Geschichte Englands vor der Restauration.

[ Inhalt.]


Seite
[Einleitung][5]
[Britannien unter den Römern][6]
[Britannien unter den Sachsen][7]
[Bekehrung der Sachsen zum Christenthume][8]
[Dänische Invasionen][10]
[Die Normannen][10]
[Die normannische Eroberung][12]
[Trennung Englands von der Normandie][13]
[Die Vermischung der Volksstämme][14]
[Englische Eroberungen auf dem Festlande][15]
[Der Krieg der Rosen][17]
[Aufhören der Leibeigenschaft][17]
[Wohlthätiges Wirken der römisch-katholischen Religion][18]
[Die frühere englische Staats­verfassung als oft falsch dargestellt][19]
[Natur der beschränkten Monarchien des Mittelalters][21]
[Hoheitsrechte der früheren englischen Könige][21]
[Beschränkungen der Hoheitsrechte][22]
[Widerstand, die gewöhnliche Schranke der Tyrannei][25]
[Eigenthüm­licher Charakter der englischen Aristokratie][27]
[Regierung der Tudors][28]
[Die beschränkten Monarchien des Mittelalters sind allgemein in absolute Monarchien verwandelt][30]
[Die englische Monarchie als besondere Ausnahme][31]
[Die Reformation und ihre Wirkungen][31]
[Ursprung der Kirche von England][35]
[Ihr eigenthümlicher Charakter][36]
[Das Verhältniß, in welchem sie zu der Krone stand][37]
[Die Puritaner][40]
[Ihr republikanischer Geist][41]
[Gegen die Regierung Elisabeths erhob sich keine systematische parlamentarische Opposition][41]
[Monopolfrage][42]
[Schottland und Irland werden wieder mit England Theile ein und desselben Reichs][43]
[Verminderung des Einflusses Englands nach der Thronbesteigung Jakobs I.][46]
[Die Lehre vom göttlichen Rechte][47]
[Die Kluft zwischen der Kirche und den Puritanern wird größer][49]
[Thronbesteigung und Charakter Karls I.][55]
[Taktik der Opposition im Hause der Gemeinen][55]
[Bitte um Recht][56]
[Die Bitte um Recht wird verletzt][57]
[Charakter und Ansichten Wentworths][57]
[Charakter Laud’s][58]
[Sternkammer und Hohe Commission][58]
[Schiffsgeld][59]
[Widerstand gegen die Liturgie in Schottland][60]
[Ein Parlament wird berufen und aufgelöst][62]
[Das Lange Parlament][63]
[Erstes Auftreten der beiden großen englischen Parteien][64]
[Der irische Aufstand][68]
[Die Remonstration][69]
[Anklage der fünf Mitglieder][70]
[Karls Abreise von London][71]
[Anfang des Bürgerkrieges][73]
[Erfolge der Royalisten][75]
[Erstehen der Independenten][75]
[Oliver Cromwell][76]
[Selbstverläugnungsverordnung][76]
[Sieg des Parlaments][77]
[Herrschaft und Charakter der Armee][77]
[Unterdrückung der Aufstände gegen die Soldaten­herrschaft][79]
[Verfahren gegen den König][80]
[Seine Hinrichtung][82]
[Unterwerfung Irlands und Schottlands][83]
[Das Lange Parlament wird vertrieben][84]
[Oliver Cromwells Protektorat][86]
[Richard, Cromwells Nachfolger][89]
[Sturz Richards und Wiedereinsetzung des Langen Parlaments][91]
[Zweite Vertreibung des Langen Parlaments][92]
[Die Armee von Schottland rückt in England ein][93]
[Monk erklärt sich für ein freies Parlament][94]
[Allgemeine Wahl von 1660][95]
[Die Restauration][96]
[2. Kapitel]

Einleitung. [Es] ist meine Absicht, die Geschichte Englands von der Thronbesteigung König Jakobs II. bis auf eine Zeit herab zu schreiben, deren sich noch jetzt lebende Menschen erinnern. Ich will die Fehlgriffe berichten, durch die sich das Haus Stuart in wenig Monaten einen getreuen Adel und eine anhängliche Geistlichkeit entfremdete; die Bahn der Revolution verfolgen, die dem langen Kampfe zwischen unsern souverainen Herrschern und ihren Parlamenten ein Ziel setzte und nicht minder die Rechte des Volkes als die der regierenden Fürstenfamilie feststellte; ich will ferner von dem neu errichteten Throne erzählen, der viel unruhige Jahre hindurch erfolgreich gegen äußere und innere Feinde vertheidigt ward; erzählen, wie unter dem Schutze desselben die Ausübung der Gesetze und die Sicherheit des Eigenthums sich mit einer Freiheit der Discussion und des individuellen Handelns, wie sie früher nicht gekannt, als vereinbar erwies; wie aus der glücklichen Vereinbarung von Ordnung und Freiheit eine in den Jahrbüchern der Geschichte beispiellose bürgerliche Wohlfahrt erblühte, wie unser Vaterland sich rasch aus einem Zustande schmählicher Abhängigkeit zu der Autorität eines Schiedsrichters unter den europäischen Mächten emporschwang; wie mit seinem Reichthume sein kriegerischer Ruhm wuchs; wie es sich durch kluge und unerschütterliche Zuverlässigkeit nach und nach einen öffentlichen Credit schuf, der, Wunder bewirkend, den Staats­männern früherer Zeiten unglaublich erschienen sein würde; wie aus einem riesigen Handel eine Seemacht hervorging, mit welcher verglichen jede andere Seemacht älterer und neuerer Zeit zu völliger Bedeutungslosigkeit herabsinkt; wie Schottland nach jahrhundert­langer Feindschaft mit England nicht nur durch die Bande der Gesetze, sondern durch die noch unauflöslicheren Bande der gemeinsamen Interessen und der Zuneigung vereinigt ward; wie die britischen Ansiedelungen in Amerika schnell reicher und mächtiger wurden, als jene Königreiche, welche Cortez und Pizarro den Ländern Karls V. gewannen; und wie endlich britische Abenteurer in Asien ein Reich gründeten, das dem Alexanders an Glanz und Festigkeit nicht nachstand.

Nicht minder habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, große Unglücksfälle, aus denen Triumphe hervorgingen, zu berichten und große nationale Verbrechen und Thorheiten, die tiefer erniedrigen, als irgend ein Mißgeschick; ich werde darthun, daß die Güter, welche wir zu den höchsten Segnungen zählen, nicht rein wie Gold sind; daß das System, nach welchem man unsere Freiheiten gegen die Willkür der königlichen Macht schützte, eine neue Art Mißbräuche erschuf, die man in unbeschränkten Monarchien nicht kennt; man wird ersehen, daß theils durch unkluge Einmischung, theils durch thörichte Vernachlässigung, aus der Blüte des Wohlstandes und der Ausdehnung des Handels nicht nur unermeßlicher Segen, sondern auch Übel hervorgingen, welche armen und uncultivirten Gesellschaften fremd sind; wie in zwei bedeutenden Besitzthümern der Krone dem verübten Unrechte gerechte Vergeltung ward; wie Unklugheit und Eigensinn die Bande lös’ten, welche die nordamerikanischen Kolonien mit dem Mutterlande vereinten; wie das mit dem Fluche der Herrschaft eines Volksstammes über den andern und einer Konfession über die andere belastete Irland zwar ein Glied des Staats­körpers blieb, aber welk und ausgerenkt ihm keine Kraft verlieh, so daß Alle, welche die Größe Englands fürchten oder beneiden, vorwurfsvoll darauf hindeuten.