Tyrconnel stammte, wie wir schon gesagt haben, aus einer der entarteten Familien der alten Colonie, welche gewöhnlich mit der ursprünglichen Bevölkerung Irlands zusammengeworfen wurde. Zuweilen sprach er zwar in einem Anfalle von Prahlsucht mit normännischem Übermuthe von den celtischen Barbaren; in Wirklichkeit aber hatten die Eingebornen alle seine Sympathieen.[167] Die protestantischen Ansiedler haßte er, und sie erwiederten seinen Haß. Clarendon’s Neigungen waren ganz andrer Art, aber er war nach Character, aus Interesse und aus Prinzip ein willfähriger Höfling. Sein Muth war gering, seine Vermögensumstände nicht glänzend, und die politischen Lehren, welche die anglikanische Kirche damals nur zu eifrig gepredigt, hatten sich seinem Geiste tief eingeprägt. Seine Fähigkeiten waren jedoch nicht zu verachten und unter einem guten Könige würde er wahrscheinlich ein vortrefflicher Vicekönig gewesen sein.
[166.] Sheridan-Handschr. unter den Stuart-Papieren. Ich muß hier die Gefälligkeit anerkennen, mit der mich Mr. Glover in meinen Nachforschungen nach diesem werthvollen Manuscripte unterstützt hat. Aus den Instructionen, welche Jakob 1692 für seinen Sohn aufsetzte, geht hervor, daß er bis zuletzt der Meinung war, Irland könne nicht ohne Gefahr einem irischen Lordlieutenant anvertraut werden.
[167.] Sheridan-Handschr.
Clarendon’s Ankunft in Irland als Lordlieutenant. [Es] vergingen etwa drei Vierteljahre zwischen der Zurückberufung Ormond’s und der Ankunft Clarendon’s in Dublin. In der Zwischenzeit wurde der König durch ein Collegium von Lordrichtern repräsentirt; die militairische Verwaltung aber war in Tyrconnel’s Händen. Die Absichten des Hofes begannen sich allmälig schon zu enthüllen. Es kam von Whitehall ein königlicher Befehl zur Entwaffnung des Volks. Diesen Befehl vollzog Tyrconnel, soweit er die Engländer betraf, mit aller Strenge. Obgleich das Land durch Räuberbanden unsicher gemacht wurde, bekam ein protestantischer Gentleman kaum die Erlaubniß, ein Paar Pistolen behalten zu dürfen. Dem eingebornen Landvolke dagegen wurden die Waffen gelassen.[168] Die Freude der Colonisten war daher groß, als endlich im December 1685 Tyrconnel nach London berufen und Clarendon noch Dublin abgesandt wurde. Doch es zeigte sich bald, daß der wahre Sitz der Regierung nicht Dublin, sondern London war. Jede Post, die über den St. Georgskanal kam, brachte Nachrichten von dem unbegrenzten Einflusse, den Tyrconnel auf die irischen Angelegenheiten ausübte. Es hieß, er solle Marquis, ja sogar Herzog werden, er solle den Oberbefehl über die Truppen erhalten und beauftragt werden, die Armee und die Gerichtshöfe neu zu organisiren.[169]
[168.] Clarendon an Rochester, 19. Jan. 1685/86; Secret Consults of the Romish Party in Ireland, 1690.
[169.] Clarendon an Rochester, 27. Febr. 1685/86.
Seine Kränkungen. [Clarendon] fühlte sich tief gekränkt, als er sah, daß er nur ein untergeordnetes Mitglied der Verwaltung war, deren Oberhaupt zu sein er erwartet hatte. Er beschwerte sich darüber, daß Alles was er thue von seinen Verleumdern entstellt und daß die wichtigsten Beschlüsse in Bezug auf das von ihm verwaltete Land Wochen lang bevor man dem Lordstatthalter nur eine Andeutung davon gegeben habe, in Westminster gefaßt, öffentlich bekannt gemacht, in den Kaffeehäusern besprochen und in hunderten von Privatbriefen mitgetheilt würden. Sein persönliches Ansehen, sagte er, komme dabei wenig in Betracht, aber es sei keine Kleinigkeit, wenn der Vertreter der Majestät des Thrones zum Gegenstande der Verachtung des Volks gemacht werde.[170]
[170.] Clarendon an Rochester und Sunderland, 2. März 1685/86, und an Rochester, 14. März.
Schrecken unter den Colonisten. [Ein] panischer Schrecken verbreitete sich wie ein Lauffeuer unter den englischen Ansiedlern, als sie sahen, daß der Vicekönig, ihr Landsmann und protestantischer Glaubensbruder, nicht im Stande war, ihnen den Schutz zu gewähren, den sie von ihm erwartet hatten. Sie lernten durch eigene bittere Erfahrung, was es heißt, eine unterjochte Kaste zu sein. Die Eingebornen überhäuften sie mit Anklagen auf Hochverrath und Aufruhr. Der eine Protestant hatte mit Monmouth correspondirt, der andre hatte vor vier oder fünf Jahren einmal, als die Ausschließungsbill berathen wurde, sich unehrerbietig über den König geäußert, und das Zeugniß ehrloser Menschen war zur Erhärtung jeder derartigen Beschuldigung stets bei der Hand. Der Lordlieutenant sprach die Befürchtung aus, daß, wenn dieses Treiben nicht aufhöre, in Dublin bald eine ganz ähnliche Schreckensherrschaft bestehen werde, wie er sie in London erlebt habe, als Jedermanns Kopf und Ehre in der Gewalt eines Oates und Bedloe waren.[171]
Bald darauf wurde Clarendon durch eine kurze und bündige Depesche von Sunderland in Kenntniß gesetzt, daß eine unverzüglich vorzunehmende vollständige Umänderung in der Civil- und Militairverwaltung Irlands beschlossen worden sei und daß eine große Anzahl römischer Katholiken sofort im Staatsdienste angestellt werden sollten. Seine Majestät, wurde höchst ungnädig hinzugesetzt, habe sich in dieser Angelegenheit mit Männern besprochen, welche competentere Rathgeber seien, als sein unerfahrener Lordlieutenant es füglich sein könne.[172]