Er bewilligt den Bischöfen eine Audienz. [Zu] gleicher Zeit gab der König allen damals in London anwesenden Bischöfen eine Audienz. Sie hatten um eine solche nachgesucht, um ihm in seiner kritischen Lage ihren Rath anzubieten. Der Primas führte das Wort. Er bat ehrerbietig darum, daß die Verwaltung den Händen gehörig qualificirter Personen übergeben, daß alle unter dem Vorwande des Dispensationsrechts vorgenommenen Acte widerrufen, daß die kirchliche Commission abgeschafft, daß die dem Magdalenen-Collegium zugefügte Unbill wieder gutgemacht und daß die alten Privilegien der Municipalkörperschaften wiederhergestellt werden möchten. Er gab sehr deutlich zu verstehen, daß es ein wünschenswerthes Mittel gebe, durch welches der Thron vollkommen gesichert und das erschütterte Reich wieder beruhigt werden könne. Wenn Seine Majestät die zwischen der römischen und anglikanischen Kirche obschwebenden Streitpunkte nochmals in Erwägung ziehen wolle, so würde er durch die Gründe, welche sie ihm vorzutragen wünschten, unter Gottes Beistande vielleicht zu der Überzeugung gebracht werden, daß es seine Pflicht sei, zu dem Glauben seines Vaters und seines Großvaters zurückzukehren. Bis hierher, fuhr Sancroft fort, habe er die Ansicht seiner Collegen ausgesprochen. Aber es sei noch ein Punkt, über den er sich nicht mit ihnen berathen habe, auf den er jedoch den König aufmerksam machen zu müssen glaube. Allerdings sei er auch das einzige Mitglied seines Standes, welches diesen Gegenstand berühren dürfe, ohne sich dem Verdachte eines eigennützigen Beweggrundes auszusetzen. Der erzbischöfliche Stuhl von York war seit drei Jahren erledigt. Der Erzbischof bat den König dringend, er möge denselben schleunigst mit einem frommen und gelehrten Geistlichen besetzen, und fügte hinzu, es werde sich unter den eben Anwesenden leicht, ein solcher Mann finden. Der König verstand es sich hinreichend zu beherrschen, um für diesen bitteren Rath zu danken und zu versprechen, daß er denselben in Erwägung ziehen wolle.[75] Von dem Dispensationsrecht aber wollte er durchaus nichts nachlassen. Keine gesetzlich unqualificirte Person wurde von irgend einem bürgerlichen oder militairischen Amte entfernt. Aber einige von Sancroft’s Vorschlägen wurden befolgt. Binnen zweimal vierundzwanzig Stunden war der Gerichtshof der Hohen Commission abgeschafft.[76] Es ward beschlossen, der Hauptstadt ihren vor sechs Jahren entzogenen Freibrief zurückzugeben und der Kanzler selbst mußte das ehrwürdige Pergament feierlich nach der Guildhall tragen.[77] Acht Tage später erfuhr das Publikum, daß der Bischof von Winchester, der vermöge seiner amtlichen Stellung Visitator des Magdalenen-Collegiums war, vom Könige beauftragt sei, alle Mißstände in diesem Collegium abzustellen. Zu dieser letzten Demüthigung hatte sich der König nicht ohne langen inneren Kampf und bitteren Schmerz entschlossen. Er verstand sich in der That erst dazu, nachdem der apostolische Vikar Leyburn, der sich bei jeder Gelegenheit als einsichtsvoller und rechtschaffener Mann benommen zu haben scheint, erklärt hatte, daß seiner Ansicht nach den vertriebenen Collegiaten und ihrem Präsidenten Unrecht gethan worden sei und daß ihre Wiedereinsetzung aus religiösen wie aus politischen Gründen erfolgen müsse.[78] Nach wenigen Tagen erschien eine Proklamation, welche die entzogenen Privilegien aller Municipalkörperschaften wiederherstellte.[79]
[75.] Tanner MSS; Burnet I. 784. Burnet hat, wie ich glaube, diese Audienz mit einer andren verwechselt, welche einige Wochen später stattfand.
[76.] London Gazette, Oct. 8. 1688.
[77.] Ibid.
[78.] Ibid. Oct. 15, 1688; Adda, 12.(22.) Oct. Obgleich der Nuntius im Allgemeinen Gewaltmaßregeln abgeneigt war, so scheint er doch gegen die Wiedereinsetzung Hough’s opponirt zu haben, wahrscheinlich aus Rücksicht auf die Interessen Giffard’s und der anderen Katholiken, welche Mitglieder des Magdalenen-Collegiums waren. Leyburn erklärte selbst: „Nel sentimento che fosse stato uno spoglio, e che il possesso in cui si trovano ora li Cattolici fosse violento ed illegale, onde non era privar questi di un dritto acquisto, ma rendere agli altri quello era stato levalo con violenza.“
[79.] London Gazette, Oct. 18. 1688.
Seine Zugeständnisse werden übel aufgenommen. [Jakob] schmeichelte sich mit der Hoffnung, daß die ausgedehnten Zugeständnisse, die er im Laufe eines Monats gemacht, ihm die Herzen seines Volks wieder gewinnen würden. Es unterliegt auch keinem Zweifel, daß diese Zugeständnisse, wenn sie gemacht worden wären, als noch kein Grund zu der Befürchtung eines Einfalls von Seiten Hollands vorhanden war, viel zur Versöhnung der Tories beigetragen haben würden. Aber Fürsten, welche der Angst zugestehen, was sie der Gerechtigkeit verweigert haben, dürfen keinen Dank erwarten. Seit drei Jahren war der König gegen alle Vorstellungen und Bitten taub gewesen. Jeder Minister, der sich erlaubt hatte, seine Stimme zu Gunsten der bürgerlichen und kirchlichen Verfassung des Reichs zu erheben, war in Ungnade gefallen. Ein ausgezeichnet loyales Parlament hatte es gewagt, bescheiden und ehrerbietig gegen eine Verletzung der Grundgesetze Englands zu protestiren; es hatte dafür einen strengen Verweis erhalten und war prorogirt und aufgelöst worden. Ein Richter nach dem andren war des Hermelins beraubt worden, weil er sich geweigert hatte, Erkenntnisse abzugeben, welche dem gemeinen Rechte und dem Gesetzbuche zuwiderliefen. Die achtungswerthesten Kavaliere waren von jeder Theilnahme an der Verwaltung der Grafschaften ausgeschlossen worden, weil sie sich geweigert hatten, die öffentlichen Freiheiten zu verrathen. Geistliche waren zu Dutzenden abgesetzt worden, weil sie ihre Eide nicht brechen wollten. Prälaten, deren unerschütterlicher Treue der König seine Krone verdankte, hatten ihn auf den Knien gebeten, daß er ihnen nicht befehlen möchte, die Gesetze Gottes und des Landes zu verletzen. Ihre bescheidene Bittschrift war als ein aufrührerisches Libell betrachtet worden. Sie waren hart angelassen, bedroht, ins Gefängniß geworfen, gerichtlich verfolgt worden und waren mit genauer Noth dem gänzlichen Verderben entronnen. Jetzt endlich begann die Nation, da sie sah, daß das Recht durch die Macht mit Füßen getreten und selbst Bitten als ein Verbrechen betrachtet wurden, auf den Gedanken zu kommen, das Kriegsglück zu versuchen. Der Tyrann erfuhr, daß ein bewaffneter Befreier zur Hand sei, der von Whigs und Tories, von Dissenters und Anglikanern freudig begrüßt werden würde. Da wurde mit einem Male Alles anders. Die nämliche Regierung, welche treue und eifrige Dienste mit Beraubung und Verfolgung vergolten, die Regierung, welche auf gewichtige Gründe und rührende Bitten nur mit Beleidigungen und Schmähungen geantwortet hatte, wurde in einem Augenblicke merkwürdig freundlich. Jede Nummer der Gazette brachte die Abstellung einer neuen Beschwerde. Man sah es also deutlich, daß man sich auf die Billigkeit, die Humanität und das verpfändete Wort des Königs nicht verlassen konnte und daß er nur so lange gut regieren würde, als er gewaltsamen Widerstand fürchtete. Seine Unterthanen waren daher durchaus nicht geneigt, ihm ein Vertrauen wieder zu schenken, das er sich völlig verscherzt hatte, oder den Druck zu lindern, der ihm die einzigen guten Maßregeln seiner ganzen Regierung abgepreßt hatte. Die allgemeine Ungeduld, mit der man die Ankunft der Holländer erwartete, nahm mit jedem Tage zu. Das Volk verwünschte den Wind, der um diese Zeit beharrlich aus dem Westen kam, die Flotte des Prinzen am Auslaufen hinderte und zugleich immer neue Regimenter von Dublin nach Chester brachte. Man sagte, es sei papistisches Wetter. In Cheapside standen fortwährend Massen von Menschen, welche nach der Wetterfahne auf der Spitze des schlanken Thurmes der Bowkirche blickten und den Himmel um protestantischen Wind baten.[80]
Die allgemeine Stimmung wurde noch mehr erbittert durch einen Vorfall, der zwar rein zufällig war, aber leicht erklärlicherweise der Perfidie des Königs zugeschrieben wurde. Der Bischof von Winchester kündigte an, daß er auf königlichen Befehl die vertriebenen Mitglieder des Magdalenen-Collegiums wieder einzusetzen gedenke. Er bestimmte zu der Feierlichkeit den 21. October und traf am 20. in Oxford ein. Die ganze Universität war in erwartungsvoller Spannung. Die vertriebenen Collegiaten waren aus allen Theilen des Landes herbeigekommen, um ihre geliebte Heimath wieder in Besitz zu nehmen. Dreihundert berittene Gentlemen geleiteten den Visitator nach seiner Wohnung. Während seines Zuges durch die Stadt, gingen alle Glocken und High Street war mit einer jubelnden Zuschauermenge gefüllt. Er begab sich zur Ruhe. Am andren Morgen versammelte sich eine freudig bewegte Menge an den Eingängen des Magdalenen-Collegiums; aber der Bischof erschien nicht. Bald erfuhr man, daß er durch einen königlichen Boten aus dem Schlafe geweckt und aufgefordert worden war, unverzüglich nach Whitehall zu kommen. Diese rücksichtslose Täuschung erregte große Verwunderung und Angst; in einigen Stunden aber trafen Nachrichten ein, welche Gemüthern, die nicht ohne Grund das Schlimmste zu glauben geneigt waren, die Sinnesänderung des Königs genügend zu erklären schienen. Die holländische Flotte war ausgelaufen, aber durch einen Sturm zurückgetrieben worden. Das Gerücht vergrößerte den Unfall. Eine Menge Schiffe sollten zu Grunde gegangen und tausende von Pferden umgekommen sein. Jeder Gedanke an ein Unternehmen gegen England müsse, wenigstens für dieses Jahr aufgegeben werden. Hier mache die Nation wieder eine schöne Erfahrung. So lange Jakob einen nahe bevorstehenden Einfall und Aufstand erwartet, habe er Befehl zur Wiedereinsetzung Derer gegeben, die er gesetzwidrig beraubt; sobald er sich aber wieder für sicher gehalten habe, sei dieser Befehl widerrufen worden. Obgleich diese Beschuldigung damals allgemein geglaubt und später von Schriftstellern wiederholt wurde, welche hätten gut unterrichtet sein können, war sie doch völlig ungegründet. Es ist erwiesen, daß die Nachricht von dem Mißgeschick der holländischen Flotte auf keinem Wege früher nach Westminster gelangen konnte, als einige Stunden nachdem der Bischof von Winchester den Befehl erhalten hatte, der ihn von Oxford zurückrief. Der König hatte jedoch wenig Recht, sich über den Argwohn seines Volkes zu beschweren. Es war lediglich seine Schuld, wenn es zuweilen ohne genaue Untersuchung der Beweise etwas seiner unehrlichen Politik zuschrieb, was in Wirklichkeit nur Folge eines Zufalls oder eines Versehens war. Daß Leute, welche gewohnheitsmäßig ihr Wort brechen, auch dann keinen Glauben finden, wenn sie es einmal wirklich zu halten gedenken, ist ein Theil ihrer gerechten und natürlichen Strafe.[81]
Es ist bemerkenswerth, daß Jakob sich bei dieser Gelegenheit eine unverdiente Beschuldigung lediglich durch das eifrige Bestreben zuzog, sich von einer andren eben so unverdienten zu reinigen. Der Bischof war so eilig von Oxford zurückberufen worden, um einer außerordentlichen Staatsrathssitzung, oder vielmehr einer nach Whitehall berufenen Versammlung von Notablen beizuwohnen. Außer den wirklichen Mitgliedern des Geheimen Raths nahmen an dieser feierlichen Sitzung alle geistlichen und weltlichen Lords Theil, welche zufällig in der Hauptstadt oder doch in der Nähe derselben waren, außerdem die Richter, die Kronanwälte, der Lordmayor und die Aldermen von London. Petre hatte den Wink bekommen, er werde wohl daran thun, wenn er wegbliebe. Es würden auch in der That wenige Peers Lust gehabt haben, neben ihm zu sitzen. In der Nähe des obersten Sitzes war ein Staatssessel für die Königin Wittwe bereit gestellt. Auch die Prinzessin Anna war zur Theilnahme an der Sitzung eingeladen worden, hatte sich aber mit Unwohlsein entschuldigt.
[80.] „Vento Papista“, sagt Adda unterm 24. Oct. (3. Nov.) 1688. Der Ausdruck „protestantischer Wind“ scheint zuerst auf den Wind angewendet worden zu sein, welcher Tyrconnel eine Zeitlang verhinderte, seine Statthalterschaft in Irland anzutreten. Siehe den ersten Theil des „Lillibullero.“