Sie zeigen sich widerspenstig. [Am] 29. April eröffnete das Parlament in Edinburg seine Sitzungen. Es wurde ein Schreiben des Königs verlesen, worin er die Stände ermahnte, seinen römisch-katholischen Unterthanen Erleichterungen zu verschaffen, und ihnen dafür freien Handel mit England und eine Amnestie für politische Vergehen anbot. Es wurde ein Ausschuß ernannt, um die Antwort zu entwerfen. Dieser Ausschuß, obgleich von Murray selbst ernannt und aus Geheimen Räthen und Höflingen zusammengesetzt, entwarf eine Erwiederung, die zwar voll Versicherungen der Pflichttreue und Ehrerbietung war, aber bei alledem unverkennbar den Entschluß verrieth, dem Verlangen des Königs nicht zu entsprechen. Die Stände, hieß es darin, würden, so weit als ihr Gewissen es ihnen gestatte, den Wünschen Seiner Majestät in Betreff seiner römisch-katholischen Unterthanen entgegenkommen. Diese Ausdrücke befriedigten den Kanzler durchaus nicht, aber er mußte sich damit begnügen und es kostete ihm sogar einige Mühe, das Parlament zur Annahme derselben zu überreden. Einige eifrige Protestanten erhoben Einwürfe gegen die Erwähnung des römisch-katholischen Glaubens. Es gebe gar keine solche Religion, meinten sie, sondern es gebe nur einen götzendienerischen Abfall, den die Gesetze mit dem Stricke bestraften und dem christliche Männer keinen beschönigenden Namen geben dürften. Einen solchen Afterglauben Katholicismus nennen, hieße die ganze Frage, welche zwischen Rom und der reformirten Kirche schwebe, aufgeben. Das Anerbieten des freien Handelsverkehrs mit England wurde als eine schimpfliche Beleidigung angesehen. „Unsere Väter,“ sagte einer der Redner, „verkauften ihren König für sündliches Gold und die Schmach jenes abscheulichen Handels ist noch nicht verwischt. Man soll nicht von uns sagen, daß wir unsren Gott verschachert haben!“ Sir Johann Lauder von Fountainhall, einer der Senatoren des Justizcollegiums, schlug die Worte vor: „die Personen, welche gewöhnlich römische Katholiken genannt werden.“ — „Wollen Sie Seiner Majestät einen Spottnamen geben?“ rief der Kanzler. Die vom Ausschuß entworfene Antwort wurde angenommen, aber eine bedeutende und achtbare Minorität stimmte gegen die vorgeschlagenen Worte als zu höfisch.[141] Es wurde bemerkt, daß die Abgeordneten der Städte fast einhellig gegen die Regierung waren. Bisher waren, diese Mitglieder im Parlament von geringer Bedeutung gewesen und nur als der Schweif mächtiger Edelleute betrachtet worden. Jetzt zeigten sie zum ersten Male eine Unabhängigkeit, eine Entschiedenheit und einen Gemeingeist, welche den Hof beunruhigten.[142]

Die Antwort mißfiel Jakob dermaßen, daß er den Abdruck derselben in der Gazette nicht gestattete. Er sollte bald erfahren, daß ein Gesetz, wie er es angenommen zu sehen wünschte, nicht einmal vorgeschlagen werden würde. Die Artikel-Lords, denen es oblag, die Gesetze zu entwerfen, über welche die Stände nachher zu berathen hatten, waren thatsächlich von ihm selbst ernannt, aber sogar sie zeigten sich widerspenstig. Als sie sich versammelten, traten die kürzlich von London zurückgekommenen drei Räthe an die Spitze der Opposition gegen den königlichen Willen. Hamilton erklärte geradezu, er könne nicht thun, was verlangt werde; er sei ein treuer und loyaler Unterthan, aber das Gewissen ziehe eine Grenze. „Gewissen?“ rief der Kanzler; „Gewissen ist ein unbestimmtes Wort, das Alles und auch Nichts bedeutet.“ — „Wenn das Gewissen,“ fiel Lockhardt ein, der als Abgeordneter der großen Grafschaft Lanark im Parlamente saß, „ein leeres Wort ist, so wollen wir es mit einem andren Ausdruck vertauschen, der hoffentlich etwas bedeutet. Lassen Sie uns dafür sagen; Die Grundgesetze Schottlands.“ Diese Worte veranlaßten eine heftige Debatte. General Drummond, welcher Perthshire vertrat, erklärte sich mit Hamilton und Lockhardt einverstanden, und die meisten der anwesenden Bischöfe traten auf die nämliche Seite.[143]

Es war klar, daß Jakob selbst im Artikel-Ausschuß über keine Majorität zu gebieten hatte. Die Nachricht verdroß und reizte ihn. Er führte eine heftige und drohende Sprache und bestrafte einige seiner widerspenstigen Diener in der Hoffnung, daß die übrigen es sich würden zur Warnung dienen lassen. Mehrere Mitglieder des Raths wurden entlassen und mehreren wurden Gehalte entzogen, welche einen großen Theil ihres Einkommens bildeten. Das ausgezeichnetste Opfer war Sir Mackenzie von Rosehaugh. Er hatte lange das Amt des Lordadvokaten bekleidet und an den Verfolgungen der Covenanters einen solchen Antheil genommen, daß er noch heutigen Tages in den Augen des ernsten und gottesfürchtigen schottischen Landvolks eine Stelle einnimmt, welche von der nicht beneidenswerthen Höhe Claverhouse’s nicht weit entfernt ist. Mackenzie’s juristische Kenntnisse waren nicht die glänzendsten, aber als Gelehrter, als Schöngeist und als Redner stand er bei seinen Landsleuten in hohem Ansehen, und sein Ruf hatte sich in die Londoner Kaffeehäuser und in die Oxforder Kreuzgänge verbreitet. Die noch vorhandenen gerichtlichen Vorträge von ihm beweisen, daß er ein talentvoller Mann war; nur werden sie durch etwas beeinträchtigt, was er wahrscheinlich für ciceronischen Schwung hielt, durch Interjectionen, welche mehr Kunst als Leidenschaft verrathen, und durch weitschweifige Umschreibungen, in denen sich Epipheta über Epipheta zu einem ermüdenden Klimax aufeinanderhäufen. Jetzt hatte er sich zum ersten Male bedenklich gezeigt und wurde deshalb trotz seiner Ansprüche auf den Dank der Regierung seines Amtes entsetzt. Er zog sich aufs Land zurück und ging bald darauf nach London, um sich zu rechtfertigen, wurde aber vom Könige nicht vorgelassen[144]. Während der König es auf diese Weise versuchte, die Artikel-Lords durch Einschüchterung zum Gehorsam zu zwingen, ermuthigte sie die öffentliche Meinung zur Beharrlichkeit. Die äußersten Anstrengungen des Kanzlers konnten es nicht verhindern, daß das Nationalgefühl sich auf der Kanzel und durch die Presse äußerte. Eine Abhandlung, die in so kühnem und scharfem Tone gehalten war, daß kein Buchdrucker den Druck derselben zu übernehmen wagte, wurde im Manuscript weitverbreitet. Die auf der entgegengesetzten Seite erscheinenden Schriften hatten bei weitem geringere Wirkung, obgleich sie auf Staatskosten verbreitet wurden und obgleich den schottischen Vertheidigern der Regierung ein sehr einflußreicher englischer Bundesgenosse zur Seite stand: Lestrange, der nach Edinburg geschickt worden war und Gemächer in Holyrood House bewohnte.[145]

Nach einer dreiwöchentlichen Debatte kamen die Lords der Artikel endlich zu einem Entschlusse. Sie schlugen vor, daß es den römischen Katholiken erlaubt sein sollte, ihren Gottesdienst in Privathäusern abzuhalten; aber es zeigte sich bald, daß selbst diese Maßregel, soweit sie auch hinter den Forderungen und Erwartungen des Königs zurückblieb, von den Ständen entweder gar nicht oder doch nur mit starken Beschränkungen und Modificationen angenommen werden würde.

Während der Dauer dieses Kampfes herrschte in London eine ängstliche Spannung. Jeder Bericht, jede Zeile von Edinburg wurde begierig gelesen. Einmal ging das Gerücht, Hamilton habe nachgegeben und die Regierung werde jeden Punkt durchsetzen. Dann kam wieder die Nachricht, daß die Opposition sich aufs neue gesammelt habe und hartnäckiger sei als je. In dem kritischesten Augenblicke erhielt das Postamt den Befehl, alle Briefbeutel aus Schottland nach Whitehall zu senden, und eine ganze Woche lang wurde nicht ein einziger Privatbrief, der von jenseit des Tweed kam, in London ausgegeben. In unsrer Zeit würde eine solche Unterbrechung des schriftlichen Verkehrs die ganze Insel in Verwirrung bringen; damals aber war der Handel und die Correspondenz zwischen England und Schottland so gering, daß die Nachtheile wahrscheinlich viel unbedeutender waren als die, welche gegenwärtig durch eine kurze Verzögerung in der Ankunft der indischen Post entstehen. Während so die gewöhnlichen Wege, auf denen man Nachrichten erhalten konnte, verschlossen waren, beobachtete die Menge in den Galerien von Whitehall mit gespannter Aufmerksamkeit die Mienen des Königs und seiner Minister, und man bemerkte mit großer Befriedigung, daß nach jedem aus dem Norden kommenden Expressen die Feinde des protestantischen Glaubens immer finsterer aussahen.

[141.] Fountainhall, 6. Mai 1686.

[142.] Ibid. 15. Juni 1686.

[143.] Citters, 11.(21.) Mai 1686. Citters versicherte die Generalstaaten, daß er seine Mittheilungen aus bester Quelle habe. Ich will einen Theil davon hier anführen. Es ist zugleich ein ergötzliches Pröbchen von dem buntscheckigen Style der damaligen holländischen Diplomaten.

„Des konigs missive, boven en behalven den Hoog Commissaris aensprake, aen het parlement afgesonden, gelyck dat altoos gebruyckelyck is, waerby Syne Majesteyt nu in genere versocht hieft de mitigatie der rigoureuse ofte sanglante wetten van het Ryck jegens het Pausdom, in het Generale Comitée des Articles (soo men hat daer naemt) na ordre gestelt en gelesen synde, in ’t voteren, den Hertog van Hamilton onder anderen klaer nyt seyde dat hy daertoe niet soude verstaen, dat hy anders genegen was den Konig in allen voorval getrouw te dienen volgens het dictamen syner conscientie: ’t gene reden gaf aen de Lord Cancelier de Grave Perts te seggen dat het woort conscientie niets en beduyde, en alleen een individuum vagum was, waerop der Chevalier Lockhardt dan verder gingh; wil man nit verstaen de betyckenis van het woordt conscientie, soo sal ik in fortioribus seggen dat wy meynen volgens de fondamentale welten van het ryck.“

In dem „Hind Let Loose“ kommt eine interessante Stelle vor, der ich ohne jene Depesche von Citters keinen Glauben geschenkt haben würde. „Sie können das Wort Gewissen nicht einmal aussprechen hören.“ Jemand, der die Ansicht des Geheimen Raths über diesen Punkt genau kannte, sagte zu einem Herrn, der vor demselben erscheinen wollte: „Sprecht um des Himmels willen vor den Lords nicht vom Gewissen, denn sie können dieses Wort nicht hören.“