[183.] Clarendon an Rochester, 4. u. 22. Juli 1686; an Sunderland, 6. Juli; an den König, 14. Aug.
[184.] Clarendon an Rochester, 19. Juni 1686.
[185.] Clarendon an Rochester, 22. Juni 1686.
[186.] Sheridan-Handschr.; King’s State of the Protestants of Ireland, III. 3. 8. Ein schlagendes Beispiel von Tyrconnel’s schamloser Lügenhaftigkeit findet sich in dem Briefe Clarendon’s an Rochester vom 22. Juli 1686.
Er sucht die Ansiedlungsacte aufzuheben. [Bei] seiner Ankunft versicherte er, obgleich er auf die Ansiedlungsacte entsetzlich fluchte und das englische Interesse ein abscheuliches, ein schuftiges, ein verfluchtes Ding nannte, dennoch überzeugt zu sein, daß die Vertheilung des Grundeigenthums nach so langen Jahren nicht mehr abgeändert werden könne.[187] Als er jedoch einige Wochen in Dublin war, zog er andere Saiten auf. Er begann am Rathstische heftige Reden zu halten über die Nothwendigkeit, das Land den früheren Eigenthümern zurückzugeben. Bis jetzt hatte er jedoch noch nicht die Zustimmung seines Gebieters zu diesem unheilvollen Plane erlangt. Das Nationalgefühl hatte in Jakob’s Gemüth noch einen schwachen Kampf gegen den Aberglauben zu bestehen. Er war ein Engländer und ein englischer König und er konnte nicht ohne einige schlimme Ahnungen in die Zerstörung der größten Colonie willigen, die England jemals angelegt hatte. Die englischen Katholiken, die er zu Rathe zu ziehen pflegte, waren fast einhellig für die Aufrechthaltung der Ansiedlungsacte. Nicht nur der rechtschaffene und gemäßigte Powis, sondern selbst der ausschweifende und starrsinnige Dover gaben verständigen und patriotischen Rath.
[187.] Clarendon an Rochester, 8. Juni 1686.
Er kehrt nach England zurück. [Tyrconnel] durfte kaum hoffen, von ferne den Eindruck zu neutralisiren, den solche Rathschläge nothwendig auf den König machen mußten. Er beschloß daher, die Sache seiner Kaste persönlich zu verfechten, und kehrte deshalb Ende August nach England zurück.
Der Lordlieutenant fürchtete seine Abwesenheit eben so sehr als seine Anwesenheit. Es war allerdings peinlich, Tag für Tag die gerunzelte Stirn eines Feindes vor Augen zu haben; nicht minder quälend aber war das Bewußtsein, daß ein Feind täglich dem Könige Verleumdungen und bösen Rath zuflüsterte. Clarendon ward durch mannichfache Kränkungen zu Boden gedrückt. Er machte eine Rundreise durch das Land und mußte sehen, daß die irische Bevölkerung ihn allenthalben mit Verachtung behandelte. Die katholischen Priester ermahnten ihre Gemeinden, ihm keine Ehrenbezeigungen zu erweisen; die eingeborne Gentry blieb zu Hause, anstatt ihm entgegenzukommen und ihre Achtung zu bezeigen, und das eingeborne Landvolk sang überall ersische Lieder zum Lobe Tyrconnels, der, wie sie nicht zweifelten, bald wieder erscheinen werde, um die Demüthigung ihrer Unterdrücker zu vervollständigen.[188]
[188.] Clarendon an Rochester, 23. Sept. und 2. Oct. 1686; Secret Consults of the Romish Party in Ireland, 1690.
Der König ist unzufrieden mit Clarendon. [Der] Vicekönig war von seiner unerfreulichen Reise kaum wieder in Dublin angekommen, so erhielt er Briefe, die ihm ankündigten, daß er sich das ernste Mißfallen des Königs zugezogen habe. Seine Majestät, hieß es in den Briefen, erwarte von seinen Dienern, daß sie seinen Befehlen nicht blos nachkämen, sondern daß sie denselben aus voller Seele und mit heiterer Miene gehorchten. Der Lordlieutenant habe sich zwar nicht geweigert, bei der Reform des Heeres und der Civilverwaltung mitzuwirken, aber seine Mitwirkung sei gezwungen und lässig gewesen, seine Blicke hätten seine Gedanken verrathen und Jedermann habe gesehen, daß er die Politik mißbillige, zu deren Ausführung er verwendet werde.[189] In großer Angst schrieb er einen Brief, um sich zu vertheidigen; allein es wurde ihm kalt darauf erwiedert, daß seine Vertheidigung ungenügend sei. Er erklärte nun in den demüthigsten Ausdrücken, daß er es nicht versuchen wolle, sich zu rechtfertigen, daß er mit jedem Urtheile des Königs, wie es auch ausfallen möge, zufrieden sein werde, daß er sich in den Staub werfe und um Verzeihung bitte, daß er der aufrichtigste aller reuigen Sünder sei, daß er es als seinen höchsten Ruhm betrachte, für seinen Herrn und König zu sterben, daß es ihm aber unmöglich sei, unter der Ungnade seines Fürsten zu leben. Dies war auch keineswegs bloße eigennützige Heuchelei, sondern, wenigstens zum Theil, unverstellter Sklavensinn und feige Angst, denn in vertraulichen Briefen, welche nicht für das Auge des Königs bestimmt waren, jammerte er gegen seine Familie ganz in dem nämlichen Tone. Er sei unglücklich, er sei wie vernichtet, der Zorn des Königs sei ihm unerträglich, und wenn dieser Zorn sich nicht beschwichtigen lasse, habe das Leben keinen Werth mehr für ihn.[190] Die Angst des armen Mannes nahm noch zu, als er erfuhr, daß man in Whitehall beschlossen habe, ihn zurückzurufen und seinen Nebenbuhler und Verleumder Tyrconnel zu seinem Nachfolger zu ernennen.[191] Dann schien sich der Horizont wieder auf einen Augenblick aufzuhellen, der König war in besserer Laune und Clarendon schmeichelte sich einige Tage mit der Hoffnung, daß die Fürsprache seines Bruders den erwünschten Erfolg gehabt habe, und daß die Krisis vorüber sei.[192]