[189.] Clarendon an Rochester, 6. Oct. 1686.

[190.] Clarendon an den König und an Rochester, 23. Oct. 1686.

[191.] Clarendon an Rochester, 29. u. 30. Oct, 1686.

[192.] Clarendon an Rochester, 27. Nov. 1686.

Angriff der jesuitischen Cabale gegen Rochester. [In] Wirklichkeit aber hatte die Krisis erst begonnen. Während Clarendon sich an Rochester zu lehnen versuchte, war dieser selbst schon nicht mehr im Stande, sich noch länger zu halten. Wie in Irland der ältere Bruder, obgleich er seine Ehrengarde, seinen Staatsdegen und den Titel Excellenz behielt, thatsächlich durch den Befehlshaber der Armee verdrängt war, so sank in England der jüngere Bruder, obgleich er seinen weißen Stab behielt und kraft seines hohen Amtes den Vorrang vor dem höchsten Erbadel hatte, rasch zu einem bloßen Finanzsekretär herab. Das Parlament wurde abermals im Widerspruch mit den wohlbekannten Wünschen des Schatzmeisters auf einen entfernten Termin prorogirt. Man benachrichtigte ihn nicht einmal davon, daß eine neue Prorogation stattfinden solle, sondern überließ es ihm, die Neuigkeit aus der Gazette zu erfahren. Die wirkliche Leitung der Regierungs­angelegen­heiten war in die Hände der Cabale übergegangen, welche Freitags bei Sunderland speiste. Das Kabinet versammelte sich nur, um die von auswärtigen Höfen eingegangenen Depeschen vorlesen zu hören, und diese Depeschen enthielten nichts, was man nicht schon an der Börse gewußt hätte, denn alle englischen Gesandten hatten Befehl erhalten, in ihre officiellen Schreiben nur das gewöhnliche Vorzimmergeklatsch aufzunehmen, wichtige Geheimnisse aber für Privatmittheilungen aufzusparen, welche an Jakob selbst, oder an Sunderland oder an Petre gerichtet werden mußten.[193] Die siegende Partei war indessen noch immer nicht zufrieden. Diejenigen, denen der König das meiste Vertrauen schenkte, versicherten ihn, daß die Hartnäckigkeit, mit der die Nation sich seinen Plänen widersetze, lediglich Rochester zur Last falle. Wie könne das Volk glauben, daß sein Fürst unerschütterlich fest entschlossen sei, auf dem eingeschlagenen Wege fortzuschreiten, wenn es zu seiner Rechten einen Mann erblicke, der anscheinend in Macht und Vertrauen der Erste unter seinen Räthen sei und doch anerkanntermaßen diesen Weg entschieden mißbillige? Jedem Schritte, der zu dem Zwecke gethan worden sei, die anglikanische Kirche herabzusetzen und die römische Kirche zu erheben, habe sich der Schatzmeister widersetzt. Allerdings habe er, wenn er die Nutzlosigkeit seines Widerstandes eingesehen, sich mit Unmuth gefügt und zuweilen sogar bei der Ausführung der Pläne, gegen die er am eifrigsten gekämpft, hülfreiche Hand geleistet; allerdings habe er sich, obgleich ihm die kirchliche Commission zuwider gewesen sei, dazu verstanden, eine Stelle in derselben anzunehmen; allerdings habe er, nachdem er erklärt, daß er in dem Benehmen des Bischofs von London nichts Tadelnswerthes finden könne, mit Verdruß und Widerstreben für seine Absetzung gestimmt. Aber dies sei nicht genug. Ein Fürst, der ein so wichtiges und schwieriges Unternehmen durchzuführen habe, wie das von Jakob begonnene sei, habe das Recht, von seinem ersten Minister nicht blos eine unwillige und mürrische Zustimmung, sondern eine eifrige und kräftige Mitwirkung zu erwarten. Während dem König täglich solcher Rath von Denen ertheilt wurde, in die er das meiste Vertrauen setzte, erhielt er zu gleicher Zeit durch die Pennypost eine Menge anonyme Briefe, welche von Verleumdungen gegen den Lordschatzmeister strotzten. — Dieses Angriffssystem war von Tyrconnel erfunden und stand in vollkommenem Einklange mit jedem Theile seines ehrlosen Wandels.[194]

Der König war unschlüssig. Er scheint wirklich zu seinem Schwager eine aufrichtige persönliche Zuneigung, die Folge naher Verwandtschaft, langjährigen vertraulichen Umgangs und vieler gegenseitiger Gefälligkeiten, gehegt zu haben, und es ließ sich daher mit Wahrscheinlichkeit annehmen, daß Rochester, so lange er sich, wenn auch zögernd und murrend, dem königlichen Willen fügte, dem Namen nach Premierminister bleiben werde. Sunderland gab daher mit raffinirter Schlauheit seinem Gebieter zu verstehen, daß es zweckmäßig sein dürfte, von Rochester den einzigen Beweis von Gehorsam zu verlangen, den er — dies war so gut als gewiß — niemals geben würde. Gegenwärtig — so lautete die Sprache des listigen Staatssekretärs — sei es unmöglich, mit dem ersten Diener des Königs über den Gegenstand zu sprechen, der Seiner Majestät am meisten am Herzen liege. Es sei traurig, sich sagen zu müssen, daß in einer so wichtigen Krisis religiöse Vorurtheile die Regierung einer so werthvollen Stütze beraubten. Vielleicht würden sich diese Vorurtheile nicht als unüberwindlich erweisen. Dann deutete der Verführer an, daß seines Wissens Rochester unlängst einige Bedenken über die zwischen den Protestanten und Katholiken obschwebenden Streitpunkte geäußert habe.[195]

[193.] Barillon, 13.(23.) Sept. 1686; Clarke’s Life of James the Second, II. 99.

[194.] Sheridan-Handschr.

[195.] Clarke’s Life of James the Second, II. 100.

Jakob’s Versuche, Rochester zu bekehren. [Dies] war genug. Der König griff den Wink begierig auf und begann sich mit der Hoffnung zu schmeicheln, daß er vielleicht nicht nur der unangenehmen Nothwendigkeit überhoben werden würde, einen Freund von sich zu entfernen, sondern sich sogar einen geschickten Gehilfen zur Ausführung des unternommenen großen Werkes sichern könnte. Nebenbei erhob ihn auch der Gedanke an das Verdienst und den Ruhm, einen Mitmenschen vom Verderben zu retten. Er scheint in der That um diese Zeit einen ganz besonders heftigen Anfall von religiösem Eifer gehabt zu haben, und dies ist um so auffallender, da er eben erst nach einer kurzen Pause der Selbstbeherrschung in Ausschweifungen zurückverfallen war, welche alle christlichen Theologen als sündhaft verwerfen und die bei einem schon bejahrten Manne, der eine liebenswürdige junge Gattin hat, selbst von weltlich gesinnten Menschen unschicklich genannt werden. Lady Dorchester war von Dublin zurückgekommen und war wieder die Maitresse des Königs. Eine politische Bedeutung hatte ihre Rückkehr nicht. Die Erfahrung hatte sie von der Nutzlosigkeit des Versuchs überzeugt, ihren Geliebten von dem Verderben zu retten, in das er sich kopfüber stürzte. Sie überließ daher seine politische Leitung den Jesuiten und diese gestatteten ihr dagegen, daß sie dem Könige Geld ablockte. Übrigens war sie nur eine von mehreren leichtfertigen Frauen, welche damals mit seiner geliebten Kirche die Herrschaft über ihn theilten.[196] Er schien beschlossen zu haben, die Vernachlässigung seines eignen Seelenheils durch Sorge für die Seelen Anderer einigermaßen wieder gut zu machen. Daher ging er mit wirklichem guten Willen, aber mit dem guten Willen eines harten, strengen und gebieterischen Characters an das Werk seinen Schwager zu bekehren. Jede dem Schatzmeister gewährte Audienz wurde mit Abhandlungen über die Autorität der Kirche und über den Bilderdienst ausgefüllt. Rochester hatte sich vorgenommen, seinem Glauben nicht untreu zu werden; aber er trug kein Bedenken, sich zu seiner Selbstvertheidigung eben so schimpflicher Kunstgriffe zu bedienen, als sie gegen ihn angewendet wurden. Er bemühte sich wie ein Mann zu sprechen, der noch nicht mit sich im Klaren ist, sagte daß er nichts mehr wünsche, als eines Besseren belehrt zu werden, wenn er sich irren sollte, las papistische Bücher und hörte papistische Theologen bereitwillig an. Er hatte verschiedene Unterredungen mit Leyburn, dem apostolischen Vikar, mit Godden, dem Kaplan und Almosenier der Königin Wittwe und mit Bonaventura Giffard, einem in den Schulen von Douay für die Polemik gebildeten Theologen. Es wurde verabredet, daß eine förmliche Disputation zwischen diesen Gelehrten und einigen protestantischen Geistlichen stattfinden solle. Der König forderte Rochester auf, beliebige Theologen der Staatskirche zu wählen, nur mit zwei Ausnahmen: Diese waren Tillotson und Stillingfleet. Tillotson, der populärste Prediger der damaligen Zeit und von Character der harmloseste Mensch, hatte mit einigen Whigführern in vertrautem Umgange gestanden, und Stillingfleet, der als ein vollendeter Meister in allen Waffen der Polemik bekannt war, hatte sich durch Herausgabe einer Entgegnung auf die in der Cassette Karl’s II. gefundenen Papiere noch mißliebiger gemacht. Rochester wählte die beiden königlichen Kaplane, welche gerade den Dienst hatten. Der eine von ihnen war Simon Patrick, dessen Bibelerklärungen noch jetzt in keiner theologischen Bibliothek fehlen dürfen; der andre war Jane, ein heftiger Tory, einer von den Verfassern des Beschlusses, durch welchen die Universität Oxford die schlimmsten Thorheiten Filmer’s feierlich in sich aufgenommen hatte. Die Disputation fand am dreizehnten November in Whitehall statt. Rochester, der es nicht bekannt werden lassen wollte, daß er eingewilligt habe, die Argumente der papistischen Priester auch nur anzuhören, bedang sich Geheimhaltung aus. Es sollte kein Zuhörer weiter anwesend sein als der König. Der Gegenstand der Disputation war die wirkliche Anwesenheit Christi beim Abendmahle. Die römisch-katholischen Theologen übernahmen die Last der Beweisführung. Patrick und Jane sprachen wenig; auch hatten sie gar nicht nöthig viel zu sagen, denn der Earl unternahm es selbst die Lehre seiner Kirche zu vertheidigen und er wurde seiner Gewohnheit nach bald warm, verlor seine Ruhe und fragte mit großer Heftigkeit, ob man etwa hoffe, daß er auf so unhaltbare Gründe hin, seinen Glauben wechseln werde. Dann fiel ihm aber ein, was er riskirte; er fing wieder an sich zu verstellen, jagte den Disputanten Schmeicheleien über ihre Gewandtheit und Gelehrsamkeit und verlangte Zeit, um das Gesagte zu überlegen.[197]