[176.] Sunderland an Clarendon, 22. Mai 1686; Clarendon an Ormond, 30 Mai; Clarendon an Sunderland, 6 u. 11. Juli.

[177.] Clarendon an Rochester und Sunderland, 1. Juni 1686; an Rochester, 12. Juni; King’s State of the Protestants of Ireland, chap. II. sec. 6, 7; Apology for the Protestants of Ireland, 1689.

[178.] Clarendon an Rochester, 15. Mai 1686.

[179.] Clarendon an Rochester, 11. Mai 1686.

Tyrconnel’s Ankunft in Dublin als General. [Im] Juni 1686 kam Tyrconnel an. Seine Vollmacht autorisirte ihn nur zur Übernahme des militairischen Kommandos, aber er brachte königliche Instructionen mit, welche alle Zweige der Verwaltung berührten, und er nahm ohne Weiteres die wirkliche Regierung der Insel in seine Hand. Am Tage nach seiner Ankunft erklärte er gerade zu, daß eine große Anzahl Katholiken als Offiziere angestellt und daß ihnen durch Entlassung von mehr Protestanten Platz gemacht werden müsse. Er betrieb die Reorganisation der Armee mit rastlosem Eifer. Dies war auch in der That die einzige Oberbefehls­haber­function, der er gewachsen war, denn er besaß wohl Muth in Händeln und Zweikämpfen, aber vom eigentlichen Militairdienste verstand er nichts. Sogleich bei der ersten Musterung, die er hielt, sahen Alle, die sich in seiner Nähe befanden, deutlich, daß er nicht wußte, wie man ein Regiment aufmarschiren ließ.[180]

[180.] Clarendon an Rochester, 11. Mai 1686.

Seine Parteilichkeit und Willkür. [Engländer] auszumerzen und Irländer an deren Stelle zu setzen, dies war nach seiner Ansicht der Anfang und das Ende aller Militairverwaltung. Er hatte die Frechheit, sogar den Hauptmann der Leibgarde des Lordlieutenants zu verabschieden, was Clarendon erst erfuhr, als er einen ihm völlig unbekannten Katholiken neben seinem Staatswagen reiten sah.[181] Die Veränderung beschränkte sich nicht allein auf die Offiziere, auch die Reihen der Soldaten wurden völlig aufgelöst und neu zusammengesetzt. Aus einem einzigen Regimente wurden vier- bis fünfhundert Soldaten hauptsächlich aus dem Grunde verabschiedet, weil sie das erforderliche Maß nicht hatten. Aber das ungeübteste Auge sah auf den ersten Blick, daß die Leute größer und besser gebaut waren, als ihre Nachfolger, deren wildes und unsauberes Aussehen den Beschauer anekelte.[182] Die neuen Offiziere erhielten Befehl, keinen Mann protestantischen Glaubens in die Armee aufzunehmen; anstatt daß die Werbecommandos nach altem Brauche auf die Messen und Märkte zogen, um Freiwillige herbeizutrommeln, suchten sie jetzt die Orte auf, wohin die römischen Katholiken zu Andachtszwecken wallfahrteten. Binnen wenigen Wochen hatte der General mehr als zweitausend Eingeborene in die Reihen des Heeres aufgenommen, und seine Umgebungen versicherten mit Bestimmtheit, daß zu Weihnachten nicht ein einziger Mann englischer Abkunft mehr in der ganzen Armee zu finden sein werde.[183]

Bei allen Fragen, welche im Geheimen Rathe zur Verhandlung kamen, zeigte Tyrconnel die nämliche Willkür und Parteilichkeit. Johann Keating, Oberrichter der Common Pleas, ein Mann, der sich durch Tüchtigkeit, Rechtschaffenheit und Loyalität auszeichnete, stellte mit großer Milde vor, daß der General billigerweise für seine Kirche nicht mehr verlangen könne, als vollkommene Gleichstellung. Es sei gewiß nur des Königs Wille, sagte er, daß kein des öffentlichen Vertrauens würdiger Mann deshalb ausgeschlossen werden solle, weil er ein römischer Katholik sei, und daß kein des Vertrauens Unwürdiger deshalb angestellt werden solle, weil er ein Protestant sei. Tyrconnel begann alsbald zu fluchen und zu schwören. „Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll“, rief er aus; „ich möchte alle Katholiken herein haben.“[184] Die verständigeren Irländer seines eigenen Glaubens waren entrüstet über seine rücksichtslose Heftigkeit und wagten es, ihm Vorstellungen zu machen; aber er gebot ihnen mit Verwünschungen Schweigen.[185] Seine Brutalität war so groß, daß Viele ihn für wahnsinnig hielten. Sie war indessen noch nicht so auffallend, als die schamlose Zungenfertigkeit, mit der er Lügen aussprach. Schon lange zuvor hatte er sich den Spottnamen des „Lügners Dick Talbot“ zugezogen und selbst in Whitehall wurde jede abgeschmackte Lüge eine von Dick Talbot’s Wahrheiten genannt. Jetzt bewies er täglich, daß er diesen nicht beneidenswerthen Ruf wohl verdiente. Das Lügen war bei ihm in der That fast eine Krankheit. Nachdem er den Befehl zur Entlassung englischer Offiziere gegeben, war er im Stande, sie in sein Kabinet zu rufen, sie seines Vertrauens und seiner Freundschaft zu versichern und den Himmel anzurufen, daß er ihn vernichten und zerschmettern möge, wenn er nicht aufs Beste für ihr Wohl sorgen sollte. Oft erfuhren Diejenigen, denen er auf solche Weise seine Gunst zugeschworen hatte, noch vor dem Abende, daß sie entlassen waren.[186]

[181.] Secret Consults of the Romish Party in Ireland.

[182.] Clarendon an Rochester, 26. Juni und 4. Juli 1686; Apology for the Protestants of Irland, 1689.