[Inhalt.]

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Militärische Operationen in den Niederlanden[5]
Handelskrisis in England[5]
Finanzkrisis[8]
Anstrengungen um dem Geldmangel abzuhelfen[11]
Noth des Volks; seine Stimmung und sein Verhalten[12]
Unterhandlungen mit Frankreich; der Herzog von Savoyen fällt von der Coalition ab[15]
Nachforschungen nach jakobitischen Verschwörern in England; Sir Johann Fenwick[17]
Ergreifung Fenwick’s[18]
Fenwick’s Bekenntniß[19]
Wilhelm’s Rückkehr nach England[24]
Zusammentritt des Parlaments; Lage des Landes[25]
Rede König Wilhelm’s bei Eröffnung der Session[26]
Beschlüsse des Hauses der Gemeinen[26]
Rückkehr des Wohlstandes[28]
Einfluß der Maßnahmen des Hauses der Gemeinen auf die auswärtigen Regierungen[28]
Besserung der Finanzen[29]
Folgen des Fenwick’schen Bekenntnisses[30]
Godolphin’s Rücktritt[31]
Stimmung der Whigs über Fenwick[31]
Wilhelm verhört Fenwick[32]
Verschwinden Goodman’s[33]
Parlamentarische Maßnahmen in Bezug auf Fenwick’s Geständnisse[34]
Bill zur Verurtheilung Fenwick’s[35]
Debatten der Gemeinen über die Verurtheilungsbill[36]
Die Verurtheilungsbill den Lords überreicht[43]
Monmouth’s Kunstgriffe[44]
Debatten der Lords über die Verurtheilungsbill[46]
Schritte gegen Monmouth[49]
Stellung und Gesinnung Shrewsbury’s[51]
Die Verurtheilungsbill angenommen[52]
Versuche, Fenwick zu retten[53]
Fenwick’s Hinrichtung[53]
Bill zur Regulirung der Wahlen[54]
Bill zur Regulirung der Preise[55]
Bill zur Abschaffung der Vorrechte von Whitefriars und dem Savoy[56]
Schluß der Session; Beförderungen und Ernennungen[58]
Zustand Irland’s[60]
Zustand Schottland’s[61]
Eine Parlamentssession in Edinburg[61]
Acte zur Errichtung von Schulen[61]
Der Prozeß Thomas Aikenhead’s[62]
Militärische Operationen in den Niederlanden[64]
Von Frankreich offerirte Friedensbedingungen[64]
Verhalten Spaniens[65]
Verhalten des Kaisers[65]
Congreß von Ryswick[66]
Wilhelm eröffnet eine bestimmte Unterhandlung[68]
Zusammenkünfte Portland’s mit Boufflers[69]
Die Friedensbedingungen zwischen Frankreich und England werden festgesetzt[71]
Schwierigkeiten, durch Spanien und den Kaiser veranlaßt[72]
Versuche Jakob’s, einen allgemeinen Friedensschluß zu verhindern[74]
Der Tractat von Ryswick unterzeichnet[75]
Spannung in England[75]
Ankunft der Friedensnachricht in England[75]
Schrecken der Jakobiten[76]
Allgemeine Freude[76]
Einzug des Königs in London[77]
Der Tag des Dankgottesdienstes[78]

Militärische Operationen in den Niederlanden.

Am 7. Mai 1696 landete Wilhelm in Holland.[1] Von da begab er sich nach Flandern und übernahm das Commando der in der Nähe von Gent zusammengezogenen verbündeten Truppen. Villeroy und Boufflers waren bereits im Felde. Ganz Europa erwartete mit Ungeduld wichtige Nachrichten aus den Niederlanden; aber es wartete vergebens. Es fand keine aggressive Bewegung statt. Die Hauptaufgabe der beiderseitigen Generäle bestand darin, ihre Truppen vor dem Hungertode zu bewahren, und es war dies eine keineswegs leichte Aufgabe. Der Staatsschatz Frankreich’s sowohl wie England’s war leer. Ludwig hatte im Winter mit großer Mühe und großem Kostenaufwande in Givet an der Grenze seines Reichs ein großartiges Magazin errichtet. Die Gebäude waren zweckmäßig und geräumig und die Masse der darin aufgehäuften Proviantvorräthe war ungeheuer. Die Anzahl der Rationen für die Mannschaften wurde gewöhnlich auf drei bis vier Millionen geschätzt. Aber zu Anfang des Frühjahrs hatten Athlone und Cohorn durch eine kühne und geschickte Bewegung Givet überrumpelt und die Magazine sowohl wie die Vorräthe total vernichtet.[2] Das vor Erschöpfung bereits einer Ohnmacht nahe Frankreich war nicht im Stande einen solchen Verlust zu ersetzen. Belagerungen, wie die von Mons und Namur waren zu kostspielige Operationen für seine Mittel. Die Aufgabe seiner Armee war jetzt nicht zu erobern, sondern zu subsistiren.

Wilhelm’s Armee war zu nicht minder harten Entbehrungen gezwungen. Der materielle Wohlstand England’s hatte zwar durch den Abzug, den der Krieg verursacht, nicht erheblich gelitten, aber es seufzte schwer unter dem schlechten Zustande des Werkzeugs, durch das sein materieller Wohlstand vertheilt wurde.

Handelskrisis in England.

Sonnabend der 2. Mai war vom Parlament als der letzte Tag bestimmt worden, an welchem die beschnittenen Kronen, halben Kronen und Schillinge bei Entrichtung der Steuern angenommen werden sollten.[3] Die Schatzkammer war von Tagesanbruch bis Mitternacht von einer unzähligen Menge belagert. Man mußte die Garden herbeirufen, um die Ordnung aufrecht zu erhalten. Am darauffolgenden Montag begann eine angstvolle Periode von einigen Monaten, auf welche dann viele Jahre eines fast ununterbrochenen Wohlstandes folgen sollten.[4]

Der größte Theil des alten Silbers war verschwunden und das neue begann sich kaum erst zu zeigen. Ungefähr vier Millionen Pfund Sterling in Barren und gemünztem Gelde lagen in den Kellern der Schatzkammer und das geprägte Geld kam bis jetzt nur sehr langsam aus der Münze.[5] Die Aengstlichen prophezeiten, das reichste und gebildetste Land Europa’s werde bald zu dem Zustande der barbarischen Nationen herabsinken, bei denen eine Matte für ein Beil und ein paar Moccassins für ein Stück Wild gekauft würden.

Es gab zwar noch etwas gemünztes Geld, das der Verstümmelung entgangen war, und Sixpencestücke, die nicht bis über den innern Rand beschnitten waren, coursirten noch in ziemlicher Menge. Dieses alte Geld bildete mit dem neuen einen dürftigen Silbervorrath, der mit Hülfe des Goldes der Nation den Sommer über durchhelfen sollte.[6] Die Fabrikanten wußten es im Allgemeinen, wenn auch mit größter Mühe, einzurichten, daß sie ihre Arbeiter mit Münze bezahlen konnten.[7] Die höheren Stände scheinen in bedeutendem Maße auf Credit gelebt zu haben. Selbst ein wohlhabender Mann besaß selten die Mittel, um die Wochenrechnungen seines Bäckers und Fleischers bezahlen zu können.[8] Eine Schuldverschreibung von der Hand eines solchen Mannes wurde jedoch in der Gegend, wo man seine Vermögensverhältnisse und seinen Character genau kannte, gern genommen. So circulirten die Noten der reichen Geldwechsler von Lombard Street in weiten Kreisen.[9] Die Billets der Bank von England thaten gute Dienste und würden ohne den unglücklichen Mißgriff, zu dem sich das Parlament kürzlich durch Harley und Foley hatte verleiten lassen, noch bessere Dienste gethan haben. Das Vertrauen des Publikums zu dieser mächtigen und reichen Compagnie war durch das Edict, welches die Landbank errichtete, erschüttert worden. Man konnte mit gutem Grunde zweifeln, ob die beiden rivalisirenden Institute neben einander würden bestehen können, und das jüngere von beiden schien der Liebling der Regierung und der Legislatur zu sein. Die Actien der Bank von England waren rasch von hundertzehn auf achtundachtzig gefallen. Zu gleicher Zeit verschworen sich die Goldschmiede gegen diese reiche Compagnie, der sie von vornherein nicht hold gewesen waren. Sie kauften überall ihre Noten auf, und am 4. Mai, als die Schatzkammer eben den größten Theil des alten Geldes verschlungen hatte und von dem neuen noch so viel wie nichts ausgegeben war, strömten sie nach Grocers’ Hall und drangen auf sofortige Umwechselung. Ein einziger Goldschmied verlangte dreißigtausend Pfund. Die Directoren handelten in dieser bedrängten Lage mit Einsicht und Festigkeit. Sie verweigerten die Einlösung der böswillig aufgesammelten und präsentirten Noten und stellten es den Inhabern anheim, in Westminster Hall ihr Recht zu suchen. Andere Creditoren, welche bona fide das ihnen Gebührende verlangten, wurden befriedigt. Die Verschwörer triumphirten nun über die mächtige Corporation, die sie haßten und fürchteten. Die Bank, welche erst vor Kurzem unter so glänzenden Auspicien ins Leben getreten, die anscheinend dazu bestimmt gewesen sei, eine Revolution im Handel und Geldwesen hervorzubringen, die der Stolz London’s und der Neid Amsterdam’s gewesen, sei schon insolvent, ruinirt, entehrt. Es erschienen erbärmliche Pasquille, wie unter andren: „The Trial of the Land Bank for Murdering the Bank of England,” „The Last Will and Testament of the Bank of England,” „The Epitaph of the Bank of England,” „The Inquest on the Bank of England.” Doch trotz all’ dieses Geschreis und Gespötts berichteten die Correspondenten der Generalstaaten, daß die Bank von England in der öffentlichen Achtung thatsächlich nicht gesunken sei und daß das Verfahren der Goldschmiede allgemein getadelt werde.[10]