Niederlage der Regierung. [Als] die Stimmenzähler ihr Geschäft beendet hatten, ergaben sich hundert­zweiund­achtzig bejahende und hundert­dreiund­achtzig verneinende Stimmen. Also in einem Unterhause, welches durch gewissenlose Anwendung von Ränken, Bestechungen und Gewaltmaßregeln zusammengebracht war und von dem Jakob gesagt hatte, daß elf Zwölftel der Mitglieder so seien, wie er sie selbst gewählt haben würde, in einem solchen Unterhause erfuhr der Hof in einer Lebensfrage eine Niederlage[21].

In Folge dieser Abstimmung wurden die Ausdrücke, deren sich der König rücksichtlich des Testes bedient hatte, am 13. November in Erwägung gezogen. Nach einer langen Discussion wurde beschlossen, ihm eine Adresse zu überreichen, worin er erinnert werden sollte, daß er dem Gesetze nach hinfüro keine Beamten mehr anstellen dürfe, welche den Zulässigkeitseid verweigerten und durch die er zugleich aufgefordert werden sollte, Verfügungen zu treffen, welche geeignet wären, die Besorgnisse und das Mißtrauen seines Volks zu zerstreuen[22].

Dann wurde der Antrag gestellt, daß die Lords ersucht werden sollten, sich der Adresse anzuschließen. Ob dieser Antrag ehrlicherweise von der Opposition gestellt wurde, in der Hoffnung, daß der Anschluß der Peers der Gegenvorstellung mehr Gewicht geben werde, oder ob er arglistigerweise von der Hofpartei ausging, welche hofften, dadurch einen Bruch zwischen den beiden Häusern herbeizuführen, läßt sich nicht mehr ermitteln. Der Antrag wurde indessen verworfen.[23]

Das Haus constituirte sich hierauf zu einem Comité, um über den Betrag des zu bewilligenden Credits zu berathen. Der König brauchte vierzehn­hundert­tausend Pfund, aber die Minister sahen wohl ein, daß sie eine so große Summe vergebens fordern würden. Der Kanzler der Schatzkammer sprach von zwölfhundert­tausend Pfund. Die Häupter der Opposition erwiederten, daß sie durch Bewilligung eine solchen Summe die beständige Dauer des gegenwärtigen Militairetats votiren würden; sie seien nicht geneigt, mehr zu geben, als hinreiche, um die regulären Truppen so lange auf dem Kriegsfuße zu erhalten, bis die Miliz neu organisirt werden könne, und schlügen deshalb vierhundert­tausend Pfund vor. Die Höflinge waren entrüstet über diesen Vorschlag, den sie als unwürdig des Hauses und respectwidrig gegen den König bezeichneten; aber sie stießen auf nachdrücklichen Widerstand. Einer der Abgeordneten aus dem Westen, Johann Windham, der Salisbury vertrat, zeichnete sich besonders aus. Er sagte, er habe die stehenden Heere von jeher mit Besorgniß und Widerwillen betrachtet, und neuerdings gemachte Erfahrungen hätten ihn in dieser Ansicht bestärkt. Dann wagte er es, ein Thema zu berühren, das bis jetzt geflissentlich umgangen worden war. Er schilderte die traurige Lage der westlichen Grafschaften. Das Volk, sagte er, sei müde der Bedrückungen durch die Truppen, müde der freien Einquartierungen, der Räubereien und der noch ruchloseren Vergehen, welche das Gesetz Felonien nenne, gegen die man aber, wenn sie von dieser Klasse von Verbrechern begangen würden, keine Abhülfe erlangen könne. Die Diener des Königs hätten zwar dem Hause gesagt, daß vortreffliche Verordnungen in Betreff des Benehmens der Armee erlassen worden seien, allein Niemand könne behaupten, daß diese Verordnungen auch befolgt würden. Was müsse man nothwendig daraus schließen? Beweise nicht der Widerspruch zwischen den väterlichen Verordnungen des Thrones und der unerträglichen Tyrannei der Soldaten, daß die Armee schon jetzt für den Fürsten sowohl als für das Volk zu stark sei? Die Gemeinen könnten also sicherlich, ohne sich selbst zu wiedersprechen, ihr volles Vertrauen in die guten Absichten Seiner Majestät ausdrücken und dennoch jede Vermehrung einer Armee verweigern, die Seine Majestät offenbar nicht zu zügeln vermöchte.

[21.] Common’s Journals, Nov. 13. 1685; Bramston’s Memoirs; Reresby’s Memoirs; Barillon, 16.(26.) Nov.; Leeuwen, 13.(23.) Nov.; Memoirs of Sir Stephen Fox, 1717; The Case of the Church of England fairly stated; Burnet I. 666, und Präsident Onslow’s Note.

[22.] Commons’ Journals, Nov. 1685; Harl. MS. 7187; Lansd. MS. 253.

[23.] Der Widerspruch zwischen den Zeugnissen über diesen Gegenstand ist auffallend und nach reiflicher Erwägung muß ich gestehen, daß sie einander die Wage zu halten scheinen. In Jakob’s Lebensbeschreibung (1702) wird der Antrag als vom Hofe ausgegangen dargestellt, und diese Ansicht wird durch eine bemerkenswerthe Stelle in den Stuart-Papieren bestätigt, welche von dem Prätendenten selbst corrigirt wurde. (Clarke’s Life of James the Second, II. 55.) Dagegen stellen Reresby, der anwesend war, und Barillon, der gut unterrichtet sein konnte, den Antrag als von der Opposition ausgegangen dar. Die Harley- und Lansdowne-Manuscripte differiren gerade in dem einzigen Worte, auf das Alles ankommt. Bramston war leider an jenem Tage nicht in der Sitzung. Jakob Van Leeuwen erwähnt zwar des Antrags und der Abstimmung, setzt aber kein Wort hinzu, das auf den Stand der Parteien das mindeste Licht werfen könnte. Auch muß ich gestehen, daß ich nicht im Stande bin, aus den Namen der Stimmenzähler, Sir Joseph Williamson und Sir Franz Russell für die Majorität, Lord Ancram und Sir Heinrich Goodricke für die Minorität, einen irgend zuverlässigen Schluß zu ziehen. Ich möchte es für wahrscheinlich halten, daß Lord Ancram mit dem Hofe und Sir Heinrich Goodricke mit der Opposition gegangen sind.

Zweite Niederlage der Regierung. [Der] Antrag, daß die zu bewilligende Summe vierhundert­tausend Pfund nicht übersteigen solle, fiel mit zwölf Stimmen durch. Dieser Sieg der Minister war jedoch nicht viel besser als eine Niederlage. Die Häupter der Vaterlandspartei, durchaus nicht entmuthigt, zogen sich ein wenig zurück, hielten dann wieder Stand und schlugen sieben­hundert­tausend Pfund vor. Das Comité schritt zur Abstimmung und die Hofpartei wurde mit zweihundertzwölf Stimmen gegen hundertsiebzig geschlagen[24].

[24.] Commons’ Journals, Novbr. 16, 1685; Harl. MS. 7187; Lansd. MS. 235.

Der König giebt den Gemeinen einen Verweis. [Am] folgenden Tage begaben sich die Gemeinen mit ihrer Adresse in Bezug auf den Test in Prozession nach Whitehall. Der König empfing sie auf dem Throne. Die Adresse war in ehrerbietiger und herzlicher Sprache abgefaßt, denn die große Mehrheit Derer, die dafür gestimmt hatten, war eifrig und sogar abergläubisch loyal und hatte schon zur Einflechtung einiger schmeichelhaften Redensarten und zur Vermeidung jedes von den Höflingen für anstößig gehaltenen Wortes bereitwilligst ihre Zustimmung gegeben. Jakob’s Antwort war ein kalter und mürrischer Verweis. Er sprach sein entschiedenes Mißfallen und Erstaunen aus, daß die Gemeinen die Ermahnungen, die er ihnen gegeben, so wenig berücksichtigt hätten. „Doch was Sie auch thun mögen,“ setzte er hinzu, „ich werde alle Ihnen gegebenen Versprechungen unverbrüchlich halten.“[25]