Noch wenige Monate, und das friedliche Dorf Toddington in Bedfordshire sah ein noch erschütternderes Leichenbegängniß. Unweit dieses Dorfes stand ein altes, stattliches Schloß, der Stammsitz der Wentworth. Das Querschiff der Pfarrkirche war seit langer Zeit ihr Begräbnißplatz. In dieser Grabstätte ward im ersten Frühling nach Monmouth’s Tode der Sarg der jungen Baronesse Wentworth von Nettlestede getragen. Ihre Familie ließ ihr ein prächtiges Mausoleum errichten; aber ein viel einfacheres Erinnerungszeichen an sie wurde lange mit weit größerer Theilnahme betrachtet. Ihr Name, von der Hand des Mannes eingeschnitten, den sie nur zu sehr liebte, war noch mehrere Jahre nachher an einem Baume des anstoßenden Parkes zu erkennen.

[114.] Der Name Ketch’s wurde in den Spottgedichten jener Zeit oft mit dem Namen Jeffreys’ in Verbindung gebracht:

„Jeffreys sitzt auf der Bank, Ketch auf dem Galgen,“

sagt ein Dichter. Das Jahr darauf nach Monmouth’s Hinrichtung wurde Ketch seines Amtes entsetzt, weil er einen der Sheriffs beleidigt hatte, und ihm folgte ein Metzger, Namens Rose. Aber schon nach vier Monaten wurde Rose selbst in Tyburn gehängt und Ketch wieder in seine Stelle eingesetzt. Luttrell’s Diary, Jan. 20. & May 28. 1686. Siehe auch eine interessante Note von Dr. Grey im Hudibras, Th. II. Ges. 2, Zeile 1534.

[115.] Bericht über die Hinrichtung Monmouth’s, unterzeichnet von den Geistlichen, die ihn begleiteten. Buccleuch MS.; Burnet, I. 646; Citters, 17.(27.) Juli 1685; Luttrell’s Diary; Evelyn’s Diary, July 15; Barillon, 19.(29.) Juli.

[116.] Ich kann nicht umhin, hier meine Entrüstung über die barbarische Thorheit auszusprechen, welche diese höchst interessante Kirche in ein Gebäude verwandelt hat, das dem Versammlungshause in einer Fabrikstadt ähnlich sieht.

Wie das niedere Volk sein Andenken ehrte. [Lady] Wentworth war nicht die Einzige, die das Andenken des Herzogs mit abgöttischer Liebe ehrte. Er lebte fort in den Herzen des Volks, bis das Geschlecht, das ihn gesehen hatte, verschwunden war. Bänder, Schnallen und andere geringfügige Kleinigkeiten, die er an sich getragen, wurden von Denen, welche bei Sedgemoor unter ihm gefochten hatten, wie kostbare Reliquien aufbewahrt. Alte Leute, die ihn lange überlebten, sprachen in ihrer Sterbestunde den Wunsch aus, daß man ihnen diese Kleinigkeiten mit in’s Grab geben möchte. Ein Knopf von Goldlahn, der mit Mühe diesem Schicksale entging, ist noch in einem Hause zu sehen, von welchem aus man das Schlachtfeld überblickt. Das Volk hing mit einer solchen Zärtlichkeit an seinem unglücklichen Lieblinge, daß trotz der augenfälligsten Beweise, die seinen Tod betätigten, Viele noch immer die Hoffnung hegten, daß er lebe und bald wieder bewaffnet erscheinen werde. Es hieß, ein Mann, der dem Herzoge auffallend ähnlich sähe, habe sich selbst aufgeopfert, um den Helden des Protestantismus zu retten. Bei jeder politischen Krisis von einiger Wichtigkeit flüsterte das gemeine Volk sich zu, die Zeit sei nahe und König Monmouth werde sich bald zeigen. Im Jahre 1686 wurde ein Betrüger, der sich für den Herzog ausgegeben und in verschiedenen Dörfern von Wiltshire Gelder eingesammelt hatte, eingefangen und von Newgate nach Tyburn gepeitscht. Im Jahre 1698, nachdem England schon lange unter einem neuen Herrscherstamme constitutionelle Freiheit genoß, gab sich der Sohn eines Gastwirths bei den Freisassen von Sussex für ihren geliebten Monmouth aus und täuschte Viele, die keineswegs der untersten Klasse angehörten. Es wurden fünfhundert Pfund Sterling für ihn gesammelt, die Pächter schenkten ihm ein Pferd, ihre Frauen schickten ihm ganze Körbe voll Hühner und Enten und man sagte sogar, daß sie auch zärtlichere Gunstbezeigungen an ihn verschwendeten, denn im Punkte der Galanterie wenigstens war der Doppelgänger ein nicht unwürdiger Repräsentant des Originals. Als dieser Mensch wegen seines Betrugs in’s Gefängniß geworfen wurde, verschafften ihm seine Anhänger dort alle möglichen Genüsse. Viele erschienen bei den Sitzungen der Assisen von Horsham, um ihn durch ihre Anwesenheit zu ermuthigen. Die Täuschung währte noch immer fort als Georg III. bereits drei Jahre auf dem Throne saß, bis Voltaire es endlich für nöthig hielt, allen Ernstes die Muthmaßung zu entkräften, daß der Mann mit der eisernen Maske der Herzog von Monmouth sei.[117]

Es dürfte keine minder auffallende Thatsache sein, daß bis auf den heutigen Tag die Bewohner einiger westlichen Provinzen Englands, sobald irgend eine ihre Interessen berührende Bill im Hause der Lords zur Verlesung kommt, sich für berechtigt hielten, auf die Unterstützung des Herzogs von Buccleuch, eines Nachkommen des unglücklichen Oberhauptes, für den ihre Vorfahren bluteten, Anspruch zu machen.

Die Geschichte Monmouth’s würde allein genügen, um den Vorwurf der Unbeständigkeit zu widerlegen, der dem gemeinen Volke so oft gemacht wird. Allerdings ist das niedere Volk zuweilen unbeständig, weil es eben Menschen sind; daß es aber unbeständig sei im Vergleich zu den höheren Klassen, zu dem Adel und zu den Fürsten, muß entschieden geleugnet werden. Man könnte leicht Demagogen namhaft machen, deren Popularität sich nicht vermindert hat, während Souveraine und Parlamente einer langen Reihe von Staatsmännern ihr Vertrauen entzogen haben. Als Swift’s Geisteskräfte sich schon viele Jahre überlebt hatten, fuhr das irische Volk noch immer fort, an seinem Geburtstage Freudenfeuer anzuzünden, zur Erinnerung an die Dienste, die er, wie sie glaubten, dem Vaterlande zu der Zeit geleistet hatte, da sein Geist noch in voller Kraft war. Während sieben Ministerien zur Macht erhoben und in Folge von Hofintriguen oder Gesinnungs­veränderungen der höheren Klassen der Gesellschaft wieder vertrieben wurden, behauptete der verworfene Wilkie seine Herrschaft über einen Pöbel, den er brandschatzte und verhöhnte. Politiker, welche 1807 sich bei Georg III. in Gunst zu setzen suchten, indem sie Karolinen von Braunschweig vertheidigten, schämten sich nicht, dreizehn Jahre später die nämliche Fürstin zu verfolgen, um sich bei Georg IV. einzuschmeicheln. Die ganze Masse der arbeitenden Klassen aber war im Jahre 1820 noch eben so für sie begeistert wie 1807. So war es auch mit Monmouth. Im Jahre 1680 war er in gleichem Maße von der Gentry wie von dem Landvolke des Westens verehrt worden, und als er im Jahre 1685 wieder erschien, war er für die Gentry ein Gegenstand der Abneigung geworden, während das Landvolk ihm noch immer mit einer den Tod nicht scheuenden Liebe zugethan war, mit einer Liebe, die weder Mißgeschick und Fehler, noch die Flucht von Sedgemoor, noch der Brief von Ringwood, noch die Thränen und schmachvollen Bitten in Whitehall zu ersticken vermochten. Nicht Unbeständigkeit ist es, was man dem niederen Volke zum Vorwurf machen kann, sondern nur, daß es in der Wahl seiner Lieblinge fast stets so unglücklich ist, daß seine Beständigkeit ein Fehler und keine Tugend wird.

[117.] Observator, Aug. 1. 1685; Gazette de France, Nov. 2. 1686; Brief von Humphrey Wanley vom 25. Aug. 1698 in der Aubrey’schen Sammlung; Voltaire, Dict. Phil. In der Pepys’schen Sammlung befinden sich mehrere nach Monmouth’s Tode geschriebene Balladen, in denen er als noch lebend dargestellt und seine baldige Rückkehr prophezeit wird.