amtspflicht übergegangen sein: dem Gefangenen die ganze Procedur des Halbhängens, Ausweidens, Verstümmelns und Viertheilens zu beschreiben. Aber Holt und seine Collegen erinnerten sich, daß sie jetzt zum ersten Male seit der Revolution einen des Hochverraths Angeklagten aburtheilten. Es war daher nöthig, in einer nicht mißzuverstehenden Weise zu zeigen, daß eine neue Aera begonnen hatte und daß die Tribunale in Zukunft eher auf Seite der Humanität irren als das Beispiel der grausamen Eile und Leichtfertigkeit nachahmen würden, womit Cornish, als er vor Gericht um sein Leben kämpfte, von servilen Richtern zum Schweigen gebracht wurde. Die Verkündigung des Urtels wurde daher aufgeschoben, es wurde ein Tag zur Erwägung des von Crone erhobenen Einwandes festgesetzt und der Anwalt des Angeklagten bedeutet, seine Beschwerde einzureichen. „Dies würde unter keiner der beiden letzten Regierungen geschehen sein, Mr. Crone,” sagte der Lord Oberrichter mit bedeutungsvoller Miene. Nach vollständiger Anhörung der Betheiligten erklärten die Richter einstimmig den Schreibfehler für unwesentlich, und der Gefangene wurde zum Tode verurtheilt. Er erkannte an, daß sein Prozeß unparteiisch geführt worden sei, dankte den Richtern für ihre Geduld und bat sie, sich bei der Königin für ihn zu verwenden.[143]