Diese Erklärung versetzte die Nation in einen wahren Freudentaumel; überall wo er sich zeigte, drängte sich die jubelnde Menge um ihn und segnete seinen Namen; alle Glocken Englands stimmten in diesen Jubel mit ein; in den Straßen floß das Bier, und mehrere Nächte hindurch erhellten unzählige Freudenfeuer London und die Umgegend von fünf Meilen. Diejenigen presbyterianischen Mitglieder des Hauses der Gemeinen, die man mehrere Jahre zuvor durch Waffengewalt vertrieben hatte, kehrten zu ihren Sitzen zurück und es empfingen sie die lauten Begrüßungen der Menge, die Westminsterhall und den Schloßhof anfüllte. Die Häupter der Independenten wagten kaum noch sich in den Straßen zu zeigen, sie waren selbst in ihren Wohnungen nicht mehr sicher. Man ergriff nun Maßregeln zur Gründung einer zeitweiligen Regierung; es wurden Befehle zu einer allgemeinen Wahl erlassen und das denkwürdige Parlament, das durch zwanzig bewegte Jahre alle Wechsel des Glücks erfahren, seinen Souverain besiegt, von seinen Dienern geknechtet und zweimal vertrieben, und zweimal wieder eingesetzt worden, sprach endlich feierlich seine eigene Auflösung aus.

Allgemeine Wahl von 1660. [Das] Ergebniß der Wahlen entsprach dem, was man von der Stimmung der Nation erwarten konnte. Das neue Haus der Gemeinen war, mit geringen Ausnahmen, aus Männern zusammengesetzt, die ergeben an der königlichen Familie hingen. Die Presbyterianer bildeten die Mehrheit.

Es schien fast gewiß, daß nun eine Restauration stattfinden würde; aber es stand noch zu fürchten, daß sie keine friedliche sein würde. Die Stimmung der Soldaten war finster und wild, sie haßten den Königstitel, den Namen Stuart, verabscheuten den Presbyterianismus, aber mehr noch die Prälatur. Indem sie mit Bitterkeit das Ende ihrer langen Herrschaft und den Beginn eines Lebens voll Elend und ruhmlosen Mühens herannahen sahen, schrieben sie ihr Unglück der Schwäche und dem Verrathe einiger Generale zu. Eine Stunde ihres theuren Oliver Cromwell hätte selbst jetzt noch den erloschenen Ruhm neu anfachen können. Waren sie auch verrathen, uneinig und ohne einen Führer, der ihr Vertrauen besaß, so mußte man sie dennoch fürchten. Der Wuth und Verzweiflung von funfzigtausend Männern entgegenzutreten, die noch nie einem Feinde den Rücken gewendet hatten, war keine leichte Aufgabe. Monk und seine politischen Genossen sahen wohl ein, daß diese Krisis eine sehr gefährliche sein würde. Indem sie jede List anwendeten, die mißvergnügten Soldaten zu beruhigen und unter sich zu entzweien, trafen sie auch zugleich für den Fall eines Zusammenstoßes die kräftigsten Vorsichtsmaßregeln. Die in London garnisonirende schottische Armee erhielt man durch Belobungen, Versprechen und Geschenke in einer günstigen Stimmung. Die reichsten Bürger von London gewährten den Rothröcken alles, sie spendeten so freigebig ihre besten Weine, daß man ganze Haufen dieser frommen Krieger oft in einem Zustande fand, der weder ihrem religiösen, noch ihrem militairischen Charakter große Ehre machte. Monk wagte es, einige widerspenstige Regimenter aufzulösen, während die provisorische Regierung mit Hilfe der Gentry und der Behörden die größten Anstrengungen zur Organisirung der Miliz machte. Bald stand diese Streitmacht, die mindestens einhundert­zwanzig­tausend Mann stark war, in jeder Grafschaft marschfertig. Über zwanzigtausend gut bewaffnete und ausgerüstete Bürger ward in Hyde-Park Heerschau gehalten, wobei diese in einen Enthusiasmus ausbrachen, der zu der Hoffnung berechtigte, daß sie im Fall der Noth tapfer für ihre Läden und Häuser kämpfen würden. Die ganze Flotte hielt es mit der Nation. Es war eine Zeit der Aufregung und der Angst, aber auch eine Zeit der Hoffnung. Man war allgemein der Ansicht, daß England, wenn auch durch einen verzweifelten und blutigen Kampf, frei werden, und daß die, die so lange Zeit durch das Schwert geherrscht, jetzt durch das Schwert umkommen würden.

Glücklicherweise wurden die Gefahren eines Zusammenstoßes abgewendet. Dadurch, daß Lambert aus dem Kerker entwich und seine Kameraden unter die Waffen rief, entstand zwar ein Augenblick ernster Gefahr, und die Flamme des Bürgerkrieges loderte sogleich empor, aber man erstickte sie durch schnelle und kräftige Maßregeln, so daß sie sich nicht verbreiten konnte, und nahm den unglücklichen Nachahmer Cromwells von Neuem gefangen. Das Mißglücken dieses Unternehmens entmuthigte die Soldaten, so daß sie sich traurig ihrem Schicksale unterwarfen.

Die Restauration. [Das] neue Parlament, oder richtiger gesagt der Convent, denn die Zusammenberufung hatte ohne königliche Ausschreiben stattgefunden, trat in Westminster zusammen, und die Lords kehrten wieder in den Saal zurück, von dem sie seit länger denn elf Jahren mit Gewalt fern gehalten worden waren. Beide Häuser luden sogleich den König ein, in sein Reich zurückzukehren. Mit einem nie gesehenen Gepränge ward er wiederum proklamirt. Eine glänzende Flotte holte ihn von Holland und schiffte ihn an der Küste von Kent aus. Die Felsen von Dover waren mit Tausenden von Zuschauern bedeckt, unter denen sich wohl nicht einer befand, der nicht vor Freude weinte. Seine Reise nach London war ein ununterbrochener Triumphzug. Von Rochester an war die ganze Straße mit Buden und Zelten bedeckt, daß sie einem endlosen Markte glich; überall flatterten Fahnen, überall ertönten Glocken und Musik, überall floß der Wein und das Bier auf das Wohl dessen, der Friede, Gesetz und Freiheit zurückbrachte. Aber inmitten der allgemeinen Freude gewährte ein düsterer Fleck einen drohenden Anblick. Zur Begrüßung des Herrschers hatte man die Armee auf Blackheath aufgestellt; ob er auch lächelte, sich verbeugte, den Obristen und Majoren seine Hand zum Kusse bot — sein freundliches Entgegenkommen war vergebens. Die Haltung der Soldaten blieb eine düstere und drohende, und hätten sie ihren Gefühlen freien Lauf gelassen, so würde das Freudenfest, bei dem auch sie wider Willen betheiligt waren, ein schreckliches und blutiges Ende genommen haben. Aber es herrschte keine Einigkeit mehr unter ihnen, das Vertrauen zu den Führern und zu einander selbst hatten Zwietracht und Abtrünnigkeit geraubt. Die ganze Macht der City von London stand unter den Waffen, zahlreiche Milizkompagnien, geführt von loyalen Edelleuten und Gentlemen, waren aus verschiedenen Theilen des Landes gekommen, um den König zu bewillkommnen. Dieser große Tag ging in Frieden zu Ende, und der zurückgerufene Wanderer konnte sicher ruhen in dem Palaste seiner Vorfahren.

Zweites Kapitel.

Geschichte Englands unter Karl II.