Der außerordentliche Erfolg der Fabeln des Oates ist namentlich dem Vorherrschen dieser Ansicht zuzuschreiben. Umsonst berief sich der angeklagte römische Katholik auf die Rechtschaffenheit, Menschen­freund­lichkeit und Loyalität, die er während seines ganzen Lebens bewiesen habe; umsonst berief er sich auf zahlreiche achtbare Zeugen seines Glaubens, um die abenteuerlichen Romane zu widerlegen, welche der ehrloseste aller Menschen erdichtet; umsonst rief er noch mit dem Stricke um den Hals die ganze Rache des Gottes, vor dem er in wenigen Augenblicken erscheinen sollte, auf sich herab, wenn er irgend etwas Böses gegen seinen Fürsten oder seine protestantischen Landsleute beabsichtigt hätte. Die Zeugen, die er zu seiner Entlastung aufrief, bewiesen nur, wie wenig ein Papisteneid werth war; gerade seine Tugenden erweckten den Verdacht seiner Schuld, und der Umstand, daß er den Tod und das jüngste Gericht vor Augen sah, machte es nur um so wahrscheinlicher, daß er leugnen werde, was er nicht gestehen konnte, ohne der heiligsten Sache zu schaden. Unter den Unglücklichen, die wegen der Ermordung Godfrey’s verurtheilt wurden, befand sich auch ein Protestant von nicht sehr achtungswerthem Character, Namens Heinrich Berry. Es ist ein bedeutungsvoller und authentisch erwiesener Umstand, daß Berry’s letzte Worte mehr dazu beitrugen, den Glauben an das Complot zu erschüttern, als die Erklärungen, welche die frommen und ehrenwerthen römischen Katholiken, die das nämliche Loos traf, in der Todesstunde abgaben[6].

Und nicht allein von dem unwissenden Pöbel, nicht allein von den Eiferern, in denen der Fanatismus alle Vernunft und Menschenliebe erstickt hatte, wurde der Katholik als ein Mensch betrachtet, den gerade die Zartheit seines Gewissens zum falschen Zeugen, zum Brandstifter und zum Mörder machen konnte, als ein Mensch, der vor keiner Schandthat zurückbebte und sich durch keinen Eid gebunden glaubte, sobald seine Kirche im Spiele war. Wenn es damals zwei Männer gab, die ihr Verstand wie ihr Gemüth zur Duldsamkeit geneigt machte, so waren es gewiß Tillotson und Locke. Dennoch sagte Tillotson, den seine Nachsicht gegen verschiedene Klassen von Schismatikern und Ketzern den Vorwurf der Heterodoxie zugezogen hatte, dem Hause der Gemeinen auf der Kanzel, daß es ihre Pflicht sei, wirksame Maßregeln gegen die Verbreitung einer Religion zu treffen, welche verderblicher sei als völlige Irreligiosität, einer Religion, die von ihren Bekennern Dienste fordere, welche den ersten Grundsätzen der Moral zuwiderliefen, sein Herz, versicherte er aus aufrichtiger Überzeugung, sei zur Milde geneigt, aber seine Pflicht gegen die Gesammtheit zwinge ihn, in diesem einen Punkte streng zu sein. Er erklärte, daß seiner Ansicht nach Heiden, welche den Namen Christi nie gehört hätten und nur durch das Licht der Natur geleitet würden, vertrauenswürdigere Mitglieder der bürgerlichen Gesellschaft seien, als Menschen, die in der Schule der papistischen Casuisten gebildet wären[7]. Locke behauptete in der berühmten Schrift, durch die er zu beweisen versuchte, daß selbst die rohesten Formen des Götzendienstes nicht durch Strafbestimmungen verboten werden dürften, daß eine Kirche, welche die Menschen lehre, Ketzern gegenüber ihr Wort nicht zu halten, keinen Anspruch auf Duldung habe[8].

Unter solchen Umständen konnte ein englischer Katholik seinen Glaubensgenossen gewiß keinen größeren Dienst erzeigen, als wenn er das Publikum überzeugte, daß seine Kirche, was auch einige heftige Männer in Zeiten stürmischer Aufregung geschrieben oder gethan haben mochten, keineswegs der Ansicht huldige, daß irgend ein Zweck mit der Sittlichkeit unvereinbare Mittel heiligen könne. Und es stand in Jakob’s Macht, diesen großen Dienst zu leisten. Er war König und mächtiger als irgend ein englischer König, dessen sich die ältesten Leute erinnern konnten, gewesen war. Von ihm hing es ab, ob der Vorwurf, der auf seiner Religion haftete, beseitigt oder verewigt werden sollte.

Hätte er sich den Gesetzen gefügt, hätte er seine Versprechungen erfüllt, hätte er sich der Anwendung jedes unrechtmäßigen Mittels zur Verbreitung seiner eigenen religiösen Glaubenssätze enthalten, hätte er die Wirkung der Strafbestimmungen durch einen ausgedehnten Gebrauch seines unbestreitbaren Begnadigungsrechtes aufgehoben, zu gleicher Zeit aber sich sorgfältig vor jeder Verletzung der bürgerlichen oder kirchlichen Verfassung des Reiches gehütet, so würde in den Gesinnungen seines Volkes bald ein Umschwung eingetreten sein. Ein so sprechender Beweis gewissenhafter Redlichkeit von Seiten papistischer Fürsten, gegenüber einer protestantischen Nation, würde die allgemeinen Befürchtungen bald beschwichtigt haben. Wenn das Volk gesehen hätte, daß man einem Katholiken ohne alle Gefahr die Leitung der ganzen ausübenden Verwaltung, den Oberbefehl über Armee und Flotte, die Einberufung und Auflösung der gesetzgebenden Versammlung, die Ernennung der Bischöfe und Dechanten der englischen Kirche anheim geben konnte, so würde es bald von der Befürchtung zurückgekommen sein, daß Unheil daraus entstehen könne, wenn ein Katholik als Hauptmann einer Compagnie oder als Alderman eines Stadtbezirks fungirte. Es ist sehr wahrscheinlich, daß binnen wenigen Jahren die von der Nation so lange verabscheute Secte mit allgemeinem Beifall zu Staatsämtern wie in’s Parlament zugelassen worden wäre.

Versuchte es dagegen Jakob, das Interesse seiner Kirche durch Verletzung der Grundgesetze seines Reiches und der feierlichen Versprechungen, die er wiederholt im Angesicht der ganzen Welt gegeben, zu fördern, so stand kaum zu bezweifeln, daß die Beschuldigungen, welche gegen die römisch-katholische Religion an der Tagesordnung waren, von allen Protestanten für vollkommen begründet gehalten werden würden. Denn wenn je ein römischer Katholik Ursache hatte, Ketzern sein Wort zu halten, so hatte Jakob Ursache, der anglikanischen Geistlichkeit sein Wort zu halten. Ihr verdankte er seine Krone, ohne ihre beharrliche Opposition gegen die Ausschließungsbill würde er ein Verbannter gewesen sein. Er hatte wiederholt und feierlich seine Verpflichtungen gegen sie anerkannt und gelobt, daß er sie in allen ihren gesetzlichen Rechten schützen werde. Wenn er sich durch solche Verpflichtungen nicht gebunden erachtete, so war es klar, daß keine Pflicht der Dankbarkeit oder der Ehre ihn binden konnte, wenn sein Aberglaube in’s Spiel kam. Es war dann unmöglich, daß sein Volk ihm traute, und wenn es ihm nicht trauen konnte, welchem Mitgliede seiner Kirche sollte es dann trauen? Man hielt ihn nicht für heimtückisch von Natur oder aus Gewohnheit. Seinem gedankenlosen Wesen und seiner Rücksichts­losigkeit gegen die Gefühle Anderer verdankte er einen viel höheren Ruf von Aufrichtigkeit, als er ihn irgendwie verdiente. Seine Lobhudler pflegten ihn gern Jakob den Gerechten zu nennen. Wenn es sich nun aber zeigte, daß er, indem er Katholik wurde, zu gleicher Zeit auch ein Heuchler und Wortbrüchiger geworden war, welche Folgerungen mußte dann wohl aus dem Allen eine Nation ziehen, die ohnehin schon zu dem Glauben geneigt war, daß der Papismus einen verderblichen Einfluß auf den sittlichen Character ausübe?

[6.] Burnet I. 447.

[7.] Tillotson’s Predigt vor dem Hause der Gemeinen am 5. Nov 1678.

[8.] Locke, First Letter on Toleration.

Verletzung der Testacte. [Aus] diesen Gründen waren viele der vornehmsten Katholiken jener Zeit, unter ihnen der Papst selbst, der Meinung, daß das Interesse ihrer Kirche auf unsrer Insel durch eine gemäßigte und der Verfassung entsprechende Politik am wirksamsten gefördert werden würde. Aber solche Argumente machten keinen Eindruck auf den beschränkten Verstand und den herrschsüchtigen Character des Königs. In seinem Eifer, die gesetzlichen Ausschließungen aufzuheben, unter denen die Bekenner seiner Religion litten, schlug er ein Verfahren ein, welches die aufgeklärtesten und tolerantesten Protestanten seiner Zeit überzeugte, daß solche Ausschließungen für das Wohl des Staates nothwendig waren. Die englischen Katholiken verdankten seiner Politik drei Jahre eines rechtswidrigen und übermütigen Triumphes, und hundertvierzig Jahre der Unterjochung und Erniedrigung.

Viele Mitglieder seiner Kirche bekleideten Offiziersstellen in den neu errichteten Regimentern. Diese Verletzung des Gesetzes ließ man eine Zeit lang ungerügt hingehen, weil man nicht Lust hatte, jede Regelwidrigkeit von Seiten eines Königs zu moniren, der sich plötzlich genöthigt sah, seine Krone und sein Leben gegen Rebellen zu vertheidigen. Jetzt aber war die Gefahr vorüber, die Aufrührer waren besiegt und bestraft, ihr mißlungener Versuch hatte die Regierung, die sie zu stürzen hofften, nur noch mehr gekräftigt. Dennoch vergab Jakob noch immer Stellen an unbefähigte Personen, und bald ging die Rede, daß er beschlossen habe, sich nicht mehr an die Testacte zu binden, daß er hoffe, das Parlament zur Aufhebung dieses Gesetzes zu bewegen, daß er aber, wenn das Parlament sich widerspenstig zeigen sollte, dennoch seinen Willen durchsetzen werde.