Tumulte. [Diese] Dinge riefen eine große Aufregung unter dem niederen Volke hervor, auf welches sinnliche Wahrnehmungen stets einen größeren Eindruck machen als Einwirkungen auf den Verstand. Tausende von einfachen und unwissenden Leuten, für welche die Dispensationsgewalt und die kirchliche Commission Worte ohne Bedeutung waren, sahen mit Besorgniß und Unwillen an den Ufern der Themse ein Jesuitencollegium sich erheben, Mönche in Kutte und Kaputze am Strande umhergehen und Schaaren von Andächtigen nach den Tempeln strömen, in denen geschnitzte Bilder angebetet wurden. Es brachen in verschiedenen Gegenden des Landes Aufstände aus. In Coventry und Worcester wurde der katholische Gottesdienst gewaltsam unterbrochen.[106] In Bristol führte der angeblich von der Behörde unterstützte Pöbel ein gottloses und unschickliches Schauspiel auf, in welchem die Jungfrau Maria durch einen Hanswurst dargestellt und eine karrikirte Hostie in Prozession umhergetragen wurde. Die Garnison mußte ausrücken, um den Pöbel zu zerstreuen. Dieser aber, schon damals, wie noch heute einer der wildesten des ganzen Reichs, leistete Widerstand, so daß es zu Thätlichkeiten kam und schwere Verletzungen vorfielen.[107] In der Hauptstadt war die Aufregung groß, und in der eigentlichen City größer als in Westminster, denn die Bewohner von Westminster waren an den Anblick der Privatkapellen der römisch-katholischen Gesandten gewöhnt, die City aber war seit Menschengedenken durch keine götzendienerische Schaugebung befleckt worden. Jetzt aber errichtete der Gesandte des Kurfürsten von der Pfalz auf Anregung des Königs in Lime Street eine Kapelle. Die Oberhäupter der Korporation, obgleich Männer, die wegen ihres bekannten Toryismus zu ihren Ämtern erwählt waren, protestirten gegen dieses Verfahren, das, wie sie sagten, von den gelehrtesten Herren von der langen Robe für ungesetzlich erklärt würde. Der Lordmayor wurde vor den Geheimen Rath gefordert. „Bedenkt wohl was Ihr thut“, sagte der König zu ihm: „gehorcht mir und kümmert Euch weder um die Herren von der langen Robe noch um die Herren von der kurzen Robe.“ Hierauf nahm der Kanzler das Wort und gab dem unglücklichen Mayor mit der ächten Beredtsamkeit der Old-Bailey-Barre einen Verweis. Die Kapelle wurde geöffnet, und bald gerieth die ganze Nachbarschaft in Aufruhr. Große Volkshaufen rotteten sich in Cheapside zusammen, um das neue Meßhaus anzugreifen. Die Priester wurden insultirt, ein Kruzifix wurde aus der Kapelle geholt und auf den Gemeindebrunnen gepflanzt. Der Lordmayor kam herbei, um den Aufstand zu dämpfen, wurde aber mit dem Geschrei: „Keine hölzernen Götter!“ empfangen. Jetzt wurde die Miliz aufgeboten, um den Haufen zu zerstreuen, aber sie theilte die Ansichten des Volks und man hörte in ihren Reihen Äußerungen wie diese: „Wir können mit gutem Gewissen nicht für den Papismus kämpfen.“[108]
Der Kurfürst von der Pfalz war, wie Jakob, ein eifriger Katholik und, ebenfalls wie Jakob, Beherrscher eines protestantischen Volks; aber in Character und Verstand glichen sie einander nur wenig. Der Kurfürst hatte versprochen, die in seinen Besitzungen anerkannte Landeskirche zu achten. Er hatte gewissenhaft Wort gehalten und sich durch die übereilten Reden von Predigern, welche in ihrem Haß gegen seinen Glauben gelegentlich die seiner Person schuldige Achtung aus den Augen setzten, nie zu irgend einer Gewaltthätigkeit hinreißen lassen.[109] Er vernahm mit Bedauern, daß die unverständige Handlungsweise seines Vertreters die Londoner heftig verdrossen hatte, und erklärte, was ihm sehr zur Ehre gereichte, daß er lieber dem ihm als souverainen Fürst zustehenden Vorrechte entsagen, als den Frieden einer großen Stadt gefährden wolle. „Auch ich“, schrieb er an Jakob, „habe protestantische Unterthanen, und ich weiß, wie vorsichtig und rücksichtsvoll ein katholischer Fürst in solcher Stellung handeln muß.“ Anstatt dieses menschenfreundliche und besonnene Benehmen lobend anzuerkennen, spöttelte Jakob in Anwesenheit des Gesandten über den Brief. Es wurde beschlossen, daß der Kurfürst in der City eine Kapelle haben solle, mochte er wollen oder nicht, und daß, wenn die Milizen sich weigerten ihre Pflicht zu thun, sie durch die Garden ersetzt werden sollten.[110]
Diese Ruhestörungen übten einen ernsten Einfluß auf den Handel aus. Der holländische Gesandte schrieb an die Generalstaaten, daß die Börsengeschäfte stockten. Die Zollcommissare berichteten dem Könige, daß in dem auf die Eröffnung der Kapelle in Lime Street folgenden Monate die Einnahme im Themsehafen sich um einige tausend Pfund verringert habe.[111] Mehrere Aldermen, welche zwar entschiedene Royalisten und unter der neuen Gemeindeverfassung angestellt, aber an der commerciellen Wohlfahrt ihrer Vaterstadt ein starkes Interesse hatten und weder den Papismus noch das Kriegsgesetz liebten, reichten ihre Entlassung ein. Aber der König war entschlossen nicht nachzugeben.
[106.] Citters, 14.(24.) Mai 1686.
[107.] Citters, 18.(28.) Mai 1686; Adda, 19.(29.) Mai.
[108.] Ellis Correspondence, April 27. 1686; Barillon, 19.(29.) April; Citters, 20.(30.) April; Privy Council Book, March 26.; Luttrell’s Diary; Adda, 26. Feb. (8 März), 26. März (5. April), 2.(12.) April u. 23. April (3. Mai).
[109.] Burnet’s Travels.
[110.] Barillon, 27. Mai (6. Juni) 1686.
[111.] Citters, 25. Mai (4. Juni) 1686.
Es wird bei Hounslow ein Lager gebildet. [Er] bildete auf der Haide von Hounslow ein Lager und zog daselbst auf einem Umkreis von ungefähr dritthalb Meilen vierzehn Infanteriebataillone und zweiunddreißig Reiterschwadronen, in Summa etwa dreizehntausend Mann, zusammen. Sechsundzwanzig Geschütze und eine Menge mit Waffen und Munition beladene Wagen fuhren vom Tower durch die City nach Hounslow.[112] Die Londoner betrachteten diese in ihrer Nähe versammelte große Truppenmacht anfangs mit Entsetzen, das sich jedoch bei genauerem Bekanntwerden mit derselben bald verminderte. Ein Ausflug nach Hounslow wurde ihr Lieblingsvergnügen an Sonn- und Feiertagen. Das Lager gewährte den Anblick eines großen Jahrmarkts. In buntem Gemisch mit den Musketieren und Dragonern wogten eine Menge eleganter Herren und Damen von Soho Square, Gauner und geschminkte Dirnen von Whitefriars, Kranke in Sänften, Mönche in Kutte und Kaputze, Lakaien in glänzenden Livreen, Hausirer, Apfelsinenmädchen, muthwillige Lehrbuben und gaffende Bauern beständig in den langen Zeltgassen auf und ab. In einigen Zelten hörte man den Lärm wüster Trinkgelage, in anderen die Flüche von Spielern. Der Platz war eigentlich nur eine heitere Vorstadt von London. Der König hatte sich, wie es sich zwei Jahre später genugsam zeigte, vollständig verrechnet. Er hatte vergessen, daß die Nachbarschaft verschiedene Wirkungen ausübt. Er hatte gehofft, seine Armee werde London Schrecken einjagen, und das wirkliche Resultat seiner Maßregel war, daß die Gefühle und Ansichten der Londoner sich vollständig auch seiner Armee bemächtigten.[113]