Zwei jakobitische Complots geschmiedet.

Der im vergangenen Frühjahr entworfene Mordplan war in Folge der Abreise Wilhelm’s nach dem Continent aufgegeben worden. Der im Sommer entworfene Insurrectionsplan war wegen Mangel an Beistand von Seiten Frankreich’s ebenfalls aufgegeben worden. Vor Ende des Herbstes aber wurden beide Pläne wieder aufgenommen. Wilhelm war nach England zurückgekehrt, und die Möglichkeit, sich seiner durch einen glücklichen Schuß oder Degenstoß zu entledigen, wurde wieder ernstlich discutirt. Die französischen Truppen hatten ihre Winterquartiere bezogen, und das Armeecorps, welches Charnock vergebens verlangt hatte, als der Kampf um Namur wüthete, konnte jetzt ohne Nachtheil entbehrt werden. Es wurde daher jetzt ein Complot geschmiedet, furchtbarer als irgend eines, das bisher den Thron und das Leben Wilhelm’s bedroht hatte, oder es wurden vielmehr, wie dies mehr als einmal in unsrer Geschichte vorgekommen ist, zwei Complots geschmiedet, eines in dem andren. Der Zweck des größeren Complots war ein offener Aufstand, ein Aufstand, der durch eine ausländische Armee unterstützt werden sollte. In dieses Complot waren fast alle angesehenen Jakobiten mehr oder weniger verwickelt. Einige häuften Waffen auf, andere kauften Pferde, noch andere entwarfen Listen von den Dienern und Untergebenen, auf die sie sich fest verlassen konnten. Die minder kriegerischen Mitglieder der Partei konnten wenigstens Humpen auf den König über dem Wasser leeren und durch bedeutungsvolles Achselzucken und Geflüster zu verstehen geben, daß er nicht lange mehr über dem Wasser sein werde. Es wurde allgemein bemerkt, daß die Unzufriedenen weiser als sonst aussahen, wenn sie nüchtern waren, und daß sie lauter als sonst schwatzten, wenn sie betrunken waren.[96] In das kleinere Complot, das die Ermordung Wilhelm’s zum Zweck hatte, waren nur einige wenige auserlesene Hochverräther eingeweiht.

Berwick’s Complot.

Jedes dieser beiden Complots stand unter der Leitung eines speciell dazu von Saint-Germains abgeschickten Führers. Die ehrenhaftere Sendung war Berwick anvertraut. Er war beauftragt, sich mit der jakobitischen Noblesse und Gentry in Vernehmen zu setzen, auszumitteln, welche Streitmacht sie ins Feld stellen konnten und einen Zeitpunkt für die Erhebung festzusetzen. Er war ermächtigt ihnen zu versichern, daß die französische Regierung Truppen und Transportschiffe bei Calais zusammenziehe und daß, sobald man dort erführe, daß ein Aufstand in England ausgebrochen sei, sein Vater sich mit zwölftausend Veteranen einschiffen und in einigen Stunden bei ihnen sein würde.

Das Ermordungscomplot; Sir Georg Barclay.

Eine gefährlichere Rolle war einem Emissär von niedererem Range aber großer Gewandtheit, Thätigkeit und Unerschrockenheit übertragen. Dies war Sir Georg Barclay, ein schottischer Gentleman, der mit Ehren unter Dundee gedient und der sich, als der Krieg in den Hochlanden zu Ende war, nach Saint-Germains zurückgezogen hatte. Barclay wurde in das königliche Cabinet beschieden und empfing seine Instructionen aus dem Munde des Königs selbst. Er erhielt Befehl, sich heimlich über den Kanal nach London zu begeben. Es wurde ihm gesagt, daß einige auserlesene Offiziere und Soldaten ihm zu Zweien und Dreien auf dem Fuße folgen würden, und damit sie ihn leicht finden könnten, sollte er Montags und Donnerstags nach Einbruch der Dunkelheit unter dem Säulengange vom Coventgarden umhergehen und ein weißes Tuch aus seiner Rocktasche hervorblicken lassen. Er erhielt eine bedeutende Summe Geldes und eine Vollmacht, welche Jakob nicht nur unterzeichnet, sondern, von Anfang bis zu Ende eigenhändig geschrieben hatte. Diese Vollmacht autorisirte den Inhaber von Zeit zu Zeit diejenigen Acte von Feindseligkeit gegen den Prinzen von Oranien und seine Anhänger zu unternehmen, welche den Zwecken des Königs am meisten entsprechen würden. Welche nähere Erklärung Jakob diesen weit umfassenden Worten mündlich gab, wissen wir nicht.

Damit Barclay’s Abwesenheit von Saint-Germains keinen Verdacht erweckte, wurde ausgesprengt, daß sein lockerer Lebenswandel ihn in die Nothwendigkeit versetzt habe, sich von einem Arzte in Paris behandeln zu lassen.[97] Er reiste mit achthundert Pfund Sterling in seinem Koffer ab, eilte nach der Küste und schiffte sich an Bord eines Kapers ein, den die Jakobiten als regelmäßiges Packetboot zwischen Frankreich und England benutzten. Dieses Fahrzeug brachte ihn nach einem einsamen Orte im Romney Moor. Ungefähr eine halbe Meile von dem Landungsplatze wohnte ein Schmuggler, Namens Hunt, auf einer öden und ungesunden Sumpfstrecke, wo er keine anderen Nachbarn hatte als einige halbwilde Hirten. Seine Wohnung hatte eine Lage, die sich für den Schleichhandel mit französischen Waaren vortrefflich eignete, Ladungen von Lyoneser Seidenwaaren und Valencienner Spitzen, hinreichend, um dreißig Packpferde zu beladen, waren mehr als einmal in dieser traurigen Einöde gelandet worden, ohne Aufsehen zu erregen. Seit der Revolution aber war Hunt dahinter gekommen, daß von allen Ladungen eine Ladung Hochverräther am besten rentirte. Sein entlegener Wohnplatz wurde der Aufenthaltsort für hochangesehene Männer, für Earls und Barone, für Ritter und Doctoren der Theologie. Einige davon wohnten viele Tage unter seinem Dache in Erwartung einer Gelegenheit zur Ueberfahrt. Zwischen seinem Hause und London bestand eine geheime Postverbindung. Couriere eilten fortwährend hin und her; sie machten die Reise stets zu Fuße; aber sie sahen wie Gentlemen aus, und man raunte sich zu, daß einer von ihnen der Sohn eines vornehmen Mannes sei. Die aus Saint-Germains kommenden Briefe waren an Zahl und Umfang klein; um so zahlreicher und voluminöser aber waren die dahin abgehenden. Sie wurden wie Packete von Modewaaren verpackt und in dem Sumpfe vergraben, bis der Kaper sie abforderte.

Hier landete Barclay im Januar 1696, und von hier aus schlug er den Weg nach London ein. Wenige Tage später folgte ihm ein schlanker junger Mann, der seinen Namen verschwieg, aber Accreditive von höchster Autorität vorzeigte. Dieser junge Mann begab sich ebenfalls nach London. Hunt erfuhr nachher, daß sein bescheidenes Dach die Ehre gehabt hatte, den Herzog von Berwick zu beherbergen.[98]

Die Rolle, welche Barclay zu spielen hatte, war schwierig und gefährlich, und er unterließ keine Vorsichtsmaßregel. Er war selten in London gewesen und sein Aeußeres war daher den Agenten der Regierung unbekannt. Gleichwohl hatte er mehrere Wohnungen, verkleidete sich so gut, daß seine ältesten Freunde ihn am hellen Tage nicht erkannt haben würden, und doch wagte er sich selten auf die Straße, außer im Dunklen. Sein Hauptagent war ein Mönch, der mit Gefahr seines Kopfes unter verschiedenen Namen Beichte abnahm und Messe las. Dieser Mann theilte einigen von den Zeloten, mit denen er verkehrte, mit, daß ein Specialagent der königlichen Familie an gewissen Abenden zu einer gewissen Stunde in Coventgarden zu sprechen und an gewissen Zeichen kenntlich sei.[99] Auf diese Weise lernte Barclay mehrere für seine Zwecke geeignete Männer kennen. Die Ersten, denen er sich völlig offenbarte, waren Charnock und Parkyns. Er sprach mit ihnen über das Complot, das sie mit einigen ihrer Freunde im vergangenen Frühjahr gegen das Leben Wilhelm’s geschmiedet hatten. Charnock sowohl als Parkyns erklärten, daß der Plan leicht ausführbar sei, daß es unter den Royalisten nicht an beherzten Männern fehle und daß es nur eines Zeichen von Zustimmung von Seiten Sr. Majestät bedürfe.

Barclay producirte nun seine Vollmacht. Er bewies seinen beiden Complicen, daß Jakob ausdrücklich allen guten Engländern anbefohlen hatte, nicht allein sich mit bewaffneter Hand zu erheben, nicht allein gegen die Regierung des Usurpators Krieg zu führen, nicht allein Festungen und Städte einzunehmen, sondern auch von Zeit zu Zeit solche anderweitige Acte von Feindseligkeit gegen den Prinzen von Oranien vorzunehmen, wie sie dem Könige dienlich wären. Diese Worte, sagte Barclay, autorisirten offenbar einen Angriff auf die Person des Prinzen. Charnock und Parkyns waren befriedigt. Wie konnten sie in der That Zweifeln, daß Jakob’s vertrauter Agent seine Worte richtig deutete? Ja, wie hätten sie die umfassenden Worte der Vollmacht anders als in dem einen Sinne verstehen können, selbst wenn Barclay nicht dagewesen wäre, um sie zu commentiren? Wäre der Gegenstand niemals Jakob zur Erwägung unterbreitet worden, so hätte man allerdings glauben können, daß jene Worte seiner Feder ohne eine bestimmte Bedeutung entschlüpft seien. Aber es war ihm wiederholt mitgetheilt worden, daß einige seiner Freunde in England eine blutige That im Sinne hätten und daß sie nur auf seine Zustimmung warteten. Sie waren in ihn gedrungen, ein Wort zu sprechen, einen Wink zu geben. Er hatte lange geschwiegen, und jetzt wo er das Stillschweigen brach, sagte er ihnen bloß, sie möchten Alles thun, was ihm nützlich und dem Usurpator nachtheilig sein könnte. Sie hatten seine Erlaubniß in so deutlichen Ausdrücken, wie sie dieselbe in einem solchen Falle vernünftigerweise nur erwarten konnten.[100]