[121.] Parlamentsacten vom 24. Aug. 1560 u. 15. Dec. 1567.

[122.] Desgl. vom 8. Mai 1685.

[123.] Desgl. vom 31. Aug. 1681.

Queensberry. [Im] schottischen Geheimen Rathe gab es zwei Parteien, welche Denen entsprachen, die in Whitehall einander kämpfend gegenüberstanden. Wilhelm Douglas, Herzog von Queensberry, war Lordschatzmeister und wurde seit einigen Jahren als erster Minister betrachtet. Er war durch Verwandtschaft, durch Ähnlichkeit der Meinungen und durch Ähnlichkeit des Characters mit dem Schatzmeister Englands eng verbunden. Beide waren Tories; Beide hatten ein heißblütiges Temperament und starke Vorurtheile; Beide waren bereit, ihren Gebieter bei jedem Angriff auf die bürgerlichen Freiheiten seines Volks zu unterstützen; Beide waren aufrichtige Anhänger der Staatskirche. Queensberry hatte dem Hofe in Zeiten angekündigt, daß er sich an keiner Neuerung betheiligen könne, die etwa in Betreff dieser Kirche beabsichtigt werden dürfte. Dagegen befanden sich unter seinen Collegen einige ebenso grundsatzlose Männer als Sunderland. Der Geheime Rath von Edinburg war in der That ein Vierteljahrhundert lang eine Pflanzschule aller öffentlichen und Privatlaster und einige von den Staatsmännern, deren Character dort gebildet war, besaßen eine Hartherzigkeit und einen Starrsinn, von denen Westminster selbst in jener schlimmen Zeit kaum ähnliche Beispiele aufweisen konnte.

Abfall Perth’s und Melfort’s. [Der] Kanzler, Jakob Drummond, Earl von Perth, und sein Bruder, der Staatssekretär Johann Lord Melfort, suchten Queensberry zu verdrängen. Der Kanzler hatte bereits ein unbestreitbares Recht auf die königliche Gunst. Er hatte eine kleine stählerne Daumenschraube eingeführt, welche so fürchterliche Schmerzen verursachte, daß sie schon Männern, bei denen Seiner Majestät Lieblingsinstrument, der spanische Stiefel, vergebens angewendet worden war, Geständnisse abgepreßt hatte.[124] Aber es war wohl bekannt, daß selbst die Grausamkeit kein so sicherer Weg zu Jakob’s Herzen war als Abfall vom Glauben. Zu diesem nahmen daher Perth und Melfort mit einer frechen Gemeinheit, der kein englischer Staatsmann gleichzukommen hoffen durfte, ihre Zuflucht. Sie erklärten, daß die in der Cassette Karl’s II. gefundenen Papiere sie Beide zum wahren Glauben bekehrt hätten und sie begannen zu beichten und die Messe zu hören.[125] Wie wenig die Überzeugung mit Perth’s Religionswechsel zu thun hatte, bewies er deutlich, indem er wenige Wochen später in directem Widerspruch mit den Vorschriften der Kirche, in deren Schooß er eben erst übergetreten war, seine leibliche Cousine zur Gattin nahm, ohne eine Dispensation abzuwarten. Als der gute Papst dies erfuhr, sagte er mit wohlbegründeter Verachtung und Entrüstung, dies sei eine sonderbare Bekehrung.[126] Jakob aber war leichter zufrieden zu stellen. Die beiden Renegaten stellten sich ihm in Whitehall vor und empfingen so warme Versicherungen seiner Gunst, daß sie es wagten, directe Beschuldigungen gegen den Schatzmeister zu erheben. Die Grundlosigkeit dieser Beschuldigungen war jedoch so in die Augen springend, daß Jakob sich genöthigt sah, den verklagten Minister freizusprechen, und Viele waren der Meinung, daß der Kanzler durch seinen boshaften Eifer, seinen Nebenbuhler zu stürzen, sich selbst gestürzt habe. Einige Andere urtheilten richtiger. Halifax, gegen den Perth einige Besorgniß äußerte, antwortete spöttisch lächelnd, es habe keine Gefahr. „Sei guten Muths, Mylord,“ setzte er hinzu; „Dein Glaube hat Dir geholfen.“ Die Prophezeiung bestätigte sich, Perth und Melfort kehrten als die wahren Oberhäupter der Regierung ihres Vaterlandes nach Edinburg zurück.[127] Noch ein andres Mitglied des schottischen Geheimen Rathes, Alexander Stuart, Earl von Murray, Nachkomme und Erbe des Regenten, schwor ebenfalls den Glauben ab, dessen erster Vorkämpfer sein erlauchter Ahnherr gewesen war, und erklärte sich zum Mitgliede der römischen Kirche. So ergeben Queensberry von jeher der Sache der Hoheitsrechte gewesen war, gegen Nebenbuhler, welche bereit waren, die Gunst des Hofes um solchen Preis zu verkaufen, konnte er sich nicht behaupten. Er mußte eine Reihe von Kränkungen und Demüthigungen ertragen, ähnlich denen, welche um die nämliche Zeit seinem Freunde Rochester das Leben zu verbittern begannen.

[124.] Burnet, I. 584.

[125.] Ibid. I. 652, 653.

[126.] Ibid. I. 678.

[127.] Burnet, I. 653.

Begünstigung der katholischen Religion in Schottland. [Es] erschienen königliche Erlasse, welche die Papisten ermächtigten, Ämter zu bekleiden, ohne den Testeid zu leisten, und die Geistlichkeit erhielt strengen Befehl, sich in ihren Predigten aller Reflexionen über den römisch-katholischen Glauben zu enthalten. Der Kanzler nahm es auf sich, zu den wenigen Buchdruckern und Buchhändlern, die sich damals in Edinburg befanden, die Diener des Geheimen Raths mit dem Befehle zu senden, kein Werk ohne seine Genehmigung zu veröffentlichen. Man wußte sehr wohl, daß dieser Befehl bezweckte, die Verbreitung protestantischer Schriften zu verhindern. Ein achtbarer Buchhändler sagte den Boten, daß er in seinem Laden ein Buch habe, das sich in sehr harten Worten über den Papismus äußere, und fragte, ob er es verkaufen dürfe. Sie verlangten es zu sehen, und er zeigte ihnen eine Bibel.[128] Eine ganze Schiffsladung Heiligenbilder, Rosenkränze, Kreuze und Rauchfässer langten unter der Adresse des Lord Perth in Leith an. Die Einfuhr solcher Artikel war seit geraumer Zeit verboten gewesen; jetzt aber ließen die Zollbeamten diese Zierrathen und Geschirre des Aberglaubens passiren.[129]