[29.] Bramston’s Memoirs. Burnet irrt sich sowohl in der Zeit, wo diese Bemerkung gemacht wurde, als auch in der Person, von der sie herrührt. In Halifax’ Brief an einen Dissenter findet sich eine interessante Anspielung auf diese Discussion.
Der Bischof von London. [Doctor] Heinrich Compton, Bischof von London, sprach nachdrücklich zu Gunsten des Antrags. Obgleich dieser Mann nicht mit ausgezeichneten Fähigkeiten begabt, noch in seinen Berufswissenschaften gründlich bewandert war, so wurde er doch stets mit Ehrerbietung von dem Hause angehört, denn er war einer der wenigen Geistlichen jener Zeit, die sich adeligen Blutes rühmen konnten. Er selbst und seine ganze Familie hatten ausgezeichnete Beweise ihrer Loyalität gegeben. Sein Vater, der zweite Earl von Northumberland, hatte für König Karl I. tapfer gefochten und war, von Parlamentssoldaten umzingelt, mit dem Schwerte in der Hand gefallen, weil er sich weigerte, Pardon zu geben oder anzunehmen. Der Bischof selbst hatte vor seiner Ordination in der Garde gedient, und obgleich er sich im Allgemeinen nach Kräften bemühte, die einem Prälaten ziemende Würde und Ruhe zu bewahren, so zuckten doch gelegentlich einige Blitze seines militairischen Geistes hervor. Er hatte die religiöse Erziehung der beiden Prinzessinnen geleitet und diese wichtige Aufgabe in einer Weise gelöst, die alle guten Protestanten zufrieden stellte und ihm einen bedeutenden Einfluß auf die Gemüther seiner Zöglinge, namentlich der Prinzessin Anna sicherte. Jetzt erklärte er, er sei ermächtigt, die Gesinnung seiner Amtsbrüder auszusprechen und ihrer wie seiner eignen Ansicht nach sei die ganze bürgerliche und kirchliche Verfassung des Reiches in Gefahr.[30]
[30.] Wood, Ath. Ox.; Gooch’s Funeral Sermon on Bishop Compton.
Viscount Mordaunt. [Eine] der merkwürdigsten Reden jenes Tages wurde von einem jungen Manne gehalten, dessen excentrische Laufbahn später ganz Europa in Erstaunen setzen sollte. Es war Karl Mordaunt, Viscount von Mordaunt, viele Jahre später weit und breit bekannt als Earl von Peterborough. Er hatte schon zahlreiche Beweise seines Muthes, seiner Befähigung und jener sonderbaren Verschrobenheit des Geistes gegeben, durch welche sein Muth und seine Fähigkeiten für sein Vaterland völlig nutzlos wurden. Schon hatte er sich als Schöngeist und Gelehrter, als Soldat und als Seemann ausgezeichnet, und er hatte sich sogar vorgenommen, mit Bourdaloue und Bossuet in die Schranken zu treten. Obgleich ein erklärter Freidenker, hatte er doch auf der See ganze Nächte durchwacht, um Predigten auszuarbeiten, und war nur mit großer Mühe daran gehindert worden, die Mannschaft eines Kriegsschiffes durch seine frommen Vorträge zu erbauen.[31] Er sprach jetzt zum ersten Male mit der ihm eigenen Beredsamkeit, Lebhaftigkeit und Keckheit zu den Lords. Er tadelte die Gemeinen, daß sie nicht kühner aufgetreten seien. „Sie haben nicht den Muth gehabt, mit der Sprache herauszugehen,“ sagte er. „Sie haben von Besorgnissen und Mißtrauen gesprochen. Was haben Besorgniß und Mißtrauen hiermit zu thun? Besorgniß und Mißtrauen sind Gefühle, mit denen wir zukünftigen und noch ungewissen Übeln entgegensehen. Das Übel aber, mit dem wir es hier zu thun haben, ist weder ein zukünftiges, noch ein ungewisses. Ein stehendes Heer existirt, und es ist von Papisten befehligt. Wir haben keinen auswärtigen Feind, auch keinen Aufstand im Lande. Wozu wird also diese Streitmacht anders unterhalten als zu dem Zwecke, unsere Gesetze umzustoßen und jene Willkürherrschaft einzuführen, welche die Engländer mit Recht verabscheuen?“[32]
Jeffreys sprach gegen den Antrag in der rohen und gemeinen Sprache, in der er Meister war; aber er überzeugte sich bald, daß es nicht so leicht war, die stolzen und mächtigen Barone Englands in ihrem eigenen Saale einzuschüchtern, als Advokaten, deren Existenz von seiner Gunst abhing, und Gefangene, deren Kopf in seiner Gewalt war, niederzudonnern. Ein Mann, der sein ganzes Leben damit hingebracht hat, anzugreifen und zu dominiren, spielt in der Regel eine jämmerliche Figur, wenn er mit energischem Nachdruck angegriffen wird, mögen seine Talente und sein Muth noch so groß sein, denn da er nicht gewohnt ist, sich vertheidigen zu müssen, wird er verlegen, und das Bewußtsein, daß Alle, die er gekränkt und beleidigt hat, sich über seine Verlegenheit freuen, verwirrt ihn immer mehr. Jeffreys wurde jetzt zum ersten Male, seit er ein großer Mann war, auf gleichem Fuße von Gegnern angegriffen, die ihn nicht fürchteten. Zum allgemeinen Ergötzen sprang er plötzlich vom höchsten Übermuth zur tiefsten Erniedrigung über und konnte sich nicht enthalten, aus Wuth und Ärger zu weinen.[33] Es fehlte in der That nichts zu seiner Demüthigung, denn das Haus war mit etwa hundert Peers gefüllt, eine größere Anzahl, als selbst an dem hochwichtigen Tage der Ausschließungsbill abgestimmt hatten. Auch der König war anwesend. Sein Bruder pflegte seiner Zeit den Sitzungen der Lords zum Vergnügen beizuwohnen und sagte oft, eine parlamentarische Debatte sei eben so unterhaltend wie eine Komödie. Jakob kam jedoch nicht, um sich zu amüsiren, sondern in der Hoffnung, daß die Discussion durch seine Anwesenheit in den Schranken der Mäßigung zurückgehalten werden würde. Er sah sich aber getäuscht. Das Haus sprach seine Meinung so kräftig aus, daß die Höflinge nach einer überaus kühnen Schlußrede von Halifax es nicht wagten, eine Abstimmung zu verlangen. Einer der nächsten Tage wurde zur Erwägung der Thronrede festgesetzt und der Wunsch ausgesprochen, daß jeder nicht zu weit von Westminster entfernt wohnende Peer auf seinem Platze sein möchte.[34]
[31.] Teonge’s Diary.
[32.] Barillon giebt uns die beste Auskunft über diese Debatte. Ich will seinen Bericht über Mordaunt’s Rede hier im Auszuge anführen. „Milord Mordaunt, quoique jeune, parla avec éloquence et avec force. Il dit que la question n’étoit pas réduite, comme la Chambre des Communes le prétendoit, à guérir des jalousies et défiances, qui avoient lieu dans les choses incertaines; mais que ce qui se passoit ne l’étoit pas, qu’il y avoit une armée sur pied qui subsistoit, et qui étoit remplie d’officiers Catholiques, qui ne pouvoit être conservée, que pour le renversement des loix, et que la subsistance de l’armée, quand il n’y a aucune guerre ni au dedans ni au dehors, étoit l’établissement du gouvernement arbitraire, pour lequel les Anglois ont une aversion si bien fondée.“
[33.] Er war sehr leicht zu Thränen zu rühren. „Wenn er kühn angegriffen wurde,“ sagt der Verfasser der Panegyric, „kann er sich der Thränen nicht enthalten.“ An einer andren Stelle heißt es: „Man spricht immer von seinem trotzigen und anmaßenden Wesen; konnte ein so hochstehender Mann seine Demuth besser beweisen als durch Weinen und Schluchzen?“ In der Antwort auf die Lobrede wird gesagt: „Der Umstand, daß er seine Thränen nicht zurückhalten konnte, machte ihn unfähig zum Heuchler.“
[34.] Lords’ Journals, Nov. 19. 1685; Barillon, 23. Nov. (3. Dec.); Holländische Depesche vom 20.(30.) Nov.; Luttrell’s Diary, Nov. 19.; Burnet, I. 665. Halifax’ Schlußrede wird von dem Nuntius in seiner Depesche vom 16.(26.) Nov. erwähnt. Etwa einen Monat später stellt Adda dem Talent Halifax’ ein glänzendes Zeugniß aus: „Da questo uomo che ha gran credito nel parlamento, e grande eloquenza, non si possono attendere che fieri contradizioni, e nel partito Regio non vi è un uomo da contrapporsi.“ 21.(31.) Dec.
Prorogation des Parlaments. [Am] folgenden Morgen kam der König in seinen Staatskleidern in das Haus der Lords. Der Thürsteher mit dem schwarzen Stabe beschied die Gemeinen vor die Schranken und der Kanzler kündigte ihnen an, daß das Parlament bis zum 10. Februar prorogirt sei.[35] Die Mitglieder, welche gegen den Hof gestimmt hatten, wurden aus dem Staatsdienste entlassen; Karl Fox ward seines Zahlmeisteramtes enthoben; der Bischof von London hörte auf, Dechant der königlichen Kapelle zu sein und wurde aus der Liste der Geheimen Räthe gestrichen.