[ Inhalt.]


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[1. Kapitel]
[Das Verfahren zur Wiederherstellung des Hauses Stuart wird mit Unrecht getadelt][5]
[Beseitigung der Lehnspflichten der Ritterschaft][6]
[Auflösung des Heeres][7]
[Wiederausbruch der Streitigkeiten zwischen den Rundköpfen und Cavalieren][7]
[Religiöse Uneinigkeit][9]
[Unpopularität der Puritaner][11]
[Charakter Karls II.][15]
[Charakterschilderung des Herzogs von York und des Earl von Clarendon][18]
[Allgemeine Wahl von 1661][20]
[Gewaltsamkeiten der Cavaliere in dem neuen Parlamente][21]
[Verfolgung der Puritaner][21]
[Eifer der Geistlichkeit für die erbliche Monarchie][22]
[Veränderung in den Sitten der Gesellschaft][23]
[Verworfenheit der Politiker][25]
[Zustand von Schottland][26]
[Zustand von Irland][28]
[Die Regierung in England wird unpopulär][29]
[Krieg mit den Holländern][31]
[Opposition in dem Hause der Gemeinen][32]
[Sturz Clarendons][33]
[Zustand der europäischen Staats­angelegen­heiten und Überlegenheit Frankreichs][35]
[Charakter Ludwigs XIV.][36]
[Die Tripleallianz][38]
[Die Vaterlandspartei][38]
[Verbindung zwischen Karl II. und Frankreich][39]
[Pläne Ludwigs in Bezug auf England][40]
[Vertrag von Dover][42]
[Natur des englischen Cabinets][43]
[Die Cabale][44]
[Zahlungseinstellung der Schatzkammer][46]
[Krieg mit den Vereinigten Provinzen und große Gefahr derselben][46]
[Wilhelm, Prinz von Oranien][47]
[Versammlung des Parlaments][48]
[Indulgenzerklärung][49]
[Cassirung der Indulgenzakte, Annahme der Testakte][50]
[Auflösung der Cabale][51]
[Verwickelte Lage der Vaterlandspartei][53]
[Verkehr dieser Partei mit der französischen Gesandtschaft][53]
[Frieden von Nimwegen][54]
[Große Unzufriedenheit in England][54]
[Danby’s Sturz][56]
[Die papistische Verschwörung][56]
[Erste allgemeine Wahl von 1679][58]
[Heftigkeit des neuen Hauses der Gemeinen][60]
[Temple’s Regierungs­system][60]
[Charakter des Halifax][63]
[Charakter Sunderlands][65]
[Prorogation des Parlaments][66]
[Habeas-Corpus-Akte][66]
[Zweite allgemeine Wahl von 1679][67]
[Popularität Monmouths][67]
[Lawrence Hyde][70]
[Sidney Godolphin][70]
[Heftigkeit der Parteien bei der Frage der Ausschließungsbill][71]
[Die Namen Whig und Tory][71]
[Zusammentritt des Parlaments und Durchgang der Ausschließungsbill im Hause der Gemeinen][72]
[Die Lords verwerfen die Ausschließungsbill][73]
[Hinrichtung Staffords][73]
[Allgemeine Wahlen von 1681][74]
[Das Parlament zu Oxford gehalten und aufgelöst][74]
[Toryreaction][75]
[Verfolgung der Whigs][76]
[Der Freibrief der City wird zurückgenommen][77]
[Verschwörung der Whigs][77]
[Entdeckung der Whigverschwörung][79]
[Strenge der Regierung][79]
[Entziehung von Privilegien][79]
[Einfluß des Herzogs von York][80]
[Halifax opponirt ihm][81]
[Lord Guildford][82]
[Politik Ludwigs][84]
[Stand der Parteien am Hofe Karls zur Zeit seines Todes][85]

Das Verfahren zur Wiederherstellung des Hauses Stuart wird mit Unrecht getadelt. [Englands] Geschichte bietet während des siebzehnten Jahrhunderts das Bild der Umgestaltung einer, nach Art des Mittelalters geschaffenen beschränkten Monarchie in eine, der höheren geistigen Entwickelung der bürgerlichen Gesellschaft angemessenere beschränkte Monarchie, deren Schutz und Vertheidigung nicht blos in den Händen des Adels liegt, und deren finanzielle Bedürfnisse nicht ferner von dem Ertrage der Krongüter bestritten werden müssen. Die Staats­männer welche im Jahre 1642 die Spitze des Langen Parlaments bildeten, suchten diese Umwandlung dadurch herbeizuführen, daß sie den Reichsständen die Wahl der Minister, die Oberaufsicht über die gesammte Administration sowie den Oberbefehl über das Heer übertrugen; so vortrefflich dieser Plan aber auch immer durchdacht war, der Gang des herrschenden Bürgerkrieges ließ ihn nicht zur gewünschten Ausführung kommen. Es ist Thatsache, daß die Häuser endlich triumphirten, sie hatten aber vorher einen Kampf bestehen müssen, durch den sie zur Bildung einer Gewalt gezwungen wurden, die zu überwachen sie nicht mächtig genug waren, und welche gar bald die Herrschaft über alle Parteien und Stände des Landes sich anzueignen begann. So lange der weise und hochherzige Cromwell den Oberbefehl führte, waren die von einer Militairherrschaft unzertrennlichen Übel weniger fühlbar; als aber das Heldenschwert, welches er mit Kraft und Muth geführt, seiner Hand entsank, als Führer an die Spitze des Heeres traten, welche weder seinen Verstand noch seine Humanität, weder seine Fähigkeiten noch seine Tugenden besaßen, da schien der Augenblick nicht fern zu sein, wo Freiheit und Ordnung zu ruhmlosem Untergange übereinander stürzen würden.

Zu dieser Katastrophe sollte es jedoch nicht kommen. Oft haben der Freiheit huldigende Schriftsteller die Restauration ein unglückliches Ereigniß genannt, sie haben die Beschränktheit und Nieder­trächtigkeit der Convention verdammt, welche die vertriebene Königs­familie aus der Verbannung rief, ohne neue Garantien gegen schlechte Staats­verwaltung in der Hand zu haben; aber Alle, welche dieser Ansicht sind, haben nicht die Eigenthüm­lichkeit der Krisis durchschaut, welche nach Richard Cromwells Absetzung eintrat. England war von der Gefahr bedroht, unter den Despotismus von bedeutungslosen Menschen zu gerathen, welche die Willkür der Soldateska heute emporhob, und morgen wieder in das Nichts zurückwarf. Jeder einsichtsvolle Vaterlandsfreund erkannte die Nothwendigkeit, der Soldaten­herrschaft ein Ende zu machen, doch war die Lösung dieser Aufgabe höchst schwierig, so lange die Soldaten unter sich einig blieben. Bald aber schimmerte ein Hoffnungsstrahl; es kam zu Mißverständnissen und Streitigkeiten unter den Generalen, ein Heerführer bekämpfte den andern, und die Armeen standen einander erbittert gegenüber. Jetzt galt es, den kritischen Moment rasch zu fassen und zu benutzen, die Zukunft unseres Vaterlandes hing davon ab, und wahrlich! es haben unsere Voreltern nicht gesäumt, im verhängnißvollen Augenblicke zur That zu schreiten. Alle Streitigkeiten über Reformen, welche unserer Verfassung nöthig waren, wurden bis zu geeigneterer Zeit vertagt, Cavalier und Rundkopf, Episcopale und Presbyterianer, sie alle standen fest und einig zur Unterdrückung der militärischen Tyrannei und Aufrechthaltung der alten Gesetze des Landes. Mit Recht konnte die Frage über Vertheilung der Gewalt zwischen Monarchen, Adel und Gemeinen bis zu der nothwendigen Entscheidung unbeantwortet bleiben, ob künftighin Englands Regierung in der Hand des Königs und des Volkes, oder in der bewaffneten Faust der Soldateska liegen solle. Es war ein Glück, daß die Staats­männer der Convention nicht durch lange Reden über Regierungs­prinzipien, durch Entwerfung einer neuen Constitution, oder durch Eröffnung von Conferenzen die Zeit verloren; oder daß man wochenlang zwischen Westminster und den Nieder­landen Boten mit Plänen und Gegenplänen, Fragen von Hyde und Antworten von Prynne hin und her gesandt. Wäre es geschehen, so würde die Coalition, welche die Erhaltung der öffentlichen Sicherheit bezweckte, ihrer Auflösung entgegen gegangen sein; es wären Streitigkeiten zwischen den Königlich Gesinnten und den Presbyterianern ausgebrochen; die militairischen Factionen hätten sich wahrscheinlich geeinigt und die getäuschten Freunde der Freiheit würden unter einer Regierung, unvollkommener als die des unfähigsten Königs aus dem Stamme der Stuarts, schmerzlich empfunden haben, daß die günstige Gelegenheit zur Abhilfe vorübergegangen sei.

Beseitigung der Lehnspflichten der Ritterschaft. [So] wurde denn durch allgemeine Übereinkunft der beiden mächtigen Parteien die alte Staats­verfassung in der Form wiederhergestellt, welche sie vor achtzehn Jahren, wo König Karl I. die Hauptstadt verließ, gehabt hatte, und alle Acte des Langen Parlaments, welche der König genehmigt hatte, behielten ihre volle Geltung. Ebenso wurde auch von dem wieder eingesetzten Könige eine neue Concession bewilligt, welche für die Cavaliere von größerer Wichtigkeit war als für die Rundköpfe. Vor Jahrhunderten schon hatte man als das geeignetste Mittel der National­vertheidigung das militairische Lehnswesen eingeführt, das Nützliche aber was diese Einrichtung in sich trug, war im Laufe der Zeit verschwunden, und nichts als Beschwerden und leere Formen davon zurückgeblieben. Wer von der Krone ein Landgut gegen ritterliche Dienstleistung in Lehn trug — und in dieser Weise war der größte Theil des Grundeigenthums von England vergeben — hatte bei der Besitznahme eine bedeutende Geldsumme zu erlegen, konnte jedoch nicht den geringsten Theil des erworbenen Eigenthums ohne höhere Erlaubniß verkaufen. Starb er und der Erbe der Güter befand sich noch in den Jahren der Unmündigkeit, so übernahm der König die Vormundschaft, und erhielt für die Dauer derselben nicht allein einen bedeutenden Theil des Güterertrags, sondern der Unmündige war auch verpflichtet, bei Vermeidung schwerer Strafe, nach dem Willen des königlichen Vormunds und nur in angemessenen Rangverhältnissen Ehebündnisse zu schließen. Daher kam es, daß eine Menge mittelloser Abenteurer den Hof belagerten, in der Hoffnung, zum Lohne für Unterwürfigkeit und Schmeichelei ein solches reiches Mündel durch die Gnade des Königs zu erlangen. Mit der Monarchie endigten auch diese Mißbräuche, und alle Gutsherren des Landes wünschten natürlich dringend, daß mit der Wiedererstehung derselben sie nicht etwa wiederkehren möchten; deshalb wurden sie durch ein Statut feierlich beseitigt, und mit Ausnahme einiger ehrendienstlichen Handlungen, welche noch jetzt bei der Krönung von einigen Vasallen der Person des Königs geleistet werden müssen, entschwanden diese alten, ritterdienstlichen Lehen für immer.

Auflösung des Heeres. [Jetzt] sollte das Heer aufgelöst werden. Funfzigtausend alte, kriegstüchtige Soldaten wurden verabschiedet und gerechtfertigt schien die allgemeine Furcht, daß diese große Menge brodlos gewordener Menschen Verbrechen und Unglück in bedeutender Zahl hervorrufen, und der Mangel sie zu Mord und Plünderung treiben würde; aber man hatte sich getäuscht, denn schon nach wenigen Monaten war die furchtbare Armee friedlich im Volke verschwunden und selbst die königlich Gesinnten mußten zugestehen, daß die entlassenen Kriegsleute als brave und tüchtige Arbeiter sich allgemeiner Achtung zu erfreuen hatten, und daß sie das Volk, wie man gefürchtet, weder durch Raub und Plünderung noch durch Bettelei belästigten. Ja es ging die gute Meinung, welche man von diesen entlassenen Soldaten hegte, soweit, daß wenn z. B. ein Bäcker, Maurer oder Fuhrman sich durch Fleiß und Redlichkeit bemerkbar machte, man unverholen aussprach, er müsse einst zu Oliver Cromwells alten Soldaten gehört haben. —