Bis zur Regierung Karl’s II. waren unsere Münzen vermittelst eines Verfahrens geschlagen worden, das noch aus dem 13. Jahrhunderte stammte. Eduard I. hatte geschickte Künstler aus Florenz kommen lassen, das zu seiner Zeit London gegenüber das war, was zur Zeit Wilhelm’s III. London Moskau gegenüber war. Die Instrumente, welche damals in unsrer Münze eingeführt worden waren, blieben, mit unbedeutenden Abänderungen, noch mehrere Generationen hindurch in Gebrauch. Das Metall wurde mit der Scheere zerschnitten und dann geformt und mit dem Hammer geprägt. Bei diesen Operationen war der Hand und dem Auge des Arbeiters viel überlassen. Es kam ganz natürlich vor, daß manche Stücke etwas mehr, andere etwas weniger als die gehörige Quantität Silber enthielten; nur selten waren sie vollkommen rund; und die Ränder waren nicht markirt. Man kam daher mit der Zeit dahinter, daß das Beschneiden des Geldes eine der leichtesten und einträglichsten Arten des Betrugs war. Unter der Regierung Elisabeth’s war es für nöthig erachtet worden zu verordnen, daß die Geldbeschneider, wie dies bei den Falschmünzern schon längst der Fall war, den auf den Hochverrath gesetzten Strafen unterworfen sein sollten.[72] Doch das Geldbeschneiden war ein zu einträgliches Geschäft, als daß es durch solche Maßregeln hätte verhindert werden können, und um die Zeit der Restauration begannen die Leute gewahr zu werden, daß ein großer Theil der coursirenden Kronen, halben Kronen und Schillinge eine kleine Verstümmelung erfahren hatten.
Die damalige Zeit war fruchtbar an Versuchen und Erfindungen in allen Zweigen der Wissenschaft. Es wurde eine große Verbesserung im Formen und Prägen der Münzen vorgeschlagen und im Tower von London ein Prägewerk aufgestellt, das in großem Umfange die menschliche Hand ersetzte. Dieses Werk wurde durch Pferde getrieben und würde von den Mechanikern unsrer Zeit wahrscheinlich eine rohe und schwache Maschine genannt werden. Die Münzen, die es lieferte, gehörten jedoch zu den besten in Europa. Sie waren nicht leicht nachzumachen, und da sie vollkommen rund und auf dem Rande mit einer Umschrift versehen waren, so war auch kein Beschneiden zu fürchten.[73]
Die gehämmerten Münzen und die geprägten Münzen coursirten nun zusammen, und sie wurden bei öffentlichen und folglich auch bei Privatzahlungen, ohne Unterschied genommen. Die damaligen Finanzmänner scheinen erwartet zu haben, daß das neue Geld, welches vortrefflich war, das alte schlechte bald verdrängen werde. Jeder Mensch mit gesundem Verstande hätte jedoch einsehen müssen, daß, wenn der Staat vollwichtige Münzen und zu leichte Münzen als gleich im Werthe behandelt, nicht die vollwichtigen Münzen die zu leichten aus dem Verkehr verdrängen werden, sondern ihrerseits verdrängt werden müssen. Eine beschnittene Krone galt auf englischem Gebiet bei Bezahlung einer Steuer oder einer Schuld ebensoviel als eine geprägte Krone. Sobald aber die geprägte Krone in den Schmelztiegel geworfen oder über den Kanal gebracht war, wurde sie viel werthvoller als eine beschnittene Krone. Man hätte daher so zuversichtlich voraussagen können, wie nur irgend etwas sich voraussagen läßt, was von menschlichem Willen abhängt, daß die geringeren Geldstücke auf dem einzigen Markte bleiben würden, auf dem sie den nämlichen Preis erlangen konnten wie die besseren Stücke, und daß die besseren eine Form annehmen oder an einen Ort eilen würden, wo aus ihrem höheren Werthe ein Gewinn zu ziehen war.[74]
Die Staatsmänner der damaligen Zeit übersahen jedoch in der Regel diese sehr naheliegenden Betrachtungen. Sie waren höchst erstaunt darüber, daß Jedermann so verkehrt sein sollte, sich lieber leichten Geldes als guten Geldes zu bedienen. Mit anderen Worten, sie wunderten sich, daß Niemand Lust hatte, zwölf Unzen Silber zu bezahlen, wenn zehn es auch thaten. Das Pferd im Tower ging noch immer im Kreise herum. Frische Wagenladungen guten Geldes gingen noch immer aus dem Prägewerke hervor und verschwanden noch immer eben so schnell als sie zum Vorschein kamen. Große Massen wurden eingeschmolzen, große Massen ausgeführt, große Massen zurückgelegt; aber kaum ein einziges neues Geldstück war in der Kasse eines Kaufladens oder in dem ledernen Beutel zu finden, den der Landwirth vom Viehmarkte mit nach Hause nahm. Bei den Einnahmen und Ausgaben der Schatzkammer überstieg der Betrag des geprägten Geldes nicht zehn Schilling auf hundert Pfund. Ein damaliger Schriftsteller erzählt einen Fall, wo ein Kaufmann in einer Summe von fünfunddreißig Pfund nur eine einzige halbe Krone geprägten Silbers empfing. Mittlerweile waren die Scheeren der Kipper in fortwährender Thätigkeit. Auch die Falschmünzer vermehrten sich und machten gute Geschäfte, denn je schlechter das Courantgeld wurde, um so leichter war es nachzumachen. Seit mehr als dreißig Jahren war dieses Uebel in stetem Wachsen begriffen. Anfangs hatte man es nicht beachtet; aber es war nach und nach ein unerträglicher Fluch für das Land geworden. Umsonst wurden die strengen Gesetze gegen Falschmünzer und Kipper mit Strenge gehandhabt. Bei jeder Session der Old Bailey wurden furchtbare Exempel statuirt. Schleifen mit vier, fünf, sechs Elenden, welche überführt waren, die Reichsmünzen nachgemacht oder verstümmelt zu haben, wurden jeden Monat Holborn Hill hinaufgezogen. An einem einzigen Morgen wurden sieben Männer und eine Frau wegen Geldbeschneidens verbrannt. Aber Alles war vergebens. Der Gewinn war so bedeutend, daß er gesetzlosen Menschen die Gefahr mehr als aufzuwiegen schien. Einige Kipper sollten großes Vermögen erworben haben. Einer insbesondere bot sechstausend Pfund für seine Begnadigung. Die Bestechungssumme wurde zwar nicht angenommen; aber der Ruf von seinem Reichthume verminderte sehr stark den Eindruck, den man durch das Schauspiel seiner Hinrichtung hervorzubringen bezweckte.[75] Ja die Härte der Strafen ermuthigte sogar zu dem Verbrechen. Denn so schädlich das Beschneiden war, erweckte es doch bei dem großen Haufen nicht einen solchen Abscheu, wie Mord, Brandstiftung, Raub, und selbst Diebstahl. Der Nachtheil, den die Gesammtheit der Kipper der ganzen Gesellschaft zufügte, war allerdings enorm; aber jeder einzelne Act des Beschneidens war eine Kleinigkeit. Eine halbe Krone auszugeben, nachdem man für einen Penny Silber davon abgeschnitten, erschien als ein geringfügiges, fast unmerkliches Vergehen. Selbst als die Nation am lautesten unter der Noth seufzte, welche der Zustand der Valuta erzeugte, hatte jeder Einzelne, der mit dem Tode bestraft wurde, weil er dazu beigetragen, die Valuta in diesen Zustand zu bringen, die allgemeine Theilnahme auf seiner Seite. Die Constabler wollten die Schuldigen nicht verhaften. Die Richter wollten sie nicht einsperren lassen. Die Zeugen wollten nicht die ganze Wahrheit sagen. Die Geschwornen wollten das Wort Schuldig nicht aussprechen. Umsonst sagte man dem Volke, daß die Verstümmler der Münzen weit mehr Unheil anrichteten als alle Straßenräuber und Diebe auf der ganzen Insel. Denn so groß auch die Gesammtmasse des Uebels war, auf den einzelnen Uebelthäter kam nur ein unendlich kleiner Theil dieses Uebels. Man hatte sich daher allgemein verschworen, den ordentlichen Gang des Gesetzes zu hemmen. So zahlreich auch die Verurtheilungen scheinen mochten, ihre Zahl war nur gering im Vergleich zu den Vergehen, und die verurtheilten Uebelthäter betrachteten sich als Gemordete und waren der festen Ueberzeugung, daß ihr Verbrechen, wenn es überhaupt ein Verbrechen war, eben so verzeihlich sei wie das eines Schulknaben, der sich im Garten des Nachbars einige Nüsse holt. Die ganze Beredtsamkeit des Gefängnißgeistlichen konnte sie nur selten dahin bringen, sich dem heilsamen Gebrauche anzubequemen, in ihren letzten Augenblicken die Größe ihrer Ruchlosigkeit anzuerkennen.[76]
Das Uebel verbreitete sich mit fortwährend zunehmender Schnelligkeit. Im Herbst des Jahres 1695 endlich konnte man kaum noch sagen, daß das Land zu praktischen Zwecken einen Maßstab für den Werth der Waaren besitze. Es ließ sich durchaus nicht mehr bestimmen, ob ein Geldstück, das ein Schilling genannt wurde, in Wirklichkeit ein Zehnpencestück oder ein Grot war. Das Resultat einiger Versuche, welche damals gemacht wurden, verdient erwähnt zu werden. Die Beamten der Schatzkammer wogen siebenundfunfzigtausendzweihundert Pfund geschlagenen Geldes, welche kürzlich eingegangen waren. Das Gewicht hätte eigentlich über zweihundertzwanzigtausend Unzen betragen sollen. Aber es betrug noch nicht hundertvierzehntausend Unzen.[77] Drei angesehene Londoner Goldschmiede wurden aufgefordert, jeder hundert Pfund Silbergeld einzuliefern, um es zu wiegen. Diese dreihundert Pfund hätten ungefähr zwölfhundert Unzen wiegen sollen. Es ergab sich aber, daß ihr wirkliches Gewicht nur sechshundertvierundzwanzig Unzen betrug. Die nämliche Prüfung wurde in verschiedenen Gegenden des Landes vorgenommen. Man überzeugte sich dadurch, daß hundert Pfund, welche etwa vierhundert Unzen hätten wiegen sollen, thatsächlich in Bristol zweihundertvierzig Unzen, in Cambridge zweihundertdrei, in Exeter einhundertachtzig, und in Oxford nur hundertsechzehn Unzen wogen.[78] Im Norden gab es allerdings noch einige Districte, in welche das beschnittene Geld erst angefangen hatte, seinen Weg zu finden. Ein ehrlicher Quäker, der in einem dieser Districte wohnte, erwähnt in einigen noch vorhandenen Notizen das Erstaunen, mit welchem auf einer seiner Reisen nach dem Süden die Kaufleute und Gastwirthe die großen und schweren Halbkronen anstarrten, mit denen er seine Bedürfnisse bezahlte. Sie fragten ihn, woher er komme und wo es solches Geld gebe. Die Guinee, für die er in Lancaster zweiundzwanzig Schillinge bezahlte, hatte auf jeder Station seiner Reise einen andren Werth. Als er nach London kam, kostete sie dreißig Schillinge und sie würde noch mehr gegolten haben, hätte nicht die Regierung diesen Preis als den höchsten festgesetzt, zu welchem das Gold bei Steuereinzahlungen genommen werden sollte.[79]
Die durch diesen Zustand des Courantgeldes erzeugten Uebel waren nicht von der Art, daß man sie für werth gehalten hätte, eine wichtige Stelle in der Geschichte einzunehmen. Es dürfte jedoch wohl zu bezweifeln sein, ob all’ das Elend, das in einem Vierteljahrhundert durch schlechte Könige, schlechte Minister, schlechte Parlamente und schlechte Richter über England gebracht worden war, dem Elende gleichkam, welches die schlechten Kronen und schlechten Schillinge in einem einzigen Jahre verursachten. Die Ereignisse, welche einer ergreifenden oder zornigen Beredtsamkeit den besten Stoff liefern, sind nicht immer diejenigen, welche das Wohl der großen Masse des Volks am meisten beeinträchtigen. Die schlechte Verwaltung Karl’s und Jakob’s, so arg sie auch immer gewesen sein mochte, hatte den gewöhnlichen Geschäftsverkehr nicht verhindert, seinen stetigen und gedeihlichen Fortgang zu nehmen. Während die Ehre und Unabhängigkeit des Staats an eine fremde Macht verkauft, während in wohlverbriefte Rechte eingegriffen und Grundgesetze verletzt wurden, arbeiteten und handelten Hunderttausende von ehrbaren und betriebsamen Familien, aßen und tranken und legten sich in Behaglichkeit und Sicherheit zur Ruhe nieder. Mochten Whigs oder Tories, Protestanten oder Jesuiten die Oberhand haben, der Landwirth trieb sein Vieh zu Markte, der Krämer wog seine Rosinen ab, der Tuchhändler schnitt seine Tuche aus, das Gewühl der Käufer und Verkäufer war so lebhaft als je in den Städten, das Erntefest wurde so fröhlich als je auf dem Lande gefeiert, der Rahm füllte die Krüge von Cheshire, der Aepfelsaft schäumte in den Pressen von Herefordshire, das Steingut glühte in den Oefen am Trent, und die Kohlenkarren rollten rasch über die hölzernen Schienenwege am Tyne. Als aber das große Tauschmittel in völlige Unordnung gerieth, war aller Handel und aller Gewerbfleiß wie gelähmt. Das Uebel wurde täglich und stündlich an fast jedem Orte und von fast jeder Klasse empfunden, in der Milchkammer und auf der Dreschtenne, am Amboß und am Webstuhl, auf den Wogen des Weltmeers und in den Tiefen der Bergwerke. Nichts konnte ohne Streit gekauft werden. An jedem Ladentisch gab es Zank und Hader vom Morgen bis zum Abend. Jeden Sonnabend stritt sich der Arbeiter regelmäßig mit dem Arbeitgeber. An einem Meß- oder Markttage hörten Geschrei, Vorwürfe, Schmähungen und Flüche nicht auf, und man konnte von Glück sagen, wenn es keine umgeworfenen Buden und keine blutigen Köpfe gab.[80] Kein Kaufmann wollte eine Waarenlieferung contrahiren, ohne wegen der Qualität der Münze, in der die Zahlung geleistet werden sollte, eine besondere Bestimmung zu treffen. Selbst Geschäftsmänner konnten sich aus der Verwirrung, die in allen Geldgeschäften herrschte, oft nicht herausfinden. Die Einfältigen und Sorglosen wurden von Wucherern, deren Anforderungen noch rascher wuchsen als das Geld zusammenschrumpfte, unbarmherzig geplündert. Der Preis der nothwendigsten Lebensbedürfnisse, der Fußbekleidung, des Biers, des Hafermehls, stieg in rascher Progression. Der Arbeiter fand, daß das Geldstück, das, wenn er es empfing, ein Schilling hieß, kaum noch einen Sixpence werth war, wenn er einen Krug Bier oder ein Laib Roggenbrot kaufen wollte. Wo Arbeiter von mehr als gewöhnlicher Intelligenz in großer Anzahl beisammen waren, da konnten sie ihren Beschwerden Gehör verschaffen und einige Abhülfe erlangen.[81] Der unwissende und hülflose Landmann aber wurde zwischen einer Klasse, die das Geld nur nach der Stückzahl ausgeben, und einer andren, die es nur nach dem Gewicht nehmen wollte, herzlos gedrückt. Doch seine Leiden waren schwerlich größer als die des unglücklichen Geschlechts der Autoren. Ueber die Art und Weise, wie unbekannte Schriftsteller behandelt wurden, können wir uns aus den noch vorhandenen Briefen von Dryden an seinen Buchhändler Tonson leicht eine Vorstellung bilden. Einmal schickt ihm Tonson vierzig Kupferschillinge, ungerechnet das beschnittene Geld. Ein andermal bezahlt er eine Schuld mit so schlechten Stücken, daß Niemand sie wiedernehmen will. Der große Dichter schickt sie alle zurück und verlangt anstatt ihrer Guineen zu neunundzwanzig Schilling das Stück: „Ich erwarte,” sagt er in einem Briefe, „gutes Silber, nicht solches, wie ich früher bekommen habe.” — „Wenn Sie etwas leidliches Silbergeld haben,” schreibt er in einem andren Briefe, „so wird meine Frau sich sehr freuen. An der letzten Zahlung von fünfzig Pfund habe ich dreißig Schilling oder noch mehr verloren.” Diese Klagen und Bitten, deren Erhaltung wir nur der hervorragenden Stellung des Schreibers derselben verdanken, sind wahrscheinlich nur eine kleine Probe von der Correspondenz, welche mehrere Monate lang alle Briefbeutel England’s füllte.
Eine Klasse befand sich inmitten der allgemeinen Noth außerordentlich wohl: die Bankiers, und unter ihnen konnte sich keiner in Bezug auf Geschicklichkeit oder Glück mit Karl Duncombe messen. Er war noch nicht viele Jahre früher ein Goldschmied von sehr mäßigem Vermögen gewesen. Auch er hatte wahrscheinlich, nach der Sitte seiner Berufsklasse, unter den Arkaden der Börse Kunden zu gewinnen gesucht, hatte die Kaufleute mit tiefen Verbeugungen begrüßt und um die Ehre gebeten, ihr baares Geld zu verwahren. Gegenwärtig aber benutzte er so geschickt jede Gelegenheit zu Gewinn, welche die allgemeine Verwirrung in den Preisen einem Geldwechsler darbot, daß er in dem Augenblicke, wo der Handel des Königreichs auf die niedrigste Stufe herabgedrückt war, gegen neunzigtausend Pfund für die Herrschaft Helmsley im Nordbezirk von Yorkshire bezahlte. Diese große Besitzung hatten die Gemeinen England’s in einer unruhigen Zeit ihrem siegreichen General Fairfax verliehen und sie hatte einen Theil des Heirathsgutes gebildet, das Fairfax’ Tochter dem glänzenden und verschwenderischen Buckingham zubrachte. Dorthin hatte sich Buckingham, nachdem er in toller sinnlicher wie geistiger Unmäßigkeit die herrlichsten Gaben der Natur und des Glückes vergeudet, mit den schwachen Ueberresten seines schönen Aeußern und seines glänzenden Geistes zurückgezogen, und dort hatte er sein buntbewegtes Leben unter dem bescheidenen Dache und auf dem einfachen Krankenlager beschlossen, welche der große Satyriker der folgenden Generation in unsterblichen Versen geschildert hat. Die große Herrschaft ging auf ein neues Geschlecht über, und binnen wenigen Jahren erhob sich ein glänzenderer und kostspieligerer Palast, als der prachtliebende Villiers ihn je bewohnt hatte, inmitten der schönen Wälder und Teiche, die er sein genannt hatte, und nahm den einst geringen Namen Duncombe an.
Seit der Revolution war der Zustand des Courantgeldes zu wiederholten Malen im Parlamente discutirt worden. Im Jahre 1689 war ein Ausschuß der Gemeinen ernannt worden, um den Gegenstand zu prüfen, hatte aber keinen Bericht erstattet. Im Jahre 1690 hatte ein neuer Ausschuß berichtet, daß ungeheure Quantitäten Silber von Juden, die für Geldgewinn Alles thäten, außer Landes geschafft würden. Es wurden Pläne entworfen, um die Einfuhr der edlen Metalle zu befördern und die Ausfuhr zu verhindern. Eine thörichte Bill nach der andren wurde eingebracht und fallen gelassen. Zu Anfang des Jahres 1695 endlich nahm die Sache ein so bedenkliches Aussehen an, daß die Häuser sie in ernste Erwägung zogen. Doch das einzige praktische Resultat ihrer Berathungen war ein neues Strafgesetz, von dem man hoffte, daß es dem Beschneiden des geschlagenen Geldes und dem Einschmelzen und Ausführen des geprägten Geldes Einhalt thun werde. Es wurde verordnet, daß Jeder, der einen Kipper denuncirte, Anspruch auf eine Belohnung von vierzig Pfund, und jeder Kipper, der zwei andere Kipper denuncirte, Anspruch auf Begnadigung haben, und daß Jeder, in dessen Besitz Silber-Feilspäne oder Abfälle gefunden würden, mit einem glühenden Eisen auf der Wange gebrandmarkt werden solle. Bestimmte Beamte wurden ermächtigt, nach ungemünztem Silber zu suchen. Wurde in einem Hause oder an Bord eines Schiffes ungemünztes Silber gefunden, so mußte der Eigenthümer den Beweis führen, daß es nicht von Reichsmünzen herrührte. Gelang es ihm nicht, den Ursprung jedes solchen Metallstücks in befriedigender Weise darzuthun, so verfiel er harten Strafen. Dieses Gesetz war, wie sich erwarten ließ, völlig wirkungslos. Während des nächstfolgenden Sommers und Herbstes verschwand das gute Geld immer mehr und mehr und der Nothschrei aus allen Grafschaften des Landes wurde lauter und dringender.
Zum Glück für England befanden sich unter seinen Staatsmännern einige, welche klar erkannten, daß der sinkende Gewerbfleiß und Handel nicht durch Strang und Brenneisen wieder gehoben werden könnten. Der Zustand des Metallgeldes beschäftigte seit einiger Zeit die ernste Aufmerksamkeit von vier durch öffentliche und private Bande eng mit einander verbundenen ausgezeichneten Männern. Zwei davon waren Staatsmänner, welche inmitten ihrer amtlichen und parlamentarischen Geschäfte niemals aufgehört hatten, die Wissenschaft zu lieben und zu verehren; die beiden anderen waren Philosophen, in denen die Gewohnheit des abstrakten Denkens den gesunden praktischen Verstand, ohne den in der Politik selbst das Genie Unheil anrichtet, nicht geschmälert hatte. Nie hatte es eine Gelegenheit gegeben, welche zugleich praktische und theoretische Befähigung dringender erfordert hätte, und nie hatte die Welt die glänzendsten praktischen und theoretischen Talente in einem so engen, so harmonischen und so ehrenwerthen Bunde vereinigt gesehen, wie er Somers und Montague mit Locke und Newton verknüpfte.