Das Lager war in der That kaum gebildet, so hörte man auch schon von Schlägereien zwischen den protestantischen und papistischen Soldaten.[114] Eine kleine Schrift, betitelt: „Ergebene und herzliche Ansprache an alle englischen Protestanten in der Armee“, war eifrig in den Reihen verbreitet worden. Der Verfasser ermahnte die Truppen auf das Nachdrücklichste, daß sie ihre Waffen nicht zur Vertheidigung des Meßbuches, sondern der Bibel, der Magna Charta und der Bitte um Recht gebrauchen sollten. Er war ein Mann, der schon dem Zorne der Gewalt anheim gefallen war. Sein Character war interessant und seine Geschichte ziemlich lehrreich.
[112.] Ellis Correspondence, June 26. 1686; Citters, 2.(12.) Juli; Luttrell’s Diary, July 19.
[113.] Siehe die damals erschienenen Gedichte: Hounslow Heath und Caesar’s Ghost; Evelyn’s Diary, June 2. 1686. Eine Ballade in der Pepys’schen Sammlung enthält folgende Zeilen:
Der Platz gefiel mir gar zu schön,
Nie sah ein Lager ich so fein,
Kein Mädchen durft’ vorübergeh’n,
Gleich schenkt’ man ihr ein Gläschen Wein.
[114.] Luttrell’s Diary, June 18. 1686.
Samuel Johnson. [Er] hieß Samuel Johnson, war Priester der anglikanischen Kirche und Kaplan bei Lord Russell gewesen. Johnson gehörte zu den Leuten, die von ihren Gegnern tödtlich gehaßt und von ihren Verbündeten mehr geachtet als geliebt werden. Seine Sitten waren tadellos, seine Religiosität tief und glühend, seine Gelehrsamkeit und seine Talente nicht zu verachten, sein Urtheil schwach und sein Character gallig, unruhig und unbeugsam starrsinnig. Er war den eifrigen Anhängern der Monarchie besonders seines Standes wegen verhaßt, denn ein republikanischer Geistlicher war ein seltsames, fast unnatürliches Wesen. Unter der vorigen Regierung hatte Johnson ein Werk herausgegeben, betitelt: Julian the Apostate. Der Zweck dieses Buches war zu beweisen, daß die Christen des vierzehnten Jahrhunderts den Grundsatz der Verwerflichkeit des Widerstandes nicht befolgten. Es ließen sich leicht aus Chrysostomus und Hieronymus Stellen anführen, die in einem von dem Geiste der gegen die Ausschließungsbill predigenden anglikanischen Theologen völlig verschiedenen Sinne geschrieben waren. Johnson ging indessen noch weiter. Er suchte die gehässige Beschuldigung wieder hervor, welche Libanius aus leicht erklärlichen Gründen gegen die Soldaten Julian’s erhoben hatte, und gab zu verstehen, daß der Wurfspieß, der den kaiserlichen Renegaten tödtete, nicht von einem Feinde, sondern von einem Rumbold oder Ferguson aus den eigenen Reihen der Römer geschleudert worden sei. Dies führte eine heftige Polemik herbei. Whiggistische und toryistische Disputanten stritten sich heftig über eine dunkle Stelle, in der Gregor von Nazianz einen frommen Bischof lobt, der im Begriff stand, Jemanden zu prügeln. Die Whigs behaupteten, der heilige Mann habe den Kaiser schlagen wollen, die Tories meinten, er habe es höchstens auf einen Hauptmann der Garde abgesehen gehabt. Johnson schrieb nun eine Replik gegen seine Angreifer, worin er eine sehr geistreich durchgeführte Parallele zwischen Julian und Jakob, welcher damals Herzog von York war, zog. Julian hatte sich mehrere Jahre gestellt als ob er den Götzendienst verabscheute, während er im Herzen selbst ein Götzendiener war. Julian hatte, wenn es seinem Interesse entsprach, gelegentlich Achtung vor den Rechten der Überzeugung geheuchelt. Julian hatte Städte, welche der wahren Religion aufrichtig zugethan waren, durch Entziehung ihrer Municipalfreiheiten bestraft. Und Julian war von seinen Schmeichlern der Gerechte genannt worden. Jakob fühlte sich schwer beleidigt. Johnson wurde als Pasquillant verfolgt, schuldig befunden und zu einer Geldbuße verurtheilt, die er nicht bezahlen konnte. Er wurde daher eingesperrt und es hatte ganz den Anschein, als ob seine Haft nur mit seinem Leben enden werde.[115]
[115.] Siehe Johnson’s Denkwürdigkeiten als Einleitung zu der Folioausgabe seiner Lebensbeschreibung, seinen „Julian“ und seine Antworten an seine Gegner. Außerdem auch Hickes’s Jovian.