Die zum Tode verurtheilten Rebellen waren indessen weniger zu beklagen als manche von den Überlebenden. Verschiedene Gefangene, welche Jeffreys des Hochverraths nicht überführen konnte, wurden geringerer Vergehen schuldig befunden und zu nicht minder furchtbarer Auspeitschung verurtheilt, als sie früher dem Oates zuerkannt worden war. Eine Frau ward einiger geringfügiger Worte halber, wie sie in den Bezirken, wo der Krieg gewüthet hatte, von der Hälfte der Frauen geäußert wurden, dazu verurtheilt, durch alle Marktorte der Grafschaft Dorset gepeitscht zu werden. Sie erlitt einen Theil ihrer Strafe noch vor Jeffreys’ Rückkehr nach London; als er aber den Westen verlassen hatte, nahmen die Kerkerknechte unter stillschweigender Einwilligung der Behörden es auf sich, sie mit weiteren Qualen zu verschonen.

[136.] In Bezug auf die Gebrüder Hewling habe ich mich an Kiffin’s Memoiren und an Mr. Hewling Luson’s Erzählung in der zweiten Ausgabe der Hughes Correspondence vol. II. Appendix gehalten. Die Berichte in Locke’s Western Rebellion und in dem Panegyric on Jeffreys sind voll falscher Angaben. Der Bericht in den Bloody Assizes ist zum großen Theile von Kiffin verfaßt und stimmt wörtlich mit seinen Memoiren überein.

Tutchin’s Strafe. [Eine] noch fürchterlichere Strafe wurde über einen jungen Menschen, Namens Tutchin, verhängt, der ebenfalls wegen aufrührerischer Reden zur Untersuchung gezogen war. Er wurde, wie gewöhnlich, in seiner Verteidigung durch gemeine und rohe Scherze vom Richterstuhle herab unterbrochen. „Ihr seid ein Rebell und Eure ganze Familie hat seit Adam’s Zeiten aus Rebellen bestanden. Wie ich höre, seid Ihr ein Dichter; ich will um die Wette Verse mit Euch machen.“ Das Urtel gegen den jungen Menschen lautete auf sieben Jahr Gefängniß, während welcher Zeit er jedes Jahr durch alle Marktorte der Grafschaft gepeitscht werden sollte. Die Frauen auf den Galerien brachen in Thränen aus; der Gerichtsschreiber erhob sich in großer Aufregung und sagte: „Mylord, der Gefangene ist noch sehr jung und es giebt viele Marktorte in unsrer Grafschaft. Nach diesem Urtel wird er sieben Jahre lang alle vierzehn Tage ausgepeitscht werden.“ „Ein junger Mensch mag er sein,“ erwiederte Jeffreys, „aber nichts desto weniger ist er ein alter Schurke. Meine Damen, Sie kennen den Buben nicht so wie ich. Die Strafe ist eigentlich noch lange nicht hart genug für ihn; keine Macht Englands soll sie abändern.“ Tutchin bat in seiner Verzweiflung, und wahrscheinlich im vollen Ernst, um die Gunst gehängt zu werden. Zu seinem Glück erkrankte er an den Pocken und wurde von den Ärzten aufgegeben. Da es sehr zweifelhaft war, ob das Urtel würde vollzogen werden können, so ließ sich der Oberrichter durch eine Bestechungssumme, die dem Gefangenen zum armen Manne machte, zur Zurücknahme desselben bewegen. Der von Haus aus nicht sehr sanfte Character Tutchin’s wurde durch dieses Erlebniß bis zur Überspanntheit verbittert und er machte sich späterhin als einer der heftigsten und unversöhnlichsten Feinde des Hauses Stuart und der Torypartei bemerkbar.[137]

[137.] Siehe Tutchin’s eigne Erzählung seines Prozesses in den Bloody Assizes.

Deportation von Rebellen. [Die] Anzahl der Gefangenen, welche Jeffreys zur Deportation verurtheilte, belief sich auf achthundert­einundvierzig. Diese Leute, die noch viel unglücklicher waren als ihre dem Tode überantworteten Leidensgefährten, wurden in Trupps abgetheilt und Personen verliehen, welche bei Hofe in Gunst standen. Die Bedingungen der Verleihung waren, daß die Verurtheilten als Sklaven über’s Meer transportirt würden, daß sie vor Ablauf von zehn Jahren nicht freigelassen werden dürften, und daß der Ort der Verbannung irgend eine westindische Insel sein müßte. Dieser letzte Punkt war mit raffinirter Bosheit hinzugefügt worden, um das Elend der Gefangenen zu vermehren. In Neuengland oder Neujersey würden sie eine ihnen freundlich gesinnte Bevölkerung und ein der Gesundheit nicht nachtheiliges Klima gefunden haben. Daher beschloß man, sie nach solchen Kolonien zu senden, wo ein Puritaner keine besondere Theilnahme erwarten durfte und ein in der gemäßigten Zone geborner Arbeiter für seine Gesundheit nicht viel Gutes zu hoffen hatte. Der Stand des Sklavenmarktes war aber von der Art, daß diese Unglücklichen trotz der langen Seereise und obgleich sie voraussichtlich bald krank wurden, immer noch einen bedeutenden Werth hatten. Nach Jeffreys’ Schätzung war jeder von ihnen, nach Abzug aller Unkosten, im Durchschnitt zehn bis fünfzehn Pfund Sterling werth. Es fanden sich daher viele Bewerber für die Verleihung dieser Sklaven. Einige Tories im Westen waren der Meinung, daß sie sich durch ihre Leiden und Drangsale während der Insurrection gegründete Ansprüche auf einen Antheil an dem Nutzen, der ihnen von den Schmarotzern zu Whitehall gierig weggefischt worden sei, erworben hätten. Die Höflinge aber trugen den Sieg davon.[138]

Das Elend der Verbannten kam dem der Negersklaven, welche jetzt von Congo nach Brasilien verschifft werden, vollkommen gleich. Aus den besten jetzt noch zugänglichen Quellen geht hervor, daß mehr als ein Fünftel von den Deportirten vor Beendigung ihrer Reise den Haifischen vorgeworfen wurden. Die Menschenladungen waren in den Kielräumen kleiner Schiffe dicht zusammengedrängt, und die Unglücklichen, von denen viele noch an ungeheilten Wunden litten, hatten so wenig Spielraum, daß sie sich nicht alle zu gleicher Zeit niederlegen konnten, ohne auf einander zu liegen. Auf das Verdeck durften sie niemals kommen; die Luken waren beständig von Schildwachen besetzt, die mit Seitengewehr und Muskete bewaffnet waren. Unten im Kerker herrschte Finsterniß, pestilentialischer Geruch, Jammer, Krankheit und Tod. Von neunundneunzig Verurtheilten, die auf einem Schiffe transportirt wurden, starben zweiundzwanzig vor der Ankunft in Jamaika, obgleich die Reise ungewöhnlich rasch von Statten ging, und als die Überlebenden den Ort ihrer Bestimmung erreichten, waren sie nur noch Skelette. Mehrere Wochen lang hatten sie so kärgliche Rationen von grobem Schiffszwieback und fauligem Wasser bekommen, daß Einer mit leichter Mühe fünfmal so viel hätte zu sich nehmen können. Sie kamen daher in einem solchen Zustande an, daß der Kaufmann, an den sie consignirt waren, es für nöthig hielt, sie erst zu mästen, bevor er sie verkaufte.[139]

[138.] Sunderland an Jeffreys, 14. Sept. 1685; Jeffreys an den König, 19. Sept. 1685, im Staatsarchive.

[139.] Die beste Schilderung der Leiden der zur Deportation verurtheilten Rebellen findet sich in einer interessanten Erzählung, geschrieben von Johann Coad, einem rechtschaffnen und gottesfürchtigen Zimmermanne, der sich Monmouth angeschlossen hatte, bei Philips Norton schwer verwundet, von Jeffreys verurtheilt und nach Jamaika transportirt wurde. Das Originalmanuscript ward mir von Herrn Phippard, dem es gehört, freundlichst geliehen.

Confiscationen und Erpressungen. [Unterdessen] wurde das Eigenthum sowohl der hingerichteten Rebellen, als auch der noch unglücklicheren, die unter der tropischen Sonne dahinwelkten, von einer Menge gieriger Kläger in Beschlag genommen und zerstückelt. Nach dem Gesetz ist ein wegen Hochverraths verurtheilter Unterthan seines ganzen Vermögens verlustig, und dieses Gesetz wurde nach Beendigung der blutigen Assisen mit einer eben so grausamen als lächerlichen Strenge durchgeführt. Die gebeugten Wittwen und die verlassenen Waisen der Arbeiter, deren Leichname noch an den Kreuzwegen am Galgen hingen, wurden von den Agenten des Schatzamtes aufgefordert, Rechenschaft darüber abzulegen, wohin ein Korb, eine Gans, eine Speckseite, ein Fäßchen Äpfelwein, ein Sack Bohnen oder ein Bündel Heu gekommen sei.[140] Während die niederen Beamten der Regierung die Familien der hingeschlachteten Landleute ausplünderten, sammelte der Oberrichter durch Ausplündrung einer höheren Klasse von Whigs bedeutende Schätze. Er trieb einen ausgedehnten Handel mit Begnadigungen. Das einträglichste Geschäft dieser Art machte er mit einem Gentleman, Namens Edmund Prideaux. Es steht fest, daß Prideaux nicht gegen die Regierung gekämpft hatte, und sein einziges Verbrechen bestand wahrscheinlich in der Ererbung eines großen Vermögens, das ihm sein Vater, ein ausgezeichneter Jurist, der unter dem Protector ein hohes Amt bekleidet, hinterlassen hatte. Der Unglückliche schmachtete lange im Kerker und verstand sich endlich aus Furcht vor dem Galgen dazu, für seine Freilassung fünfzehntausend Pfund Sterling zu bezahlen. Diese bedeutende Summe eignete sich Jeffreys zu. Er kaufte sich dafür ein Landgut, welches das Volk nach jenem verfluchten Acker, der um den Preis unschuldigen Blute’s erkauft ward, Hakeldama nannte.[141]

In diesem Erpressungsgeschäft wurde er von dem Schmarotzerschwarm, der mit ihm zu schwelgen und zu jubeln pflegte, wacker unterstützt. Das Amt dieser Menschen bestand darin, daß sie den Verurtheilten, die von der Angst vor dem Tode gequält wurden, und den Ältern, welche für das Leben ihrer Kinder zitterten, als Unterhändler ansehnliche Geldversprechungen zu erpressen suchten. Einen Theil der Beute überließ Jeffreys seinen Agenten. Einem seiner Zechgenossen soll er, wie man sagt, die Begnadigung eines reichen Hochverräthers bei einem Gelage über den Tisch zugeworfen haben. Es war nicht rathsam, sich einer andren Fürsprache als der seiner Creaturen zu bedienen, denn er war sehr eifersüchtig auf die Erhaltung seines einträglichen Begnadigungs­monopols. Man vermuthete sogar, daß er einige Personen lediglich deshalb an den Galgen schickte, weil sie sich auf von ihm unabhängigen Wegen an die königliche Gnade gewendet hatten.[142]