[69.] Eachard’s History of the Revolution, II. 2.
Seine Seemacht. [Anscheinend] standen ihm allerdings große Mittel zu Gebote. Die Flotte war in einem viel besseren Zustande als zur Zeit seiner Thronbesteigung, und diese Verbesserung muß zum Theil seinen eigenen Anstrengungen zugeschrieben werden. Er hatte keinen Lordgroßadmiral oder Admiralitätsrath ernannt, sondern die Hauptleitung der Marineangelegenheiten in seiner eignen Hand behalten und Pepys hatte ihn dabei kräftig unterstützt. Ein Sprichwort sagt, daß der Blick eines Meisters sicherer ist, als der eines Stellvertreters, und in einer Zeit der Bestechung und der Unterschleife kann man annehmen, daß ein Verwaltungszweig, dem der Souverain selbst, sei er auch von noch so beschränkten Gaben, genaue persönliche Aufmerksamkeit zuwendet, von Mißbräuchen verhältnißmäßig ziemlich frei bleiben wird. Ein geschickterer Marineminister als Jakob würde nicht schwer zu finden gewesen sein; schwerlich aber würde man unter den damaligen Staatsmännern einen Marineminister gefunden haben, der nicht Vorräthe nutzlos vergeudet, von Lieferanten Bestechungen angenommen und der Krone Kosten für Reparaturen aufgebürdet haben würde, welche nie gemacht worden waren. Der König war in der That fast der Einzige, von dem man überzeugt sein konnte, daß er den König nicht bestehlen würde. Daher waren denn auch während der letzten drei Jahre auf den Schiffswerften viel weniger Veruntreuungen und Diebereien vorgekommen als früher. Es waren wirklich seetüchtige Schiffe gebaut worden und durch eine zweckmäßige Verordnung waren die Gehalte der Kapitaine erhöht, zu gleicher Zeit aber auch ihnen streng verboten worden, ohne besondere königliche Erlaubniß Waaren von einem Hafen zum andren zu führen. Die Wirkung dieser Reformen machte sich schon bemerkbar, und es wurde Jakob nicht schwer, in kurzer Zeit eine ansehnliche Flotte auszurüsten. Dreißig Linienschiffe dritten und vierten Ranges wurden unter dem Commando Lord Dartmouth’s in der Themse versammelt. Dartmouth’s Loyalität war über jeden Zweifel erhaben, und er galt für eben so geschickt und kenntnißreich in seinem Fache als irgend einer der patrizischen Seeleute, die sich damals ohne ordentliche seemännische Erziehung und Ausbildung zu den höchsten Schiffscommando’s emporschwangen und welche zu gleicher Zeit Flaggenoffiziere zur See und Infanterieobersten im Landheere waren.[70]
[70.] Pepys’s Memoirs relating to the Royal Navy, 1690; Clarke’s Life of James the Second, II. 186. Orig. Mem.; Adda, 24. Sept. (4. Oct.); Citters, 21. Sept. (1. Oct.)
Seine militairischen Mittel. [Die] reguläre Armee war die stärkste, die je ein König von England zu seiner Verfügung gehabt hatte, und sie wurde rasch noch verstärkt. Alle vorhandenen Regimenter wurden um neue Compagnien vermehrt und neue Regimenter ausgehoben. Die Stärke des englischen Heeres wurde dadurch um viertausend Mann erhöht; dreitausend Mann wurden eiligst aus Irland gesendet und eine gleiche Anzahl erhielt Befehl, aus Schottland nach dem Süden zu marschiren. Jakob schätzte die Streitmacht, die er den Einfallenden entgegenstellen konnte, auf vierzigtausend Mann, ungerechnet die Miliz.[71]
Flotte und Landheer waren sonach mehr als ausreichend, um eine holländische Invasion zurückzuschlagen. Konnte man sich aber auf die Flotte und auf die Armee verlassen? Mußte man nicht befürchten, daß die Milizen zu Tausenden zu der Fahne ihres Befreiers übergehen würden? Die Partei, welche vor einigen Jahren für Monmouth das Schwert gezogen, konnte es gewiß kaum erwarten, den Prinzen von Oranien willkommen zu heißen. Und was war aus der Partei geworden, welche siebenundvierzig Jahre lang das Bollwerk der Monarchie gewesen? Wo waren jetzt die tapferen Gentlemen, welche stets bereit gewesen waren, ihr Blut für die Krone zu vergießen? Mißhandelt und verhöhnt, von der Richterbank vertrieben und aller militairischen Commando’s beraubt, sahen sie die Gefahr ihres undankbaren Gebieters mit unverhohlener Schadenfreude. Wo waren die Priester und Prälaten, welche auf zehntausend Kanzeln die Pflicht des Gehorsams gegen den gesalbten Stellvertreter Gottes gepredigt hatten? Einige waren eingekerkert. Andere ausgeplündert. Alle waren unter das eiserne Regiment der Hohen Commission gestellt worden und hatten beständig gefürchtet, daß eine neue Laune der Tyrannei sie ihrer Pfründen berauben und ohne ein Stück Brot lassen würde. Daß die Männer der Staatskirche den Grundsatz, auf den sie immer das größte Gewicht gelegt hatten, so vollständig vergessen würden, um sich dem thätigen Widerstande anzuschließen, schien auch jetzt noch unglaublich. Aber konnte ihr Unterdrücker erwarten, daß er bei ihnen noch den Geist finden werde, der unter der vorhergehenden Generation die Armeen Essex’ und Waller’s besiegt, und sich nur nach einer verzweifelten Gegenwehr dem Genie und der Kraft Cromwell’s unterworfen hatte?
[71.] Clarke’s Life of James the Second. II. 186. Orig. Mem.; Adda, 24. Sept. (4. Oct.); Citters, 21. Sept. (1. Oct.)
Er versucht es, seine Unterthanen mit sich auszusöhnen. [Der] Tyrann wurde von der Angst überwältigt. Er sagte nicht mehr, daß Nachgiebigkeit die Fürsten jederzeit ins Verderben gestürzt habe, und gab gezwungen zu, daß er sich herablassen müsse, den Tories noch einmal zu schmeicheln.[72] Man hat Grund zu der Annahme, daß um diese Zeit Halifax eingeladen wurde, wieder ein Ministerium zu übernehmen und daß er auch nicht abgeneigt dazu war. Die Rolle eines Vermittlers zwischen den Throne und der Nation war diejenige, zu der er sich am besten eignete und nach der er am eifrigsten strebte. Warum die betreffende Unterhandlung mit ihm abgebrochen wurde, ist nicht bekannt, aber es ist nicht unwahrscheinlich, daß die Dispensationsfrage das unübersteigliche Hinderniß war. Sein Widerwille gegen diese Befugniß war vor drei Jahren die Veranlassung zu seiner Ungnade gewesen, und es war seitdem nichts geschehen, was geeignet gewesen wäre ihn andren Sinnes zu machen. Jakob seinerseits hatte sich fest vorgenommen, in diesem Punkte kein Zugeständniß zu machen.[73] In anderen Dingen war er minder starrsinnig. Er erließ eine Proklamation, in der er feierlich versprach, die anglikanische Kirche zu schützen und die Uniformitätsacte aufrecht zu erhalten. Er erklärte sich bereit, um der Eintracht willen große Opfer zu bringen. Er wolle nicht mehr darauf beharren, daß Katholiken ins Unterhaus zugelassen würden und er hege das gute Vertrauen zu seinem Volke, daß es einen solchen Beweis von seinem aufrichtigen Willen, ihren Wünschen zu entsprechen, gebührend anerkennen werde. Drei Tage später kündigte er an, daß es seine Absicht sei, alle Magistratsbeamten und stellvertretenden Lieutenants, welche entlassen worden waren, weil sie seine Politik nicht hatten unterstützen wollen, wieder anzustellen. Den Tag nach dem Erscheinen dieser Ankündigung wurde Compton’s Suspension wieder aufgehoben.[74]
[72.] Adda, 28. Sept. (8. Oct.) 1688. In dieser Depesche ist Jakob’s Angst vor einem allgemeinen Abfalle seiner Unterthanen kräftig geschildert.
[73.] Die spärlichen Aufschlüsse, welche wir über diese Unterhandlung haben, verdanken wir Reresby. Seine Quelle war eine Dame, die er nicht nennt und der man gewiß nicht unbedingt glauben durfte.
[74.] London Gazette, Sept. 24., 27., Oct. 1. 1688.