[128.] Fountainhall, 28. Jan. 1685/86.

[129.] Ibid. 11. Jan. 1685/86.

Aufstände in Edinburg. [Bald] darauf erfuhr man, daß im Hause des Kanzlers eine papistische Kapelle eingerichtet worden war und daß regelmäßig Messe darin gelesen wurde. Der Pöbel stand auf und griff das Gebäude an, in welchem der Götzendienst gefeiert ward. Die eisernen Fenstergitter wurden herausgerissen und Lady Perth nebst einigen Freundinnen wurden mit Koth beworfen. Einer der Ruhestörer wurde ergriffen und der Geheime Rath befahl, ihn auspeitschen zu lassen. Seine Kameraden aber befreiten ihn und prügelten den Henker. Die Stadt war die ganze Nacht in Aufruhr. Die Studenten der Universität mischten sich unter den Haufen und reizten ihn zum Tumult auf. Eifrige Bürger tranken auf die Gesundheit der studirenden Jugend und auf den Untergang der Papisten und ermuthigten einander zum Widerstand gegen die Truppen. Diese standen bereits unter den Waffen. Unter ihnen zeichnete sich besonders aus das Dragoner­regiment Claverhouse’s, der Schrecken und Abscheu von ganz Schottland. Sie wurden mit einem Steinhagel empfangen, der einen Offizier verwundete. Alsbald erfolgte der Befehl zum Feuern, und es fielen mehrere Bürger. Der Aufruhr war ernst; aber die von Rachsucht und Ehrgeiz entflammten Gebrüder Drummond schilderten ihn maßlos übertrieben. Queensberry bemerkte, daß ihre Berichte einen Jeden, der nicht Augenzeuge gewesen war, zu dem Glauben bringen mußten, es habe in Edinburg ein eben so furchtbarer Aufstand wie der des Masaniello gewüthet. Sie dagegen beschuldigten ihn nicht nur, daß er das Verbrechen der Aufrührer zu gering anschlage, sondern sogar, daß er es gefördert habe, und boten Alles auf, um einen Beweis für seine Schuld zu erlangen. Einem der verhafteten Rädelsführer wurde seine Begnadigung angeboten, wenn er gestehen wolle, daß Queensberry ihn aufgehetzt habe; aber die nämliche religiöse Begeisterung, welche den unglücklichen Gefangenen zu verbrecherischer Gewaltthat getrieben, hielt ihn ab, sein Leben durch eine Verleumdung zu erkaufen. Er und mehrere seiner Mitschuldigen wurden gehängt. Ein Soldat, der während des Kampfes ausgerufen haben sollte, er möchte sein Schwert lieber einem Papisten durch den Leib stoßen, wurde erschossen. So war die Ruhe in Edinburg wieder hergestellt, aber die Verurtheilten wurden als Märtyrer betrachtet und der papistische Kanzler wurde der Gegenstand eines tödtlichen Hasses, der in nicht langer Zeit reichliche Befriedigung finden sollte.[130]

[130.] Fountainhall, 31. Jan. u. 1. Feb. 1685/86; Burnet, I. 678; Prozesse David Mowbray’s und Alexander Keith’s in der Collection of State Trials; Bonrepaux, 11.(21.) Feb.

Zorn des Königs. [Der] König war höchlich entrüstet. Er erhielt die Nachricht von dem Aufstande in dem Augenblicke, als es der Königin mit Hülfe der Jesuiten eben gelungen war, über Lady Dorchester und ihre protestantischen Verbündeten zu triumphiren. Er sagte, die Unzufriedenen sollten erfahren, daß die Auflehnung gegen seinen Willen keine andre Wirkung habe, als ihn noch entschlossener zu machen.[131] Er sandte an den schottischen Geheimen Rath den Befehl, die Schuldigen mit der äußersten Strenge zu bestrafen und mit der Anwendung des spanischen Stiefels nicht sparsam zu sein.[132] Er stellte sich als ob er von der Unschuld des Schatzmeisters vollkommen überzeugt sei und schrieb einen sehr freundlichen Brief an ihn; aber die freundlichen Worte waren von unfreundlichen Handlungen begleitet. Die Verwaltung des schottischen Schatzamts wurde trotz der ernsten Gegenvorstellungen Rochester’s, der das Schicksal seines Verwandten wahrscheinlich für einen Vorläufer seines eignen hielt, einer Commission übertragen.[133] Allerdings wurde Queensberry zum ersten Commissar und zum Präsidenten des Geheimen Raths ernannt, aber sein Fall blieb trotz dieses lindernden Balsams immer ein Fall. Auch wurde er seines Postens als Commandant des Schlosses von Edinburg enthoben und sein Nachfolger in diesem Vertrauensposten war der Herzog von Gordon, ein römischer Katholik.[134]

[131.] Ludwig an Barillon, 18.(28.) Febr. 1686.

[132.] Fountainhall, 16. Feb.; Wodrow, III. X. 3. „Wir verlangen,“ geruhten Seine Majestät zu schreiben, „daß Sie kein gesetzliches Verhörmittel, wie Folter und andere, sparen.“

[133.] Bonrepaux, 18.(28.) Feb. 1686.

[134.] Fountainhall, 11. März 1686; Adda, 1.(11.) März.

Seine Pläne in Betreff Schottlands. [Jetzt] kam ein Schreiben aus London, welches dem schottischen Geheimen Rathe die Absichten des Königs klar vor Augen legte. Es war sein Wille, daß alle römischen Katholiken von der Wirkung der Gesetze, welche wegen Nichtconformität Strafen und Ausschließungen verhängten, befreit sein und daß dagegen die Verfolgungen gegen die Covenanters ohne Milderung fortgesetzt werden sollten.[135] Dieser Plan stieß im Geheimen Rathe auf kräftigen Widerstand. Einige Mitglieder wollten von einer Lockerung der bestehenden Gesetze nichts wissen. Andere waren zwar einer solchen Lockerung nicht abgeneigt, aber sie sahen doch ein, daß es unerhört sein würde, römische Katholiken zu den höchsten Ehrenämtern zuzulassen und dabei das Gesetz aufrecht zu erhalten, welches den Besuch presbyterianischer Conventikel mit dem Tode bestrafte. Die Antwort des Raths lautete daher nicht so unterwürfig als gewöhnlich. Der König gab in seiner Rückäußerung seinen pflichtvergessenen Räthen einen scharfen Verweis und entbot drei von ihnen, den Herzog von Hamilton, Sir Georg Lockhardt und General Drummond, zu sich nach Westminster.