Die Hugenotten werden von Jakob übel behandelt. [Um] die nämliche Zeit begann der König in unzweideutiger Weise seine wirklichen Gesinnungen gegen die verbannten Hugenotten zu zeigen. So lange er noch gehofft hatte, sein Parlament in Fügsamkeit hineinzuschmeicheln und das Oberhaupt einer europäischen Coalition gegen Frankreich zu werden, hatte er sich gestellt, als ob er die Widerrufung des Edicts von Nantes tadelte und er die Unglücklichen bemitleidete, welche durch Verfolgung aus ihrem Vaterlande vertrieben worden waren. Er hatte bekannt machen lassen, daß mit seiner Genehmigung in allen Kirchen des Reichs eine Collecte für sie veranstaltet werden solle. Die betreffende Ankündigung war in Ausdrücken abgefaßt, die den Stolz eines weniger empfindlichen und eitlen Fürsten als Ludwig verletzt haben würden. Aber jetzt war Alles anders. Die Grundsätze des Vertrags von Dover waren wieder die Grundsätze der auswärtigen Politik Englands. Man entschuldigte sich demüthig wegen der Unhöflichkeit, der sich die englische Regierung durch Begünstigung der verbannten Franzosen gegen Frankreich schuldig gemacht. Der Aufruf, welcher Ludwig mißfallen hatte, ward widerrufen[73], und den hugenottischen Geistlichen eingeschärft, in ihren öffentlichen Vorträgen mit Ehrerbietung von ihrem Unterdrücker zu sprechen, indem man sie widrigenfalls zur Verantwortung ziehen werde. Jakob zeigte nicht nur keine Theilnahme mehr für die Dulder, sondern erklärte sogar, daß er ihnen die schlimmsten Pläne zutraue und gestand, daß er sich durch Unterstützung derselben eines Fehlers schuldig gemacht habe. Einer der ausgezeichnetsten unter den Flüchtlingen, Namens Johann Claude, hatte auf dem Festlande ein kleines Buch drucken lassen, in welchem er die Leiden seiner Glaubensbrüder mit ergreifender Beredtsamkeit schilderte. Barillon verlangte, daß diesem Buche irgend ein Schandmahl aufgedrückt werde. Jakob willigte ein und erklärte in voller Staatsrathssitzung, es sei sein Wille, daß Claude’s Libell vor der königlichen Börse durch Henkershand verbrannt werden solle. Darüber erschrak sogar Jeffreys und wagte es, dem Könige vorzustellen, daß ein solches Verfahren ohne Beispiel sei, daß das Buch in einer fremden Sprache geschrieben und auf einer fremden Presse gedruckt sei, daß es lediglich Vorgänge bespreche, die sich in einem fremden Lande zugetragen, und daß noch nie eine englische Regierung von derartigen Schriften Notiz genommen habe. Jakob wollte jedoch von einer weitläufigen Erörterung der Frage nichts wissen. „Mein Entschluß steht fest,“ sagte er. „Es ist Mode geworden, die Könige unehrerbietig zu behandeln, und sie müssen einander beistehen. Ein König sollte stets für den andren Partei nehmen, und ich habe besondere Gründe, dem Könige von Frankreich diesen Beweis von Achtung zu geben.“ Die Räthe schwiegen nun still. Der Befehl wurde unverzüglich erlassen und Claude’s Flugschrift nicht ohne lautes Murren Vieler, welche stets für unerschütterlich loyal gegolten hatten, den Flammen übergeben[74].
Die verheißene Collecte wurde unter verschiedenen Vorwänden lange hinausgeschoben. Der König hätte gar zu gern sein Wort gebrochen, aber es war so feierlich gegeben, daß er sich doch schämte, es zurückzunehmen[75]. Es wurde indessen nichts versäumt, was den Eifer der Gemeinden abkühlen konnte. Man hatte erwartet, daß das Volk, wie es in solchen Fällen üblich ist, von den Kanzeln herab zur Mildthätigkeit aufgefordert werden würde; aber Jakob war entschlossen, keine Demonstrationen gegen seinen Glauben und gegen seinen Verbündeten zu dulden. Der Erzbischof von Canterbury erhielt daher Befehl, die Geistlichen in Kenntniß zu setzen, daß sie den Erlaß einfach vorzulesen und sich alles Predigens über die Leiden der französischen Protestanten zu enthalten hätten[76]. Dessenungeachtet gingen so reiche Beiträge ein, daß nach Abzug aller Kosten die Summe von vierzigtausend Pfund Sterling in die Londoner Kammer bezahlt wurde. Es hat vielleicht keine der großartigen Sammlungen unsrer Zeit in einem ähnlichen Verhältniß zu dem Nationalvermögen gestanden[77].
Der König ärgerte sich heftig über das glänzende Ergebniß der Sammlung, die in Folge seines eignen Aufrufs veranstaltet worden war. Er sagte, er wisse wohl, was diese Freigebigkeit zu bedeuten habe, es sei nichts als whiggistischer Trotz gegen ihn und seine Religion[78]. Er hatte bereits beschlossen, daß das Geld Denen, welche die Geber unterstützen wollten, nicht zu Gute kommen solle. Schon seit mehreren Wochen verhandelte er über diesen Gegenstand mit der französischen Gesandtschaft und hatte sich unter Genehmigung des Hofes von Versailles zu einem Verfahren entschieden, welches mit den Grundsätzen der Toleranz, deren Freund er später zu sein behauptete, nicht wohl in Einklang zu bringen ist. Die Flüchtlinge waren eifrig der calvinistischen Kirchenzucht und Gottesverehrung zugethan. Jakob befahl daher, daß Keiner ein Stück Brod oder einen Korb Kohlen erhalten solle, der nicht zuvor das Abendmahl nach anglikanischem Ritus empfangen habe[79]. Es ist sonderbar, wie ein Fürst, welcher vorgab, daß er die Testacte als eine gewaltsame Verletzung der Gewissensfreiheit betrachte, eine so inhumane Verordnung ersinnen konnte; denn so wenig es zu rechtfertigen sein mag, das Sakrament zum Prüfstein der Tauglichkeit für Civil- und Militairämter zu machen, ist es doch jedenfalls noch viel weniger zu rechtfertigen, eine solche Bedingung vorzuschreiben, um danach zu bestimmen, wer in der äußersten Bedrängniß der Mildthätigkeit würdig ist. Auch konnte Jakob nicht den Grund für sich anführen, der zur theilweisen Entschuldigung fast aller anderen Verfolger geltend gemacht werden kann, denn der Glaube, dessen Bekenntniß er den Flüchtlingen bei Strafe des Verhungerns anbefahl, war nicht sein eigner Glaube. Sein Verfahren gegen sie war daher viel weniger zu rechtfertigen als das des Königs von Frankreich, denn dieser unterdrückte sie in der Hoffnung, sie von verdammenswerther Ketzerei zum wahren Glauben zurückzubringen, während Jakob sie nur in der Absicht unterdrückte, um sie zum Übertritt von einer verdammenswerthen Ketzerei zur andren zu zwingen.
Zur Vertheilung der eingegangenen Unterstützungsgelder wahren mehrere Commissare ernannt worden, unter denen sich auch der Kanzler befand. Als sie zum ersten Male zusammenkamen, kündigte ihnen Jeffreys den königlichen Entschluß an. Die Flüchtlinge, sagte er, seien in zu großer Mehrzahl Feinde der Monarchie und des Episcopats. Wenn sie Unterstützung wünschten, so müßten sie Mitglieder der englischen Kirche werden und das Abendmahl aus den Händen seines Kaplans empfangen. Viele Verbannte, welche mit Gefühlen des innigsten Dankes und der Hoffnung gekommen waren, um eine Unterstützung zu erbitten, vernahmen das harte Urtheil und gingen mit gebrochenem Herzen wieder von dannen[80].
[73.] Leeuwen, 23. Febr. (5. März) 1686.
[74.] Barillon, 26. April (6. Mai) u. 3.(13.) Mai 1686; Citters, 7.(17.) Mai; Evelyn’s Diary, May 5; Luttrell’s Diary unter demselben Datum; Geheimrathsbuch unterm 2. Mai.
[75.] Lady Russell an Dr. Fitzwilliam, 22. Jan. 1686; Barillon, 15.(25.) Febr. u. 22. Febr. (4. März) 1686. Barillon sagt: „Ce prince témoigne une grande aversion pour eux, et aurait bien voulu se dispenser de la collecte, qui est ordonnée en leur faveur: mais il n’a pas cru que cela fût possible.“
[76.] Barillon, 22. Febr. (4. März) 1686.
[77.] Bericht der Commissare v. 15. März 1688.
[78.] „Le Roi d’Angleterre connait bien que les gens mal intentionnés pour lui sont les plus prompts et les plus disposés à donner considérablement... Sa Majesté Britannique connoit bien qu’il auroit été à propos de ne point ordonner de collecte, et que les gens mal intentionnés contre la réligion Catholique et contre lui se servent de cette occasion pour témoigner leur zèle.“ — Barillon, 19.(29.) April 1686.