Schon bevor dieses Schreiben dem Vicekönig zukam, war die darin enthaltene Nachricht auf verschiedenen Wegen nach Irland gelangt. Der Schrecken der Ansiedler war unbeschreiblich. In Folge der bedeutenden Übermacht der eingebornen Bevölkerung mußte ihre Lage in der That sehr traurig werden, wenn jene mit der ganzen Staatsgewalt gegen sie bewaffnet wurde, und nichts Geringeres drohte ihnen. Die englischen Bewohner Dublins gingen mit niedergeschlagenem Blicke auf den Straßen aneinander vorüber; die Börsengeschäfte geriethen ins Stocken, die Grundeigenthümer beeilten sich, ihre Besitzungen um jeden Preis zu verkaufen und den Erlös nach England zu schicken; die Kaufleute begannen ihre Außenstände einzuziehen und Anstalten zur Liquidation ihrer Geschäfte zu treffen. Der Schrecken äußerte bald seine Wirkung auf die Staatseinkünfte.[173] Clarendon bemühte sich, den geängstigten Ansiedlern ein Vertrauen einzuflößen, von dem er selbst weit entfernt war. Er versicherte sie, daß ihr Eigenthum nicht angetastet werden solle, und daß er bestimmt wisse, der König sei fest entschlossen, die Ansiedelungsacte, welche ihre Rechte auf den Grund und Boden gewährleistete, aufrecht zu erhalten, seine Briefe nach England aber lauteten ganz anders. Er wagte es sogar, mit dem Könige zu rechten, und ohne die Absicht Seiner Majestät, Katholiken anzustellen, geradezu zu tadeln, sprach er doch die entschiedene Ansicht aus, daß die anzustellenden Katholiken wenigstens Engländer sein müßten.[174]
Jakob’s Antwort war in einem trocknen und kalten Tone gehalten. Er erklärte, daß es nicht seine Absicht sei, die englischen Ansiedler ihres Grundeigenthums zu berauben, daß er aber einen großen Theil derselben als seine Feinde betrachte und daß, wenn er so bedeutenden Grundbesitz in den Händen seiner Freunde lasse, es um so nöthiger sei, die Civil- und Militairverwaltung in die Hände von Freunden zu legen.[175]
Demgemäß wurden mehrere römische Katholiken als Mitglieder des Geheimen Raths vereidigt und den Corporationen Befehl gegeben, die Katholiken zu städtischen Ämtern zuzulassen.[176] Viele Offiziere von der Armee wurden willkürlich ihrer Posten und dadurch ihres Brodes beraubt. Umsonst verwendete sich der Lordlieutenant für einige von ihnen, die er als gute Soldaten und loyale Unterthanen kannte. Es befanden sich alte Kavaliere darunter, welche tapfer für die Monarchie gefochten und noch die Narben ehrenvoller Wunden an sich trugen. Ihre Stellen wurden mit Männern besetzt, die keine andre Empfehlung hatten, als ihre Religion. Man sagte, daß einige von den neuen Hauptleuten und Lieutenants Kuhhirten, andere Bedienten, noch andere berüchtigte Räuber gewesen seien. Mehrere waren so sehr an die Holzschuhe gewöhnt, daß sie in ihren militairischen Reiterstiefeln gar possierlich einherstolperten und watschelten. Nicht wenige von den verabschiedeten Offizieren traten in holländische Dienste und hatten vier Jahre später das Vergnügen, ihre Nachfolger in schimpflicher Flucht vor sich her durch die Fluthen des Boyne zu treiben.[177]
Clarendon’s Verlegenheit und Angst wurde noch vermehrt durch Nachrichten, die er auf Privatwegen erhielt. Ohne seine Zustimmung und ohne sein Vorwissen wurde Anstalt getroffen, die ganze celtische Bevölkerung des Landes, dessen Statthalter er dem Namen nach war, zu bewaffnen und einzuüben. Tyrconnel leitete von London aus die Operation und die Prälaten seiner Kirche waren seine Agenten. Jeder Priester war angewiesen, ein genaues Verzeichniß aller seiner waffenfähigen männlichen Pfarrkinder anzufertigen und seinem Bischofe zu übersenden.[178]
Schon hatte sich das Gerücht verbreitet, Tyrconnel werde bald mit außerordentlichen und selbstständigen Vollmachten ausgerüstet nach Dublin zurückkehren, und dieses Gerücht gewann täglich an Bestand. Der Lordlieutenant, den keine Demüthigung dazu bewegen konnte, den Pomp und die Einkünfte seiner Stelle aufzugeben, erklärte, daß er sich freudig dem königlichen Willen fügen und sich in allen Dingen als ein treuer und gehorsamer Unterthan erweisen werde. Er sagte, er habe nie in seinem Leben mit Tyrconnel Streit gehabt und er hoffe zuversichtlich, daß er sich auch in Zukunft nicht mit ihm veruneinigen werde.[179] Clarendon schien ganz vergessen zu haben, daß einmal ein Complot gegen den Ruf seiner unschuldigen Schwester im Gange gewesen war und daß Tyrconnel an diesem Complot sehr starken Antheil gehabt hatte. Eine solche Beleidigung gehört gewiß nicht zu denen, welche Männer von Ehrgefühl am leichtesten verzeihen. Aber an dem verderbten Hofe, an welchem die Hyde so lange ihr Glück gemacht hatten, wurden derartige Beleidigungen gern vergeben und vergessen, nicht aus Großmuth oder Nächstenliebe, sondern aus reiner Characterlosigkeit und Mangel an Sittlichkeitsgefühl.
[171.] Clarendon an Sunderland, 26. Febr. 1685/86.
[172.] Sunderland an Clarendon, 11. März 1685/86.
[173.] Clarendon an Rochester, 14. März; 1685/86.
[174.] Clarendon an Jakob, 4. März 1685/86.
[175.] Jakob an Clarendon, 6. April 1686.