Die römisch-katholischen Theologen besiegt. [Die] römischen Katholiken ließen sich nicht ohne Widerstand besiegen. Einer von ihnen, Namens Heinrich Hill, war zum Buchdrucker des königlichen Hauses und der Hofkapelle ernannt und vom Könige an die Spitze einer großen Officin in London gestellt worden, aus der Hunderte von theologischen Abhandlungen hervorgingen. Obadja Walker’s Presse in Oxford war nicht weniger thätig. Aus diesen Anstalten ging jedoch außer einigen schlechten Übersetzungen der herrlichen Werke Bossuet’s nichts hervor, was nur den geringsten Werth gehabt hätte. Kein verständiger und wahrheitsliebender Katholik konnte in der That leugnen, daß die Vorkämpfer seiner Kirche in jedem Talent und Wissen vollständig besiegt waren. Den fähigsten von ihnen würde von der andren Seite kaum der dritte Rang eingeräumt worden sein. Viele von ihnen wußten das was sie sagen wollten, nicht auf die rechte Weise zu sagen. Sie waren wegen ihres Glaubens von den englischen Schulen und Universitäten ausgeschlossen gewesen und hatten bis zur Thronbesteigung Jakob’s England nie als einen angenehmen oder auch nur sicheren Aufenthalt betrachtet. Daher hatten sie den größten Theil ihres Lebens auf dem Continente zugebracht und ihre Muttersprache fast völlig verlernt. Wenn sie predigten, erregte ihr ausländischer Accent das spöttische Lächeln der Zuhörer und ihre Orthographie glich der der Waschweiber. Ihre Sprache war durch ausländische Redensarten entstellt und wollten sie einmal recht beredtsam sein, so ahmten sie so gut sie konnten den Styl nach, der auf den italienischen Akademien, deren Rhetorik den höchsten Grad der Verderbtheit erreicht hatte, für schön galt. Disputanten, welche mit solchen Nachtheilen zu kämpfen hatten, würden selbst wenn sie die Wahrheit auf ihrer Seite gehabt hätten, kaum im Stande gewesen sein, Männern die Spitze zu bieten, deren Styl sich durch einfache Reinheit und Eleganz in hohem Grade auszeichnete.[119]
Die Lage Englands im Jahre 1686 kann nicht besser geschildert werden, als mit den Worten des französischen Gesandten. „Die Unzufriedenheit,“ schrieb er, „ist groß und allgemein, aber die Furcht vor noch schlimmeren Übeln hält Jeden zurück, der etwas zu verlieren hat. Der König äußert unverhohlen seine Freude darüber, daß er sich in der Lage befindet, kühne Streiche führen zu können. Er hört es gern, wenn man ihm dazu gratulirt. Er hat mit mir darüber gesprochen und mir versichert, daß er nicht nachgeben wird.“[120]
[119.] Kardinal Howard sprach sich in Rom gegen Burnet sehr streng über diesen Gegenstand aus. (Burnet I. 662.) Eine interessante Stelle ähnlichen Inhalts findet sich auch in einer Depesche von Barillon, aber ich habe die Nachweisung verlegt.
Einer der katholischen Geistlichen, die an dieser Polemik Theil nahmen, ein Jesuit, Namens Andreas Pulton, den Oliver in seiner Geschichte des Ordens für einen Mann von ausgezeichneter Befähigung erklärt, gesteht seine Mängel selbst offen ein: „Da A. P. achtzehn Jahre außerhalb seines Vaterlandes zugebracht hat, so macht er auf Vollkommenheit in der englischen Ausdrucksweise und Rechtschreibung noch keinen Anspruch.“ Seine Orthographie ist in der That erbärmlich; in einem seiner Briefe schreibt er wright für write und woed für would. Er forderte Tenison auf, lateinisch mit ihm zu diputiren, damit sie mit gleichen Waffen kämpften. In einer zeitgenössischen Satire, betitelt „The Advice“ finden sich folgende zwei Zeilen:
Laßt Pulton in Busby’s Schule die Ruthe geben,
Damit er sich im Druck nicht mehr zum Narren macht.
Ein andrer römischer Katholik, Namens Wilhelm Clench, schrieb eine Abhandlung über die Suprematie des Papstes und widmete sie der Königin in italienischer Sprache. Folgende Probe seines Styls mag genügen: „O del sagro marito fortunata consorte! O dolce alleviamento d’affari alti! O grata ristoro di pensieri noiosi, nil cui pello latteo, lucente specchio d’illibata matronal pudicizia, nil cui seno odorato, como in porto d’amor, si ritira il Giacomo! O beata regia coppia! O felice incerto tra l’invincibil iconi e le candide aquile!“
Clench’s Englisch ist nicht besser wie sein Toskanisch. Zum Beispiel: „Peter signifies an inexpugnable rock, able to evacuate all the plots of hell’s divan, and naufragate all the lurid designs of empoisoned heretics.“ Eine andre katholische Schrift, betitelt: The Church of England truly represented, beginnt damit uns zu sagen, „daß das Irrlicht der Reformation, das durch viele Plünderungen und Räubereien zu einem Kometen angewachsen, gereinigt von dem Schmutze, den es zwischen den Alpenseen angenommen habe, in England eingeführt worden sei.“
[120.] Barillon, 19.(29.) Juli 1686.
Zustand Schottlands. [Mittlerweile] waren in anderen Theilen des Reichs Ereignisse von ernster Wichtigkeit eingetreten. Die Lage der bischöflichen Protestanten Schottlands war von der ihrer englischen Glaubensbrüder weit verschieden. Im Süden der Insel war die Staatsreligion auch die Volksreligion und besaß eine von der Unterstützung der Regierung völlig unabhängige Kraft. Die aufrichtigen Conformisten waren viel zahlreicher als die Papisten und die protestantischen Dissenters zusammengenommen. Die Landeskirche Schottlands war die Kirche einer kleinen Minorität. Die Bevölkerung des Niederlandes hielt zum größten Theil fest an der presbyterianischen Kirchenverfassung. Die große Masse der schottischen Protestanten verabscheute das Prälatenthum als eine schriftwidrige und zugleich ausländische Einrichtung. Die Schüler Knox’ betrachteten es als ein Überbleibsel von den Gräueln des großen Babylon. Es erinnerte ein auf das Andenken Wallace’s und Bruce’s stolzes Volk schmerzlich daran, daß Schottland, seitdem seinen Herrschern ein schöneres Erbtheil zugefallen, nur noch dem Namen nach unabhängig sei. Auch stand die bischöfliche Verfassung in den Augen des Volks mit allen den Übeln, welche eine fünfundzwanzigjährige schlechte und grausame Verwaltung heraufbeschworen hatte, in der engsten Verbindung. Dennoch erhielt sich diese Verfassung, wenn auch auf einer schmalen Grundlage und unter furchtbaren Stürmen, noch immer aufrecht; sie schwankte zwar zuweilen, wurde aber durch die weltliche Obrigkeit gestützt und verließ sich bei eintretender ernster Gefahr auf die Macht Englands. Die Archive des schottischen Parlaments wimmeln von Gesetzen, welche Denen mit Strafe drohen, die in irgend einer Richtung die vorgezeichnete Grenze überschritten. Nach einem zu Knox’ Zeiten erlassenen Gesetze, das ganz seinen Geist athmete, war es ein schweres Vergehen, die Messe zu hören und im zweiten Wiederholungsfalle war es ein Kapitalverbrechen.[121] Eine neuerdings auf Andringen Jakob’s erlassene Verordnung setzte die Todesstrafe auf das Predigen in irgend einem presbyterianischen Conventikel und sogar auf den bloßen Versuch eines solchen unter freiem Himmel abgehaltenen Conventikels.[122] Das heilige Abendmahl war zwar nicht, wie in England, zu einem bürgerlichen Prüfstein herabgewürdigt worden; aber es konnte Niemand ein Amt bekleiden, im Parlament sitzen, oder nur an der Wahl eines Mitgliedes theilnehmen, ohne an Eidesstatt eine Erklärung zu unterschreiben, welche in den stärksten Ausdrücken die Grundsätze der Papisten wie der Covenanters verdammte.[123]