[144.] Fountainhall, 17. Mai 1686.

[145.] Wodrow, III. X. 3.

Sie werden vertagt. [Endlich] kam zur allgemeinen Freude die Nachricht, daß der Kampf zu Ende sei, daß die Regierung mit ihren Maßregeln nicht habe durchdringen können und daß der Lordobercommissar das Parlament vertagt habe.[146]

[146.] Citters, 28. Mai (7. Juni), 1.(11.) u. 4.(14.) Juni 1686; Fountainhall, 15. Juni; Luttrell’s Diary, June 2. 16.

Willkürherrschaft in Schottland. [Wäre] Jakob nicht gegen alle Warnungen taub gewesen, so würden diese Ereignisse genügt haben, ihn zu warnen. Wenige Monate früher hatte das fügsamste aller englischen Parlamente sich geweigert, seinem Willen zu gehorchen. Aber das willfährigste englische Parlament konnte im Vergleich mit jedem schottischen Parlamente aus irgend einer Zeit eine unabhängige und muthige Versammlung genannt werden, und der knechtische Sinn der schottischen Parlamente war stets in höchster Potenz bei den Lords der Artikel zu finden. Doch selbst die Artikel-Lords zeigten sich widerspenstig. Es war klar, daß alle diejenigen Klassen, alle diejenigen Institutionen, welche bis dahin für die kräftigsten Stützen der monarchischen Gewalt gegolten hatten, als Elemente der Opposition betrachtet werden mußten, wenn der König auf seiner wahnsinnigen Politik beharrte. Aber alle diese Warnungszeichen gingen spurlos an ihm vorüber; auf jede Beschwerde hatte er nur die eine Antwort: er werde niemals nachgeben, denn Zugeständnisse hätten seinen Vater ins Verderben gestürzt, und sein unbeugsamer Starrsinn wurde von der französischen Gesandtschaft und der jesuitischen Cabale laut gepriesen.

Er erklärte jetzt, daß er schon zu genädig gewesen sei, indem er sich herabgelassen habe, die Zustimmung der schottischen Stände zu seinen Wünschen zu verlangen. Sein Hoheitsrecht werde ihn nicht nur in den Stand setzen, Diejenigen zu beschützen, denen er gewogen sei, sondern auch Die zu bestrafen, die sich gegen ihn aufgelehnt hätten. Er war fest überzeugt, daß seine Dispensationsgewalt von keinem schottischen Gerichtshofe in Zweifel gezogen werden würde. Es gab damals eine schottische Suprematsacte, welche dem Souverain eine Gewalt über die Kirche verlieh, welche selbst Heinrich VIII. befriedigt haben würde. In Folge dessen wurden Papisten in Menge zu Ämtern und Ehrenstellen zugelassen. Der Bischof von Dunkeld, der als Lord des Parlaments der Regierung opponirt hatte, wurde willkürlich von seinem Sitze vertrieben und ein Nachfolger für ihn ernannt. Queensberry wurde aller seiner Ämter entsetzt und ihm befohlen, daß er so lange in Edinburg bleiben müsse, bis die Rechnungen des Schatzamts aus der Zeit seiner Verwaltung geprüft und richtig befunden worden seien.[147] Da die Abgeordneten der Städte als der unlenkbarste Theil des Parlaments erkannt worden waren, beschloß man, in jedem Wahlorte des ganzen Landes eine völlige Umgestaltung vorzunehmen. Eine ähnliche Veränderung war erst kürzlich in England durch richterliche Erkenntnisse bewirkt worden; in Schottland aber wurde ein bloßer Befehl des Fürsten für genügend erachtet. Alle Wahlen der Magistratsbeamten und der Stadträthe wurden untersagt und der König maßte sich das Recht an, die wichtigsten Municipalbehörden selbst zu ernennen.[148] In einem formellen Schreiben an den Geheimen Rath kündigte er seine Absicht an, in seinem Holyroodpalaste eine römisch-katholische Kapelle einzurichten, und er gab Befehl, daß die Richter angewiesen werden sollten, alle gegen die Papisten gerichteten Gesetze, bei Strafe seines allerhöchsten Mißfallens, für null und nichtig zu erklären. Indessen beruhigte er die protestantischen Episcopalen durch die Zusicherung, daß er zwar entschlossen sei, die römisch-katholische Kirche gegen sie in Schutz zu nehmen, sich aber ebenso auch vorgenommen habe, sie gegen jeden Übergriff seitens der Fanatiker zu beschützen. Perth schlug eine in den kriechendsten Ausdrücken abgefaßte Antwort auf diese Mittheilung vor. Der Geheime Rath enthielt jetzt viele Papisten; die noch darin sitzenden protestantischen Mitglieder waren durch des Königs Hartnäckigkeit und Strenge eingeschüchtert worden, und nur ein schwaches Murren ließ sich dann und wann noch vernehmen. Hamilton ließ sich einige Andeutungen gegen die Dispensationsgewalt entschlüpfen, die er aber schleunigst wieder wegerklärte. Lockhardt sagte, er wolle eher seinen Kopf verlieren, als einen Brief wie der vom Kanzler entworfene unterschreiben, aber er sagte dies wohlweislich so leise, daß es nur von Freunden gehört wurde. Perth’s Worte wurden mit unbedeutenden Abänderungen angenommen und den königlichen Befehlen Folge geleistet; aber eine dumpfe Unzufriedenheit verbreitete sich unter jener Minorität der schottischen Nation, mit deren Hülfe die Regierung bisher die Majorität niedergehalten hatte.[149]

[147.] Fountainhall, 12. Juni 1686

[148.] Ibid. 16. Sept. 1686.

[149.] Fountainhall, 16. Sept.; Wodrow, III. X. 3.

Irland. [Wenn] der Geschichtsschreiber dieser unruhigen Regierung den Blick nach Irland wendet, wird seine Aufgabe ganz besonders schwierig und kitzlig. Er schreitet — um mich des schönen Bildes zu bedienen, das ein römischer Dichter in ähnlichem Falle gebraucht hat — auf einer dünnen Schicht Asche dahin, unter der die Lava noch glüht. Das siebzehnte Jahrhundert hat in jenem unglücklichen Lande dem neunzehnten ein verhängnißvolles Erbtheil schlimmer Leidenschaften hinterlassen. Das Unrecht, das die sächsischen Vertheidiger von Londonderry und die celtischen Vertheidiger von Limerick einander angethan, hat keiner der beiden genannten Stämme dem andren jemals aufrichtig verziehen. Bis auf den heutigen Tag sind die vielen edlen Eigenschaften, welche die Kinder der Sieger auszeichnen, mit einem mehr als spartanischen Trotze vermischt, während bei den Kindern der Besiegten nur zu oft ein als Furcht und Haß zusammengesetztes Zelotengefühl zu erkennen ist. Keiner der beiden feindlichen Stämme kann von jedem Tadel freigesprochen werden; der Hauptvorwurf aber trifft den kurzsichtigen und starrköpfigen Fürsten, der in einer Lage, wo er sie hätte versöhnen können, seine ganze Macht aufbot, ihren gegenseitigen Haß noch mehr zu schüren, bis er sie endlich zu einem Kampf auf Leben und Tod zwang.