[68.] Die Hauptquellen für die Geschichte dieser Intrigue sind die Depeschen von Barillon und Bonrepaux vom Anfang des Jahres 1686. Siehe Barillon, 25. Jan. (4. Febr.), 28. Jan. (7. Febr.), 1.(11.) Febr., 8.(18.) Febr. u. 19.(29.) Febr., und Bonrepaux unter den vier erstgenannten Daten. Ferner Evelyn’s Diary, Jan. 19; Reresby’s Memoirs; Burnet, I. 682; Sheridan MS.; Chaillot MS. und Adda’s Depeschen vom 22. Jan. (1. Febr.) u. 29. Jan. (8. Febr.) 1686. Adda schreibt wie ein frommer, aber schwacher und unwissender Mann. Er kannte jedenfalls Jakob’s vergangenes Leben nicht.
[69.] Die Betrachtung ist datirt vom 25. Jan. (4. Febr.) 1685/86. Bonrepaux sagt in seiner Depesche von dem nämlichen Tage: „L’intrigue avoit été conduite par Milord Rochester et sa femme ... Leur projet étoit de faire gouverner le Roy d’Angleterre par la nouvelle comtesse. Ils s’étoint assurés d’elle.“ Während Bonrepaux dies schrieb, schrieb Rochester Folgendes: „O Gott, lehre mich meine Tage so zählen, daß ich mein Herz zur Weisheit lenke. Lehre mich die Tage zählen, die ich in Eitelkeit und Müßiggang vergeudet, und lehre mich die zählen, die ich in Sünde und Schmach verbracht habe. O Gott, lehre mich auch die Tage meiner Trübsal zählen und Dir für Alles danken, was mir von Deiner Hand zugekommen ist. Lehre mich aber auch die Tage der irdischen Größe zählen, von der mir ein so großes Theil geworden ist, und lehre mich sie als Tage der Eitelkeit und der Seelenpein betrachten.“
Sinken von Rochester’s Einfluß. [Der] Schatzmeister überzeugte sich bald, daß er durch Anwendung schimpflicher Mittel zur Erreichung eines lobenswerthen Zweckes nicht nur ein Verbrechen, sondern auch einen Fehler begangen hatte. Die Königin war jetzt seine Feindin. Sie stellte sich zwar als höre sie die Hyde, die ihr Benehmen so gut als möglich zu entschuldigen suchten, freundlich an und behauptete sogar, daß sie zu Gunsten derselben ihren Einfluß verwende; aber sie hätte mehr als ein Weib oder weniger sein müssen, um wirklich die Verschwörung verzeihen zu können, welche die Familie der ersten Gemahlin ihres Gatten gegen ihre Ehre und ihr häusliches Glück angestiftet hatte. Die Jesuiten stellten dem Könige auf das Eindringlichste vor, welcher Gefahr er mit genauer Noth entgangen war. Sie sagten, sein Ruf, sein Frieden, sein Seelenheil sei durch die Ränke seines Premierministers gefährdet worden. Der Nuntius, welcher gern dem Einflusse der heftigen Partei entgegengearbeitet und sich den gemäßigten Mitgliedern des Kabinets angeschlossen hätte, konnte sich ehrenhafter und schicklicher Weise bei dieser Gelegenheit nicht von Pater Petre trennen. Jakob selbst konnte, als das Meer zwischen ihm und den Reizen lag, die ihn so unwiderstehlich bezaubert hatten, nur mit Unwillen und Verachtung auf Diejenigen blicken, die ihn vermittelst seiner Laster hatten leiten wollen. Das Geschehene mußte nothwendig die Wirkung haben, seine eigne Kirche in seiner Achtung zu erhöhen, die englische Kirche dagegen zu erniedrigen. Die Jesuiten, die man als die unsichersten aller geistlichen Führer darzustellen gewohnt war, als Sophisten, welche das ganze System der evangelischen Moral hinweg philosophirten, als Speichellecker, die ihren Einfluß hauptsächlich der Nachsicht verdankten, mit der sie die Sünden der Großen behandelten, hatten ihn durch so scharfen und kühnen Tadel, wie ihn David von Nathan, und Herodes von dem Täufer hören mußte, von einem schuldvollen Leben zurückgebracht. Dagegen hatten eifrige Protestanten, deren Lieblingsthema die Lockerheit der papistischen Casuisten und die Verwerflichkeit des Grundsatzes war, Böses zu thun, damit Gutes daraus hervorgehe, es versucht, auf einem Wege, den alle Christen für höchst strafbar hielten, Vortheile für ihre Kirche zu erlangen. Der Sieg der Cabale und der bösen Rathgeber war daher vollkommen. Der König wurde kalt gegen Rochester; die Höflinge und die fremden Gesandten bemerkten bald, daß der Lordschatzmeister nur noch dem Namen nach Premierminister war. Er bot nach wie vor noch täglich seinen Rath an, und erfuhr die Kränkung, ihn täglich zurückgewiesen zu sehen. Dennoch konnte er sich nicht entschließen, den äußeren Schein von Macht und die Einkünfte, welche er unmittelbar und mittelbar aus seinem hohen Amte zog, aufzugeben. Er bemühte sich daher nach Kräften, seinen Verdruß vor den Blicken des Publikums zu verbergen. Aber seine heftigen Leidenschaften und seine Unmäßigkeit machten ihn für die Rolle eines Heuchlers untauglich. Sein finstres Gesicht, wenn er aus dem Geheimrathszimmer kam, verrieth deutlich seine Unzufriedenheit mit dem, was in der Sitzung vorgegangen war, und wenn die Flasche einigemale die Runde gemacht hatte, entschlüpften ihm Worte, aus denen man seinen Ärger leicht errathen konnte.[70]
Er hatte auch in der That Ursache, sich unbehaglich zu fühlen. Unbesonnene und unpopuläre Maßregeln folgten rasch auf einander, jeder Gedanke, zur Politik der Tripleallianz zurückzukehren, war aufgegeben. Der König erklärte den Gesandten der Continentalmächte, mit denen er sich noch kürzlich zu verbinden beabsichtigt hatte, ausdrücklich, daß alle seine Ansichten sich geändert hätten und daß England auch fernerhin, wie unter seinem Großvater, seinem Vater und seinem Bruder, von keiner Bedeutung für das übrige Europa sein solle. „Ich bin nicht in der Lage,“ sagte er zu dem spanischen Gesandten, „mich um das, was auswärts vorgeht, zu kümmern. Ich habe beschlossen, die fremden Angelegenheiten ihren eigenen Gang gehen zu lassen, meine Macht im Inlande zu befestigen und etwas für meine Religion zu thun.“ Einige Tage darauf kündigte er die nämlichen Entschließungen auch den Generalstaaten an.[71] Von diesem Augenblicke an bis ans Ende seiner schmachvollen Regierung machte er keinen ernsten Versuch mehr, sich der Abhängigkeit zu entreißen, obgleich er bis zuletzt jedesmal in Wuth gerieth, wenn man ihn einen Vasallen nannte.
Die beiden Ereignisse, welche dem Publikum bewiesen, daß Sunderland und seine Partei gesiegt hatten, waren die Prorogation des Parlaments vom Februar bis zum Mai und die Abreise Castelmaine’s nach Rom mit dem Gehalte eines Gesandten ersten Ranges.[72]
Bisher waren alle Geschäfte der englischen Regierung am päpstlichen Hofe von Johann Caryl versehen worden. Dieser Gentleman war unter seinen Zeitgenossen als ein vermögender und fein gebildeter Mann, so wie als Verfasser zweier beifällig aufgenommenen Schauspiele bekannt, einer Tragödie in Versen, welche durch Betterton’s Spiel und Vortrag beliebt geworden war, und eines Lustspiels, das seinen ganzen Werth einigen von Molière entlehnten Scenen verdankt. Diese Stücke sind längst vergessen; aber was Caryl selbst nicht für sich thun konnte, das hat ein gewaltigeres Genie für ihn gethan. Eine halbe Zeile im „Lockenraub“ hat seinen Namen unsterblich gemacht.
[70.] »Je vis Milord Rochester comme il sortoit du conseil fort chagrin; et, sur la fin du souper, il lui en échappe quelque chose.« Bonrepaux, 18.(28.) Febr. 1686. Siehe auch Barillon, 1.(11.) u. 4.(14.) März.
[71.] Barillon, 22. März (1. April) u. 12.(22.) April 1686.
[72.] London Gazette, Feb. 11. 1685/86; Luttrell’s Diary, Feb. 8.; Leeuwen, 9.(19.); Clarke’s Life of James the Second, II. 75. Orig. Mem.
Castelmaine wird nach Rom gesandt. [Caryl,] der wie alle übrigen achtbaren Katholiken, ein Feind aller Gewaltmaßregeln war, hatte seine schwierige Aufgabe in Rom mit großer Einsicht und richtigem Takt gelöst. Er besorgte die ihm übertragenen Geschäfte vortrefflich, bekleidete aber keine öffentliche Stellung und vermied sorgfältig allen Aufwand. Sein Posten bürdete daher der Regierung fast gar keine pekuniäre Last auf und erregte fast gar kein Murren. Jetzt wurde seine Stelle höchst unklugerweise durch eine kostspielige und glänzende Gesandtschaft ersetzt, die dem englischen Volke ein Dorn im Auge und dem römischen Hofe durchaus nicht willkommen war. Castelmaine hatte den Auftrag, für seinen Verbündeten Petre einen Cardinalshut zu verlangen.