[40.] Lords’ Journals, Nov. 9, 10, 16. 1685.
[41.] Siehe über die Verderbtheit der Richter in Lord Delamere’s Werken, 1694.
[42.] „Fa una funzione piena di gravità, di ordine, e di gran speciosità.“ Adda vom 15.(25.) Jan. 1686.
[43.] Der Prozeß in der Collection of State Trials. Leeuwen, 15.(25.) und 19.(29.) Januar 1686.
Eindruck seiner Freisprechung. [Die] Freude des Publikums über Delamere’s Freisprechung war groß. Die Schreckensherrschaft war also vorüber, die Unschuldigen begannen wieder freier zu athmen und die falschen Ankläger zu zittern. Einen bei dieser Gelegenheit geschriebenen Brief kann man kaum lesen, ohne zu Thränen gerührt zu werden. Russell’s Wittwe erfuhr in ihrer Abgeschiedenheit die frohe Nachricht mit verschiedenartigen Gefühlen. „Ich danke Gott,“ schrieb sie, „daß er dem Blutvergießen in diesem unglücklichen Lande Einhalt gethan hat. Aber während ich mich mit den Fröhlichen freuen sollte, suche ich einen einsamen Winkel auf, um darin zu weinen. Ich fühle, daß ich keiner Freude mehr fähig bin, denn jeder neue Umstand, und gerade die Vergleichung meiner kummervollen Nacht nach solch’ einem Tage, mit ihren Tagen der Freude, zerreißt mein gebrochenes Herz, ich mag die Sache betrachten, von welcher Seite ich will. Obwohl ich weit entfernt bin, ihren Tagen ein Ende zu wünschen, wie das der meinigen, so kann ich doch nicht umhin, es zuweilen zu beklagen, daß das meinige nicht war wie das ihrige“.[44]
Jetzt trat ein entscheidender Wendepunkt ein. Der Tod Stafford’s, den das gemeine Volk, dessen Wuth er geopfert worden war, mit Äußerungen der innigsten Theilnahme und Reue angesehen hatte, bezeichnet das Ende der einen Proscription, die Freisprechung Delamere’s bezeichnet das Ende der andren. Die Verbrechen, welche Shaftesbury’s stürmisches Tribunat geschändet hatten, waren furchtbar gesühnt, das Blut unschuldiger Papisten war mehr als zehnfältig durch das Blut eifriger Protestanten gerächt. Auch eine andre große Reaction hatte begonnen. Die Parteien erfuhren eine schnelle Umgestaltung, alte Verbündete trennten sich und alte Feinde verbanden sich. Unzufriedenheit verbreitete sich rasch durch alle Reihen der unlängst noch herrschenden Partei; eine allerdings noch schwache und unbestimmte Hoffnung auf Sieg und Rache beseelte die andre, welche kurz zuvor schon vernichtet zu sein schien. Unter solchen Umständen ging das ereignißvolle und sturmbewegte Jahr 1685 zu Ende und das Jahr 1686 begann.
[44.] Lady Russell an Dr. Fitzwilliam vom 15. Jan. 1686.
Parteien am Hofe. [Die] Prorogation hatte den König von den sanften Vorstellungen der beiden Häuser befreit, aber er mußte noch andere Vorstellungen anhören, welche Ähnliches bezweckten, wenn sie auch in einem noch vorsichtigeren und unterwürfigeren Tone ausgesprochen wurden. Einige Männer, die ihm mit einem nur zu großen, ihrem eigenen Rufe wie dem öffentlichen Wohle nachtheiligen Eifer gedient hatten, begannen von schlimmen Ahnungen ergriffen zu werden und wagten es bei Gelegenheit, einen kleinen Theil ihrer Gefühle schwach anzudeuten.
Stimmung der protestantischen Tories. [Seit] vielen Jahren waren der Eifer des englischen Tory für die erbliche Monarchie und sein Eifer für die Staatskirche nebeneinander aufgewachsen und hatten sich gegenseitig gekräftigt. Nie war es ihm in den Sinn gekommen, daß diese beiden unzertrennlich und sogar identisch scheinenden Gefühle sich eines Tages nicht nur als verschieden, sondern sogar als unverträglich erweisen könnten. Seit dem Beginn des Streites zwischen den Stuarts und den Gemeinen waren die Sache der Krone und die Sache der Hierarchie allem Anscheine nach Eins gewesen. Die Kirche hatte Karl I. als ihren Märtyrer betrachtet. Wenn Karl II. gegen sie complottirt hatte, so hatte er es nur im Geheimen gethan. Öffentlich hatte er sich stets als ihren dankbaren und ergebenen Sohn erklärt, hatte an ihren Altären gekniet und es war ihm bei aller seiner Sittenlosigkeit gelungen, der großen Masse ihrer Anhänger einzureden, daß er eine aufrichtige Vorliebe für sie hege. Welche Kämpfe der ehrliche Kavalier daher auch gegen Whigs und Rundköpfe zu bestehen gehabt hatte, er war bisher wenigstens nicht durch Kämpfe in seiner eigenen Brust beunruhigt worden. Er hatte den Pfad der Pflicht klar vor sich gesehen. Er mußte im Glück wie im Unglück der Kirche und dem Könige treu bleiben. Wenn nun aber diese beiden erhabenen und ehrwürdigen Mächte, welche bisher so eng mit einander verbunden zu sein schienen, daß wer der einen treu war, der andren nicht untreu werden konnte, durch tödtliche Feindschaft getrennt wurden, welchen Weg sollte dann der orthodoxe Royalist gehen? Konnte es eine schwerere Prüfung für ihn geben, als die ihm dann bevorstehende: zwischen zwei gleich heiligen Pflichten, zwischen zwei gleich starken Sympathien hin und her geworfen zu werden? Wie sollte er dem Kaiser geben was des Kaisers war, ohne Gott einen Theil dessen zu entziehen, was Gottes war? Wer diese Gefühle hegte, konnte den Streit zwischen dem Könige und dem Parlamente in der Testfrage nicht ohne tiefe Betrübniß und düstere Ahnungen verfolgt haben. Wenn Jakob wenigstens jetzt noch bewogen werden konnte, sein Verfahren zu überlegen, die Häuser wieder einzuberufen und sich ihren Wünschen zu fügen, so konnte noch Alles gut gehen.
Dies waren die Gedanken zweier Verwandten des Königs, der Earls von Clarendon und von Rochester. Die Macht und die Gunst dieser beiden Edelleute schienen in der That groß zu sein. Der jüngere Bruder war Lordschatzmeister und Premierminister, der ältere war, nachdem er einige Monate das Geheimsiegel verwahrt hatte, zum Lordlieutenant von Irland ernannt worden. Der ehrwürdige Ormond trat auf die nämliche Seite. Middleton und Preston, welche als Führer des Hauses der Gemeinen neuerdings aus Erfahrung gelernt hatten, wie theuer die Staatskirche der loyalen Gentry Englands war, stimmten ebenfalls für gemäßigte Beschlüsse.