[140.] Unter den Papieren des Schatzamtes vom Herbst 1685 befinden sich mehrere Briefe, welche Nachforschungen nach derartigen Kleinigkeiten anbefehlen.

[141.] Commons’ Journals, Oct. 9., Nov. 10. & Dec. 26. 1690; Oldmixon, 706; Panegyric on Jeffreys.

[142.] Life and Death of Lord Jeffreys; Panegyric on Jeffreys; Kiffin’s Memoirs.

Habgier der Königin und ihrer Hofdamen. [Einige] Höflinge fanden dessenungeachtet Mittel und Wege, um einen kleinen Gewinnantheil von dem Handel zu ziehen, und ganz besonders zeichneten sich die Hofdamen der Königin durch ihre Geldgier und Hartherzigkeit aus. Die Schuld an dieser Schmach fällt zum Theil auf ihre Gebieterin, denn sie wurden lediglich durch ihre Stellung an deren Hofe in den Stand gesetzt, sich durch einen so abscheulichen Handel zu bereichern, und es unterliegt keinem Zweifel, daß die Königin demselben durch ein Wort oder einen Wink hätte Einhalt thun können. Allein sie bestärkte sie vielmehr darin durch ihr eignes Beispiel, wenn nicht durch ausdrückliche Ermächtigung. Sie scheint der zahlreichen Klasse von Menschen angehört zu haben, die im Unglück besser sind als im Glück. So lange ihr Gemahl ein Unterthan und ein Verbannter war, von jedem Staatsamte ausgeschlossen und in dringender Gefahr, seines Geburtsrechts beraubt zu werden, gewannen ihr die Liebenswürdigkeit und Bescheidenheit ihres Auftretens selbst die Herzen Derer, die ihren Glauben am meisten verabscheuten. Als aber ihr Glücksstern aufging, verschwand ihre Gutherzigkeit. Die sanfte und leutselige Herzogin wurde eine lieblose und hochmüthige Königin.[143] Das Mißgeschick, das in der Folge über sie kam, hat zwar einige Teilnahme für sie erweckt; aber diese Theilnahme würde viel größer sein, wenn es sich nachweisen ließe, daß sie in den Tagen ihrer Größe nur ein einziges Opfer von der schrecklichsten Proscription, die England je gesehen hat, rettete, oder nur zu retten versuchte. Leider aber that sie, so viel bekannt ist, für die Rebellen nichts weiter, als daß sie darum anhielt, daß ihr von den zur Deportation Verurtheilten Hundert geschenkt werden möchten.[144] Der Gewinn, den ihr diese Menschenladung abwarf, kann nach reichlichem Abzug für Diejenigen, welche auf der Überfahrt vor Hunger und an Krankheiten starben, auf mindestens tausend Guineen angeschlagen werden. Wir dürfen uns demnach nicht wundern, daß ihre Hofdamen das Beispiel ihrer unfürstlichen Habgier und ihrer unweiblichen Grausamkeit nachahmten. So erpreßten sie tausend Pfund von einem Kaufmanne in Bridgewater, Namens Roger Hoare, der einen Beitrag zur Kriegskasse der Rebellenarmee gegeben hatte. Die Beute aber, nach der sie sich am gierigsten zeigten, war eine, von der man hätte denken sollen, daß auch der unedelste Character sie verschonen würde. Von den Mädchen, welche Monmouth in Taunton eine Fahne überreichten, hatten schon einige ihr Vergehen schwer büßen müssen. Eine von ihnen war in ein Gefängnis geworfen worden, in welchem eine ansteckende Krankheit wüthete. Sie ward von derselben ergriffen und starb. Eine Andre kam in den Gerichtssaal, um Jeffreys um Gnade zu bitten. „Fort mit ihr, Kerkermeister!“ brüllte der Richter mit seiner finstren Miene, die schon stärkere Gemüther als das ihrige mit Schrecken erfüllt hatte. Sie brach in Thränen aus, zog ihre Haube über das Gesicht, verließ mit dem Kerkermeister den Gerichtssaal, wurde krank von dem Schrecken und war in wenigen Stunden eine Leiche. Die meisten der jungen Mädchen, die an dem Zuge Theil genommen hatten, waren jedoch noch am Leben. Einige davon waren unter zehn Jahr alt; alle hatten auf Befehl ihrer Lehrerinnen gehandelt, ohne zu wissen, daß sie etwas Unrechtes thaten. Die Ehrendamen der Königin baten ihre Gebieterin um die Erlaubniß, den Eltern der armen Kinder Geld erpressen zu dürfen, und sie wurde ihnen bewilligt. Es wurde der Befehl nach Taunton geschickt, alle diese jungen Mädchen zu verhaften und ins Gefängniß zu werfen. Sir Franz Warre von Hestercombe, der toryistische Abgeordnete für Bridgewater, wurde mit der Eintreibung der Lösegelder beauftragt. Er sollte mit Entschiedenheit erklären, daß die Ehrenfräulein keinen Aufschub gestatten könnten, sondern entschlossen seien, die Sache bis zur Ächtung zu treiben, wenn nicht eine angemessne Summe erlegt werde, und daß unter dieser angemessnen Summe siebentausend Pfund zu verstehen seien. Warre lehnte jedoch jede Theilnahme an einer so schmachvollen Unterhandlung ab. Die Ehrendamen wendeten sich nun an Wilhelm Penn, und dieser übernahm den Auftrag. Ein wenig von der starrsinnigen Scrupulosität, die er oft in Betreff des Hutabnehmens gezeigt hatte, würde bei dieser Gelegenheit nicht am unrechten Orte gewesen sein. Wahrscheinlich beschwichtigte er die Mahnungen seines Gewissens dadurch, daß er sich einredete, es werde von dem zu erpressenden Gelde nichts in seine eigne Tasche fließen, daß die Damen leicht einen weniger humanen Diener finden würden, wenn er sich weigerte, ihren Auftrag zu übernehmen, und daß er endlich durch Willfährigkeit einen größren Einfluß bei Hofe erlangen werde, welcher Einfluß ihn schon in den Stand gesetzt hatte und auch fernerhin in den Stand setzen konnte, seinen unterdrückten Brüdern viel zu nützen. Die Ehrendamen mußten sich übrigens schließlich mit weniger als einem Drittel der verlangten Summe begnügen.[145]

Kein andrer englischer Souverain hat so starke Beweise von einer grausamen Natur gegeben, als Jakob II. Seine Grausamkeit war jedoch nicht gehässiger als seine Gnade, oder vielleicht richtiger gesagt, seine Gnade und seine Grausamkeit waren von der Art, daß sie einander gegenseitig schändeten. Unser Entsetzen über das Schicksal der einfachen Bauern, der jungen Burschen und zarten Frauen, gegen die er mit unerbittlicher Strenge verfuhr, steigert sich noch, wenn wir sehen, wem und aus welchen Rücksichten er Verzeihung gewährte.

Das Verfahren, welches ein Fürst nach Unterdrückung eines Aufstandes bei der Auswahl der zu bestrafenden Rebellen beobachten muß, ist vollkommen klar. Die Rädelsführer, die Männer von Ansehen, Vermögen und Bildung, welche durch ihre Macht und ihre Kunstgriffe die Menge verführten, sind Diejenigen, über welche strenges Gericht zu halten ist. Das getäuschte Volk kann, nachdem das Blutbad auf dem Schlachtfelde vorüber ist, kaum zu mild behandelt werden. Diese Regel aber, welche doch augenfällig der Gerechtigkeit und Menschlichkeit entspricht, wurde nicht allein nicht befolgt, sondern sogar umgekehrt. Während Die, welche hätten verschont werden sollen, zu Hunderten hingeschlachtet wurden, verschonte man die Wenigen, die man gerade der äußersten Strenge des Gesetzes hätte überlassen sollen. Diese verkehrte Milde hat manche Schriftsteller in Verwunderung gesetzt, andere zu lächerlichen Lobhudeleien verleitet. Sie war weder unerklärlich, noch lobenswerth; sie konnte in jedem einzelnen Falle ganz leicht auf einen schmutzigen oder einen boshaften Beweggrund, entweder auf Geldgier oder auf Blutdurst zurückgeführt werden.

[143.] Burnet I. 368; Evelyn’s Diary, Feb. 4. 1684—85, July 13. 1686. In einer damaligen Satire kommen die Zeilen vor:

Als Herzogin sie sanft und mild sich zeigte,

Als Königin sie einem Teufel glich.

[144.] Sunderland an Jeffreys, 14. Septbr. 1685.