[69.] Oldmixon, 702.
Vorkehrungen der Regierung zum Widerstande. [Während] dieser Zeit wurden die Streitkräfte der Regierung eiligst zusammengezogen. Westlich von dem Rebellenheere stand Albemarle noch immer mit einer starken Abtheilung der Miliz von Devonshire. Im Osten hatte sich die Miliz von Wiltshire unter den Befehlen von Thomas Herbert, Earl von Pembroke, gesammelt. Im Nordosten stand Heinrich Somerset, Herzog von Beaufort, unter den Waffen. Beaufort’s Macht hatte einige Ähnlichkeit mit der der großen Barone des fünfzehnten Jahrhunderts. Er war Präsident von Wales und Lordstatthalter von vier englischen Grafschaften. Seine amtlichen Rundreisen durch das weite Gebiet, in welchem er die Majestät des Thrones repräsentirte, standen an Gepränge kaum den Reisen des Königs nach; sein Hausstand in Badminton war nach der Sitte eines früheren Zeitalters eingerichtet. Das Land in großer Ausdehnung um seinen Wohnsitz bewirthschaftete er selbst, und die Arbeiter, welche es bestellten, bildeten einen Theil seiner Familie. Neun Tafeln waren täglich in seinem Hause für zweihundert Personen gedeckt. Eine Menge Gentlemen und Pagen standen unter den Befehlen seines Haushofmeisters, ein ganzer Trupp Reiterei gehorchte dem Stallmeister. Die Küche, der Keller, die Hunde und die Pferde des Herzogs waren in ganz England berühmt; die Gentry viele Meilen im Umkreise war stolz auf den Glanz ihres mächtigen Nachbarn und zugleich bezaubert von seiner Leutseligkeit und Gutherzigkeit. Er war ein eifriger Kavalier aus der alten Schule; daher bot er in der damaligen Krisis seinen ganzen Einfluß und sein ganzes Ansehen zur Unterstützung der Krone auf und besetzte Bristol mit den Milizen von Gloucestershire, welche besser disciplinirt zu sein schienen, als die meisten anderen derartigen Truppen[70].
Auch in den von Somersetshire weiter entfernten Grafschaften waren die Anhänger des Thrones in voller Thätigkeit. Die Miliz von Sussex begann unter dem Commando Lord Richard Lumley’s, der zwar erst kürzlich dem katholischen Glauben entsagt hatte, aber seinem katholischen Könige noch immer treu ergeben war, nach Westen zu marschiren. Jakob Bertin, Earl von Abingdon, rief die Mannschaften von Oxfordshire zu den Waffen. Johann Fell, Bischof von Oxford und gleichzeitig auch Dechant des Christchurch-Collegiums, forderte die Nichtgraduirten seiner Universität auf, für die Krone die Waffen zu ergreifen. Die Studenten ließen sich in Massen einreihen, das Christchurch-Collegium allein stellte nahe an hundert Pikenmänner und Musketiere. Junge Edelleute und studirende Gentlemen bekleideten die Offiziersposten und der älteste Sohn des Lordstatthalters wurde zum Obersten ernannt[71].
Hauptsächlich aber verließ sich der König auf seine regulären Truppen. Churchill war mit den Blauen in den Westen gesandt worden und Feversham folgte mit allen Streitkräften, welche in der Umgegend von London entbehrt werden konnten. Nach Holland war ein Courier mit einem Briefe an Skelton abgegangen, worin dieser beauftragt wurde, die sofortige Absendung der in holländischem Dienste stehenden drei Regimenter nach der Themse zu verlangen. Als diese Aufforderung erfolgte, versuchte es die dem Hause Oranien feindlich gesinnte Partei, mit den Deputirten von Amsterdam an der Spitze, abermals eine Verzögerung herbeizuführen. Aber Wilhelm’s Energie, der fast eben so viel zu verlieren hatte, als Jakob, und der Monmouth’s Fortschritte mit ernster Besorgniß betrachtete, unterdrückte die Opposition und in einigen Tagen segelten die Truppen ab[72]. Die drei schottischen Regimenter waren schon in England; sie waren in vortrefflichem Zustande in Gravesend angelangt, und Jakob hatte sie bei Blackheath gemustert. Er erklärte dem holländischen Gesandten wiederholt, daß er nie in seinem Leben schönere und besser disciplinirte Soldaten gesehen habe und daß er dem Prinzen von Oranien, sowie den Generalstaaten für diese werthvolle und rechtzeitige Verstärkung seinen wärmsten Dank ausspreche. Diese Freude war jedoch nicht ganz ungetrübt. So trefflich die Leute auch bei der Musterung bestanden, so waren sie doch nicht ganz frei von dem Einflusse der holländischen Politik und der holländischen Gottesverehrung geblieben. Einer von ihnen ward erschossen und ein Andrer ausgepeitscht, weil er auf die Gesundheit des Herzogs von Monmouth getrunken hatte. Man hielt es daher nicht für rathsam, sie auf den gefährlichsten Posten zu stellen und behielt sie bis zur Beendigung des Feldzugs in der Umgegend von London; aber ihre Ankunft setzte den König in den Stand, einige Infanterie, die er sonst in der Hauptstadt gebraucht haben würde, nach dem Westen zu schicken[73].
Während die Regierung sich so zum Kampfe mit den Rebellen im offnen Felde rüstete, wurden auch Vorsichtsmaßregeln andrer Art nicht verabsäumt. In London allein wurden zweihundert Personen, von denen man befürchtete, daß sie sich an die Spitze einer whiggistischen Bewegung stellen könnten, verhaftet. Unter ihnen befanden sich einige sehr angesehene Kaufleute. Jedermann, der dem Hof mißliebig war, schwebte in beständiger Angst. Eine drückende Gewitterluft lagerte über der Hauptstadt. Die Börsengeschäfte stockten und die Theater waren so wenig besucht, daß eine neue Oper von Dryden, welche mit noch nie dagewesener Pracht in Scene gesetzt worden war, wieder zurückgezogen wurde, weil die Einnahme die Kosten der Aufführung nicht gedeckt haben würde[74]. Die Behörden und die Geistlichkeit waren allenthalben thätig, die Dissenters wurden überall scharf beobachtet. In Cheshire und Shropshire wüthete eine heftige Verfolgung, in Northamptonshire wurden zahlreiche Verhaftungen vorgenommen und das Oxforder Gefängniß war mit Gefangenen überfüllt. Kein puritanischer Geistlicher, wie gemäßigt seine Meinung und wie vorsichtig sein Verhalten auch sein mochte, war sicher, daß er nicht seiner Familie entrissen und, in den Kerker geworfen wurde[75].
Inzwischen zog Monmouth von Bridgewater weiter, auf dem ganzen Marsche von Churchill beunruhigt, der Alles that, was ein tapferer und geschickter Offizier mit einer Handvoll Leute nur irgend auszurichten vermag. Das vom Feinde sowohl als von heftigem Regen arg belästigte Rebellenheer machte am Abend des 22. Juni in Glastonbury Halt. Die Häuser des Städtchens waren zur Aufnahme einer so bedeutenden Streitmacht nicht ausreichend; daher mußte ein Theil der Truppen in den Kirchen untergebracht werden und die übrigen zündeten zwischen den Ruinen der ehrwürdigen Abtei, einst dem reichsten Kloster unsrer Insel, ihre Wachtfeuer an. Von Glastonbury marschirte der Herzog nach Wells, und von Wells nach Shepton Mallet.[76]
[70.] North’s Life of Guildford, 132. Berichte von Beaufort’s Reise durch Wales und die benachbarten Grafschaften stehen in der London Gazette vom Juli 1684. Brief von Beaufort an Clarendon vorn 19. Juni 1685.
[71.] Bischof Fell an Clarendon, 20. Juni; Abingdon an Clarendon, 20., 25. u. 26. Juni 1685; Lansdowne MS, 846.
[72.] Avaux, 5.(15.) & 6.(16.) Juli 1685.
[73.] Citters, 30. Juni (10. Juli), 3.(13.) & 21.(31.) Juli 1685; Avaux, 5.(15.) Juli; London Gazette, July 6.