[135.] Dieser Brief ist vom 4. März 1686.

Eine Deputation schottischer Geheimräthe begiebt sich nach London. [Hamilton’s] Talente und Kenntnisse waren zwar keineswegs so bedeutend, daß sie einem Unbekannten genügt haben würden, um sich zu einer hohen Stellung emporzuschwingen, erschienen aber immerhin bei einem Manne, der erster Peer von Schottland war, sehr achtungswerth. Lockhardt hatte lange für einen der ersten Juristen, Logiker und Redner gegolten, die sein Vaterland hervorgebracht, und genoß dabei das Ansehen, welches große Besitzungen verleihen, denn er hatte ein so bedeutendes Vermögen, wie es damals nur sehr wenige schottische Edelleute besaßen.[136] Er war unlängst zum Präsidenten des Sessions­gerichts­hofes[137] ernannt worden. Drummond, ein jüngerer Bruder Perth’s und Melfort’s, war Commandant der in Schottland stehenden Truppen. Er war ein leichtfertiger und weltlich gesinnter Mann, aber ein gewisses Ehrgefühl, das seinen beiden Brüdern fehlte, hielt ihn vom öffentlichen Glaubensabfall zurück. Er lebte und starb — wie einer seiner Landsleute sich sehr bezeichnend ausdrückt — als ein schlechter Christ, aber als guter Protestant.[138]

Jakob gefiel die ehrerbietige Sprache der drei Räthe, als sie zuerst vor ihm erschienen. Er äußerte sich gegen Barillon sehr günstig über sie und rühmte besonders Lockhardt als den talentvollsten und beredtesten aller lebenden Schotten. Doch bald zeigten sie sich minder gefügig, als man von ihnen erwartet hatte, und es hieß bei Hofe, daß sie durch die Gesellschaft, mit der sie in London verkehrt hatten, verdorben worden seien. Hamilton ging viel mit eifrigen Anhängern der Staatskirche um, und es stand zu befürchten, daß Lockhardt in Folge seiner Verwandtschaft mit der Familie Wharton in noch schlimmere Gesellschaft gerathen sei. Es war in der That wohl natürlich, daß die ernste und beharrliche, aber dabei Maß haltende Unzufriedenheit, welche England durchdrang, auf Staatsmänner, welche eben aus einem Lande kamen, wo die Opposition in andrer Form als in der des Aufruhrs seit langer Zeit fast unbekannt und wo Alles entweder gesetzlose Wuth oder kriechende Unterwürfigkeit war, einen tiefen Eindruck machte und daß sie ermuthigt werden mußten, es mit dem verfassungsmäßigen Widerstande gegen den königlichen Willen zu versuchen. Zwar erklärten sie sich bereit, den römischen Katholiken große Erleichterungen zu gewähren, aber nur unter zwei Bedingungen: erstens daß eine ähnliche Nachsicht auch auf die calvinistischen Sectirer ausgedehnt werde, und zweitens daß sich der König durch ein feierliches Versprechen verpflichte, nichts zum Nachtheile der protestantischen Religion zu unternehmen.

[136.] Barillon, 19.(29.) April 1686; Burnet, I. 370.

[137.] Court of session, der höchste schottische Civilgerichtshof, dem englischen Court of Chancery und Court of Common Pleas entsprechend.   D. Übers.

[138.] Die Worte finden sich in einem Briefe von Johnstone an Waristoun.

Ihre Unterhandlungen mit dem Könige. [Beide] Bedingungen waren durchaus nicht nach Jakob’s Sinne. Nach einem mehrtägigen Streite verstand er sich indessen mit Widerstreben dazu, den Presbyterianern einige Duldung zu gewährleisten; die volle Freiheit aber, die er für Mitglieder seiner Kirche beanspruchte, wollte er ihnen unter keinen Umständen bewilligen.[139] Auf die zweite Bedingung, welche die schottischen Räthe stellten, weigerte er sich entschieden einzugehen. Er sagte, die protestantische Religion sei eine falsche und er könne durchaus nicht versprechen, daß er seine Macht nicht zum Nachtheile einer falschen Religion anwenden werde. Die Unterhandlungen über diesen Punkt dauerten lange und führten zu keinem für irgend eine der beiden Parteien befriedigenden Ergebnisse.[140]

[139.] Einige Worte von Barillon verdienen angeführt zu werden. Sie würden allein schon genügen, um eine Frage zu entscheiden, zu deren Verwirrung Unwissenheit und Parteigeist viel beigetragen haben. „Cette liberté accordée aux nonconformistes a faite une grande difficulté, et a été débattue pendant plusieurs jours. Le Roy d’Angleterre avoit fort envie que les Catholiques eussent seuls la liberté de l’exercice de leur réligion.“ 19.(29.) April 1686.

[140.] Barillon, 19.(29.) April; Citters, 13.(23.), 20.(30.) April u. 9.(19.) Mai.

Zusammentritt der schottischen Stände. [Inzwischen] rückte die zum Zusammentritt der schottischen Stände festgesetzte Zeit heran, und die drei Räthe mußten daher London verlassen, um ihren parlamentarischen Pflichten in Edinburg nachzukommen. Bei dieser Gelegenheit erfuhr Queensberry eine neue Kränkung. In der letzten Session hatte er als Lordobercommissar fungirt und als solcher die Majestät des abwesenden Königs vertreten. Diese Würde, die höchste, nach der ein schottischer Edelmann streben konnte, wurde jetzt dem Renegaten Murray übertragen.