[54.] 19.(29.) August 1688.
[55.] 4.(14.) Sept. 1688.
Jakob wird gewarnt. [Es] war in der That unmöglich, daß ein so umfassender Plan, wie der gegen den König von England entworfene war, viele Wochen lang geheim bleiben konnte. Keine Vorsicht konnte es verhindern, daß scharfblickende Leute Wilhelm’s großartige Kriegsrüstungen zu Lande und zur See bemerkten und den Zweck dieser Rüstungen ahneten. Schon Anfang August raunte man einander in London zu, daß ein großes Ereigniß im Anzuge sei. Der schwache und bestochene Albeville, der sich damals zu Besuch in England befand, war überzeugt oder stellte sich wenigstens so, daß die holländische Regierung keine feindlichen Absichten gegen England hege. Aber während Albeville’s Abwesenheit versah Avaux mit ausgezeichneter Umsicht die Geschäfte eines französischen und englischen Gesandten zugleich bei den Generalstaaten und lieferte sowohl Barillon als auch Ludwig ausführliche Nachrichten. Avaux war fest überzeugt, daß eine Landung in England beabsichtigt wurde, und es gelang ihm, seinem Gebieter die Richtigkeit dieser Vermuthung vollkommen einleuchtend zu machen. Jeder Courier, der entweder vom Haag oder von Versailles nach Westminster kam, brachte ernste Warnungen mit.[56] Jakob aber war in einer Täuschung befangen, in der er allem Anscheine nach von Sunderland geschickt erhalten wurde. Der Prinz von Oranien, sagte der schlaue Minister, werde es nie wagen, eine überseeische Expedition zu unternehmen und Holland von Vertheidigungsmitteln zu entblößen. Die Generalstaaten würden sich in Erinnerung dessen, was sie während des furchtbaren Kampfes von 1672 gelitten und zu fürchten gehabt hätten, gewiß nicht der Gefahr aussetzen, wieder ein feindliches Heer auf der Ebene zwischen Utrecht und Amsterdam lagern zu sehen. Es herrsche allerdings große Unzufriedenheit in England, aber zwischen Unzufriedenheit und Rebellion liege noch eine große Kluft. Männer von Rang und Vermögen seien nicht so leicht zu bewegen, ihre Stellung, ihr Eigenthum und ihr Leben auf’s Spiel zu setzen. Wie viele hochstehende Whigs hätten zu der Zeit, als Monmouth in den Niederlanden war, eine übermüthige Sprache geführt! Und welcher hochstehende Whig habe sich ihm angeschlossen, als er sein Banner aufgepflanzt? Es sei leicht erklärlich, warum Ludwig sich stellte, als ob er diesen leeren Gerüchten Glauben schenke. Er hoffte ohne Zweifel, den König von England durch Ängstigung zu bestimmen, daß er in dem kölner Streite auf die Seite Frankreichs trat. Durch solche Argumente ließ Jakob sich leicht in eine stupide Sicherheit wiegen.[57] Ludwig’s Angst und Unwille nahm dagegen mit jedem Tage zu und der Ton seiner Briefe wurde immer schärfer und heftiger.[58] Er sagte, er könne diese Gleichgültigkeit am Vorabende einer großen Krisis nicht begreifen. Sei denn der König behext? Seien seine Minister blind? Sei es möglich, daß Niemand in Whitehall merkte, was in England und auf dem Continent vorging? Eine so thörichte Sicherheit könne doch kaum die Wirkung bloßer Unvorsichtigkeit sein, dahinter müsse absichtliche Täuschung stecken, Jakob müsse offenbar in treulosen Händen sein. Barillon wurde dringend ermahnt, den englischen Ministern nicht vollkommen zu trauen; aber alle Ermahnungen waren umsonst. Ihn sowohl als Jakob hatte Sunderland mit einem Zauber umsponnen, den keine Ermahnungen zerstören konnten.
[56.] Avaux 19.(29.) Juni; 31. Juli (10. Aug,), 11.(21.) Aug. 1688; Ludwig an Barillon, 2.(12.), 16.(26.) Aug.
[57.] Barillon 20.(30.) Aug., 23. Aug. (2. Sept.) 1688; Adda, 24. Aug. (3. Sept.); Clarke’s Life of James the Second, II. 177. Orig. Mem.
[58.] Ludwig an Barillon, 3.(13.), 8.(18.), 11.(21.) Sept. 1688.
Ludwig’s Bemühungen, um Jakob zu retten. [Ludwig] regte sich nachdrücklich. Bonrepaux, welcher Barillon an Schlauheit weit überlegen war und der Sunderland stets mit feindseligem und argwöhnischem Blicke betrachtet hatte, wurde mit dem Anerbieten einer Unterstützung durch Schiffe nach London gesandt. Zu gleicher Zeit erhielt Avaux Auftrag, den Generalstaaten zu erklären, daß Frankreich den König Jakob unter seinen Schutz genommen habe. Ein starkes Truppencorps wurde zum Aufbruch nach der holländischen Grenze bereit gehalten. Dieser kühne Versuch, den verblendeten Tyrannen wider seinen Willen zu retten, wurde im vollen Einverständniß mit Skelton gemacht, der jetzt Gesandter England’s am Hofe von Versailles war.
Avaux verlangte seinen Instructionen gemäß eine Audienz bei den Generalstaaten, die ihm bereitwillig zugestanden wurde. Die Versammlung war ungewöhnlich zahlreich. Man glaubte allgemein, daß er eine Eröffnung in Bezug auf den Handel machen werde, und der Präsident hatte sich mit einer in dieser Voraussetzung entworfenen Antwort versehen. Sobald aber Avaux sich seines Auftrags zu entledigen begann, äußerten sich unverkennbare Zeichen von Mißbehagen. Diejenigen, von denen man glaubte, daß sie das Vertrauen des Prinzen von Oranien genossen, schlugen die Augen nieder. Die Aufregung nahm zu, als der Gesandte ankündigte, daß sein Gebieter durch die engsten Bande der Freundschaft und Allianz mit Seiner Großbritannischen Majestät verbunden sei und daß jeder Angriff auf England als eine Kriegserklärung gegen Frankreich betrachtet werden würde. Der völlig unvorbereitete Präsident stammelte einige ausweichende Phrasen hervor und die Conferenz war zu Ende. Zu gleicher Zeit war den Staaten angekündigt worden, daß Ludwig den Cardinal Fürstenberg und das kölner Domkapitel unter seinen Schutz genommen habe.[59]
Die Deputirten waren in der größten Bestürzung. Einige empfahlen Vorsicht und Aufschub. Andere athmeten nichts als Krieg. Fagel sprach mit Heftigkeit von der französischen Anmaßung und bat seine Collegen dringend, sich durch Drohungen nicht einschüchtern zu lassen. Er sagte, die passende Antwort auf eine solche Mittheilung sei die Verstärkung des Heeres und die Ausrüstung neuer Schiffe. Es wurde augenblicklich ein Courier abgesandt, um Wilhelm von Minden zu holen, wo er eine wichtige Besprechung mit dem Kurfürsten von Brandenburg hatte.
[59.] Avaux, 23. August (2. Sept.), 30. Aug. (9. Sept.) 1688.