Die Directoren überzeugten sich bald von der Unmöglichkeit, selbst das zur Befriedigung der bona fide an sie gemachten Anforderungen benöthigte Silber herbeizuschaffen. Sie ersannen daher ein neues Auskunftsmittel. Sie verlangten von den Actionären einen Zuschuß von zwanzig Procent und brachten dadurch eine Summe auf, die sie in den Stand setzte, jedem Applikanten fünfzehn Procent von seiner Forderung in gemünztem Gelde auszuzahlen. Sie gaben ihm die Note zurück, nachdem sie die geleistete theilweise Zahlung auf derselben bemerkt hatten.[11] Ein paar Noten mit dieser Bemerkung werden noch zur Erinnerung an jenes schlimme Jahr in den Archiven der Bank aufbewahrt. Das Papier des Instituts circulirte nach wie vor; aber der Werth schwankte heftig von Tag zu Tag, ja von Stunde zu Stunde, denn die öffentliche Meinung war in einem so reizbaren Zustande, daß die absurdeste Lüge, die ein Stockjobber erfinden konnte, hinreichte, um den Cours zum Steigen oder zum Fallen zu bringen. Einmal betrug der Discont nur sechs Procent, ein andermal vierundzwanzig Procent. Eine Zehnpfundnote, die am Morgen zu mehr als neun Pfund genommen worden, war oft gegen Abend keine acht Pfund mehr werth.[12]

Ein andres und unter den damaligen Umständen zweckentsprechenderes Ersatzmittel für klingendes Courantgeld verdankte sein Entstehen dem Scharfsinn Montague’s. Es war ihm gelungen, in Harley’s Landbankbill eine Klausel aufnehmen zu lassen, welche die Regierung ermächtigte, ein Papiergeld auszugeben, das täglich drei Pence Zinsen für hundert Pfund trug. Inmitten der altgemeinen Noth und Verwirrung erschienen die ersten Schatzkammerscheine, auf verschiedene Beträge von hundert Pfund bis herab zu fünf Pfund lautend. Dieses Zahlungsmittel wurde durch die Post rasch über das ganze Land verbreitet und war überall willkommen. Die Jakobiten zogen in jedem Kaffeehause heftig darüber her und schrieben viel schlechte Verse dagegen, doch mit nur geringem Erfolg. Der Plan fand so günstige Aufnahme, daß die Minister einmal beschlossen, Zwanzigschillingscheine und sogar Funfzehnschillingscheine zur Bezahlung der Truppen auszugeben. Dieser Beschluß scheint jedoch nicht zur Ausführung gekommen zu sein.[13]

Man kann sich schwer denken, wie ohne die Schatzkammerscheine die Regierung des Landes während dieses Jahres hätte ihren regelmäßigen Gang beibehalten können. Jede Einnahmequelle war durch den Stand des Geldmarktes geschmälert und eine Quelle, von der das Parlament zuversichtlich mehr als die Hälfte der zur Bestreitung der Kriegskosten erforderlichen Summe erwartet, hatte nicht einen Farthing eingetragen.

Finanzkrisis.

Die von der Landbank gehoffte Summe betrug nahe an zwei Millionen sechshunderttausend Pfund. Von dieser Summe war die Hälfte zu zeichnen und ein Viertel am 1. August einzuzahlen. Der König hatte noch unmittelbar vor seiner Abreise ein Decret unterzeichnet, welches bestimmte Commissare, unter denen Harley und Foley die bedeutendsten waren, zur Empfangnahme der Namen der Subscribenten ernannte.[14] Es wurde im Saale des mittleren Temple eine zahlreiche Versammlung von Personen gehalten, die bei dem Plane interessirt waren. Ein Subscriptionsbureau wurde in Exeter Change, ein andres in Mercers’ Hall eröffnet. Vierzig Agenten reisten durch das Land und verkündeten der Landgentry aller Grafschaften das Herannahen des goldenen Zeitalters hoher Renten und niedriger Zinsen. Der Regentschaftsrath zeichnete, um der Nation mit gutem Beispiele voranzugehen, fünftausend Pfund für den König, und die Zeitungen versicherten der Welt, daß die erforderliche Summe sehr bald voll werden würde.[15] Als aber drei Wochen vergangen waren, fand es sich, daß zu den vom Könige beigesteuerten fünftausend Pfund nur noch funfzehnhundert gekommen waren. Viele wunderten sich darüber; allein es war sehr wenig Grund dazu. Die Summe, welche die Freunde des Planes aufzubringen übernommen hatten, konnte nur von den Feinden des Planes beschafft werden. Die Landgentlemen waren dem Plane Harley’s hold; aber nur deshalb, weil sie Geld zu niedrigem Zinsfuße entlehnen wollten, und da sie Geld entlehnen wollten, waren sie natürlich nicht im Stande, welches herzugeben. Nur die vermögende Klasse konnte das zum Bestehen der Landbank Nöthige liefern, und die Landbank hatte eingestandenermaßen den Zweck, den Gewinn der vermögenden Klasse zu vermindern, ihren politischen Einfluß zu vernichten und ihre sociale Stellung zu erniedrigen. Da die Wucherer nicht Lust hatten, die Kosten der Unterdrückung des Wuchers selbst zu bezahlen, so scheiterte der ganze Plan in einer Weise, die im höchsten Grade lächerlich gewesen wäre, wenn die öffentlichen Angelegenheiten ein minder beunruhigendes Aussehen gehabt hätten. Der Tag rückte heran, und die sauber linirten Seiten des Einzeichnungsbuches in Mercers’ Hall waren noch immer leer. Die Commissare wußten nicht was sie denken sollten. In ihrer Noth baten sie die Regierung um Nachsicht. Viele große Kapitalisten, sagten sie, möchten gern unterzeichnen; aber sie zögerten damit, weil die Bedingungen zu hart seien. Das verlangte Kapital müsse vermindert werden. Wolle der Regentschaftsrath sich nicht zu einem Nachlasse von dreihunderttausend Pfund verstehen? Die Finanzen befanden sich in einem so traurigen Zustande und die Briefe, in denen der König seine Bedürfnisse darstellte, waren so dringend, daß der Regentschaftsrath schwankte. Die Commissare wurden gefragt, ob sie sich bei Bewilligung des verlangten Abzugs verbindlich machen würden, die ganze Summe aufzubringen. Ihre Antwort lautete unbefriedigend. Sie wagten nicht zu behaupten, daß sie über mehr als achthunderttausend Pfund gebieten könnten. In Folge dessen wurde die Unterhandlung abgebrochen. Der 1. August erschien, und der ganze Betrag, den die ganze Nation zu dem glänzenden Unternehmen beigesteuert hatte, von dem man sich so viel versprochen, belief sich auf zweitausendeinhundert Pfund.[16]

Gerade zu diesem Zeitpunkte kam Portland vom Continent an. Wilhelm hatte ihn mit dem Auftrage abgesandt, um jeden Preis Geld zu schaffen, gleichviel wie und woher. Der König hatte sich in Holland schon seines Privatcredits bedient, um seiner Armee Brot geben zu können. Aber es reichte Alles nicht hin. Er schrieb seinen Ministern, daß, wenn sie ihm nicht schleunigst Geld schicken könnten, seine Truppen sich entweder empören oder zu Tausenden desertiren würden. Er wisse wohl, sagte er, daß es bedenklich sein würde, in seiner Abwesenheit das Parlament einzuberufen; aber wenn kein andres Mittel ausfindig gemacht werden könne, müsse man es riskiren.[17] Der in die größte Verlegenheit versetzte Regentschaftsrath begann jetzt zu wünschen, daß die von den Commissaren in Mercers’ Hall angebotenen Bedingungen bei aller ihrer Härte angenommen worden wären. Die Unterhandlung wurde wieder angeknüpft. Shrewsbury, Godolphin und Portland, als Agenten der Regierung, hatten mehrere Conferenzen mit Harley und Foley, welche vor Kurzem behauptet hatten, daß achthunderttausend Pfund bereit seien, für die Landbank gezeichnet zu werden. Die Minister gaben die Zusicherung, daß, wenn in diesem Augenblicke nur die Hälfte dieser Summe vorgestreckt werden könnte, Diejenigen, welche dem Staate diesen Dienst erzeigt hätten, in der nächsten Session als Nationallandbank incorporirt werden sollten. Harley und Foley versprachen zuerst mit zuversichtlicher Miene das Verlangte aufzubringen. Aber sie nahmen bald ihr Wort zurück und zeigten große Lust, wegen Kleinigkeiten peinlich und streitsüchtig zu sein; schließlich schrumpften die achthunderttausend Pfund zu vierzigtausend zusammen, und selbst diese vierzigtausend waren nur unter harten Bedingungen zu haben.[18] So endete die große Täuschung der Landbank. Die Vollmacht erlosch und die Bureaux wurden geschlossen.

Jetzt nahm der der Verzweiflung nahe Regentschaftsrath seine Zuflucht zur Bank von England. Zweihunderttausend Pfund waren die geringste Summe, welche zur Bestreitung der dringendsten Bedürfnisse des Königs genügte. Würde die Bank von England diese Summe vorstrecken? Die Kapitalisten, welche die erste Stimme bei diesem Institute hatten, waren übelgestimmt und nicht ohne Grund. Aber freundliche Worte, dringende Bitten und glänzende Versprechungen wurden nicht gespart, der ganze Einfluß Montague’s, der mit Recht groß war, wurde aufgeboten; die Directoren versprachen ihr Möglichstes zu thun; aber sie fürchteten, daß es ihnen nicht möglich sein würde die Summe herbeizuschaffen, ohne von ihren Actionären eine zweite Einzahlung von zwanzig Procent zu verlangen. Die Frage mußte einer Generalversammlung vorgelegt werden, in einer solchen Versammlung waren über sechshundert Personen stimmberechtigt und das Ergebniß war sehr zweifelhaft. Die Actionäre wurden zu einer Versammlung in Mercers’ Hall für den 15. August eingeladen. Während der peinlichen Zwischenpause der Ungewißheit schrieb Shrewsbury in einem so tragischen Tone an seinen Gebieter, wie man ihn in officiellen Briefen nicht häufig findet. „Wenn dies nicht gelingt, dann weiß Gott was geschehen soll. Doch es muß Alles versucht und gewagt werden, ehe wir uns hinlegen und sterben.”[19] Am 15. August, der eine wichtige Epoche in der Geschichte der Bank bezeichnet, wurde die Generalversammlung abgehalten. Den Vorsitz führte Sir Johann Houblon, der Gouverneur, der zugleich Lordmayor von London, und, was unsrer Zeit sonderbar vorkommen würde, ein Commissar der Admiralität war. Sir John schilderte in einer Rede, von der jedes Wort niedergeschrieben und von den Directoren reiflich erwogen worden war, den Stand der Sache und bat die Versammlung dringend, dem Könige Wilhelm beizustehen. Es wurde anfangs ein wenig gemurrt. „Wenn unsere Noten genügten,” sagte man, „so würden wir gern bereit sein, Sr. Majestät zu Hülfe zu kommen; aber zweihunderttausend Pfund in klingender Münze zu einer Zeit wie die gegenwärtige —.” Der Gouverneur erklärte kurz und entschieden, daß nur Gold oder Silber den Bedürfnissen der Armee in Flandern genügen könne. Es wurde endlich über die Frage abgestimmt, und jede Hand im Saale erhob sich für die Uebersendung des Geldes. Die Briefe von der holländischen Gesandtschaft benachrichtigten die Generalstaaten, daß das Ergebniß dieses Tages die Bank und die Regierung eng mit einander verbunden habe und daß mehrere Minister unmittelbar nach der Versammlung Actien gekauft hätten, nur um dem Institute, das dem Staate einen so großen Dienst erzeigt, einen Beweis ihrer Anhänglichkeit zu geben.[20]

Anstrengungen um dem Geldmangel abzuhelfen.

Inzwischen wurden energische Anstrengungen gemacht, um die Umprägung zu beschleunigen. Seit der Restauration war die Münze, wie alle anderen öffentlichen Anstalten im ganzen Lande, ein Nest von Müßiggängern und Arbeitsmaschinen gewesen. Der wichtige Posten des Münzmeisters, der zwischen sechs- und siebenhundert Pfund jährlich eintrug, war eine bloße Sinekure geworden und mit einer Reihe eleganter Gentlemen besetzt gewesen, die am Hazardspieltische zu Whitehall wohl bekannt waren, die sich aber nie herabließen, dem Tower zu nahe zu kommen. Dieser Posten war eben vakant geworden und Montague hatte ihn für Newton erlangt.[21] Die Geschäftstüchtigkeit, der Fleiß und die strenge Rechtschaffenheit des großen Philosophen bewirkten bald eine vollständige Revolution in dem seiner Leitung anvertrauten Departement.[22] Er widmete sich seiner Aufgabe mit einer Thätigkeit, die ihm keine Zeit zu den Studien übrig ließ, in denen er Archimedes und Galilei übertroffen hat. Bis das große Werk vollendet war, widerstand er mit Festigkeit und fast mit Unmuth jedem Versuche, den Männer der Wissenschaft sowohl im Inlande als auf dem Continente machten, ihn von seinen Amtspflichten abzuziehen.[23] Die bisherigen Beamten der Münze hatten es für wunder etwas Großes gehalten, wenn in einer Woche funfzehntausend Pfund Sterling Silbergeld geprägt wurden. Als Montague von dreißig- bis vierzigtausend sprach, erklärten diese Männer der Form und des Hergebrachten die Sache für unausführbar. Aber die Energie des jungen Kanzlers der Schatzkammer und seines Freundes, des Münzwardeins, bewirkte noch viel größere Wunder. Bald gingen neunzehn Prägewerke zu gleicher Zeit im Tower. So schnell als in London Leute zu der Arbeit angelernt werden konnten, wurden Gruppen derselben nach anderen Theilen des Landes geschickt. In Bristol, York, Exeter, Norwich und Chester wurden Münzen errichtet. Diese Maßregel war im höchsten Grade populär. Die Maschinen und Arbeiter wurden an den neuen Bestimmungsorten mit Glockengeläute und Kanonensalven empfangen. Die wöchentliche Emission stieg auf sechzigtausend, auf achtzigtausend, auf hunderttausend und endlich auf hundertzwanzigtausend.[24] Doch selbst diese Emission, die nicht nur alle bisherigen Emissionen, sondern auch alle Erwartungen übertraf, war unbedeutend im Vergleich zu dem Bedarf der Nation. Auch kam nicht alles neugeprägte Silber in den Verkehr, denn während des Sommers und Herbstes waren diejenigen Politiker, welche eine Erhöhung des Nominalwerthes der Münzen wünschten, thätig und laut und man erwartete allgemein, daß sogleich nach dem Wiederzusammentritt des Parlaments der Münzfuß herabgesetzt werden würde. Natürlich wollte Niemand, der es für wahrscheinlich hielt, daß er in nicht ferner Zeit eine Schuld von einem Pfund Sterling mit drei Kronenstücken anstatt mit vier werde bezahlen können, bis zu dieser Zeit ein Kronenstück ausgeben, das meiste gemünzte Geld wurde daher zurückgelegt.[25] Die Monate Mai, Juni und Juli vergingen ohne eine merkliche Zunahme in der Quantität des guten Geldes. Erst im August konnte ein aufmerksamer Beobachter die ersten schwachen Anzeichen des wiederkehrenden Wohlstandes erkennen.[26]

Noth des Volks; seine Stimmung und sein Verhalten.