[81.] Alle hierauf bezüglichen Beweise sind in Howell’s Ausgabe der Staatsprozesse zusammengestellt.

Dem Geheimen Rath werden Beweise für die legitime Geburt des Prinzen von Wales vorgelegt. [Jakob] sagte dieser zahlreichen Versammlung, daß er es für nöthig halte, Beweise für die Geburt seines Sohnes beizubringen. Die Einflüsterungen böser Menschen hätten die öffentliche Meinung in einer solchen Ausdehnung vergiftet, daß Viele den Prinzen von Wales für ein untergeschobenes Kind hielten. Die Vorsehung aber habe es mit weiser Hand gefügt, daß kaum je ein andrer Prinz in Anwesenheit so vieler Augenzeugen zur Welt gekommen sei. Diese Zeugen traten nun auf und gaben ihre Aussagen ab. Nachdem sie sämmtlich zu Protokoll genommen waren, erklärte Jakob mit großer Feierlichkeit, daß die ihm zur Last gelegte Beschuldigung durchaus falsch sei und daß er lieber einen tausendfachen Tod sterben als einem seiner Kinder Unrecht thun würde.

Alle Anwesenden schienen befriedigt zu sein. Die Zeugenaussagen wurden sogleich veröffentlicht und einsichtsvolle und unparteiische Personen erkannten die Glaubwürdigkeit derselben an.[82] Aber die Verständigen bilden immer eine Minorität, und unparteiisch war damals kaum irgend Jemand. Die ganze Nation war überzeugt, daß jeder aufrichtige Papist es für seine Pflicht hielt, einen falschen Eid zu schwören, wenn er dadurch dem Interesse seiner Kirche diente, und Leute, welche ursprünglich Protestanten, um des Gewinnes willen aber scheinbar zum Papismus übergetreten waren, verdienten womöglich noch weniger Glauben als aufrichtige Papisten. Die Aussagen aller Derjenigen, welche diesen beiden Klassen angehörten, wurden daher von vornherein als null und nichtig betrachtet, und dadurch wurde das Gewicht des Beweises, von dem sich Jakob viel versprochen hatte, bedeutend verringert. Was übrig blieb wurde boshaft bekrittelt. Gegen jeden der protestantischen Zeugen, welche etwas Wesentliches ausgesagt, hatte man etwas einzuwenden. Der Eine war notorisch ein habgieriger Schmarotzer; der Andre hatte zwar seinen Glauben nicht abgeschworen, war aber nahe verwandt mit einem Apostaten. Die Leute fragten, wie sie von Anfang an gefragt hatten, warum, wenn Alles mit rechten Dingen zugegangen sei, der König nicht dafür gesorgt habe, daß die Geburt genügender bewiesen werden könne, da er doch gewußt habe, daß Viele an der wirklichen Schwangerschaft der Königin zweifelten? Lag etwa nichts Verdächtiges in der falschen Berechnung der Zeit, sowie in der Abwesenheit der Prinzessin Anna und des Erzbischofs von Canterbury? Warum war kein Prälat der Landeskirche anwesend? Warum war der holländische Gesandte nicht zugezogen worden? Warum vor Allem hatten die Hyde, diese loyalen Diener der Krone, diese treuen Söhne der Kirche und natürlichen Wächter der Interessen ihrer Nichten, sich nicht unter den Schwarm von Papisten mischen dürfen, welcher in und neben dem Schlafgemache der Königin versammelt war? Warum mit einem Worte befand sich in der langen Liste der Anwesenden nicht ein einziger Name, der das Vertrauen und die Achtung des Publikums genoß? Die wahre Antwort auf diese Fragen war, daß der König einen beschränkten Verstand und einen despotischen Character besaß und daß er mit Freuden eine Gelegenheit ergriffen hatte, um seine Geringschätzung der Meinung seiner Unterthanen an den Tag zu legen. Der große Haufe aber, dem diese Erklärung nicht genügte, schrieb das, was lediglich die Wirkung von Thorheit und Verkehrtheit war, einer vorsätzlichen bösen Absicht zu. Und diese Meinung beschränkte sich nicht allein auf den großen Haufen. Lady Anna sprach am Morgen nach der Staatsrathssitzung bei ihrer Toilette so höhnisch von den Zeugenaussagen, daß selbst die Kammerfrauen, welche sie ankleideten, sich Scherze darüber erlaubten. Einige von den Lords, welche in der Sitzung zugegen gewesen waren und befriedigt zu sein schienen, waren in der That keineswegs überzeugt. Lloyd, Bischof von St. Asaph, dessen Frömmigkeit und Gelehrsamkeit allgemeine Achtung gebot, glaubte bis ans Ende seines Lebens, daß ein Betrug gespielt worden sei.

[82.] Sie finden sich mit ausführlichen Erläuterungen in Howell’s Ausgabe der Staatsprozesse.

Sunderland’s Ungnade. [Die] vor dem Geheimen Rathe abgegebenen Zeugenaussagen waren erst wenige Stunden in den Händen des Publikums, als sich das Gerücht verbreitete, daß Sunderland aller seiner Stellen entsetzt worden sei. Die Nachricht von seiner Ungnade scheint die Kaffeehauspolitiker überrascht zu haben, kam aber Denen, welche die Vorgänge im Palaste beobachtet hatten, nicht unerwartet. Verrath hatte man weder durch rechtlichen noch durch greifbaren Beweis auf ihn bringen können; Diejenigen aber, die ihn scharf im Auge hielten, hatten ihn stark in dem Verdachte, daß er auf diesem oder jenem Wege mit den Feinden der Regierung, bei der er eine so hohe Stellung einnahm, Verbindungen unterhielt. Mit frecher Stirn wünschte er alles zeitliche und ewige Verderben auf sich herab, wenn er schuldig sei. Er betheuerte, sein einziger Fehler bestehe darin, daß er der Krone zu eifrig gedient habe. Habe er der königlichen Sache nicht Bürgschaften gegeben? Habe er nicht jede Brücke abgebrochen, über die er im Fall eines Unglücks seinen Rückzug hätte bewerkstelligen können? Habe er nicht fortwährend das Dispensationsrecht aufs äußerste vertheidigt, in der Hohen Commission gesessen, den Verhaftsbefehl gegen die Bischöfe unterzeichnet und sei er nicht mit eigner Lebensgefahr unter dem Gezisch und den Verwünschungen der Tausende, welche damals Westminsterhall füllten, als Zeuge gegen sie aufgetreten? Habe er nicht den glänzendsten Beweis von seiner Treue gegeben, indem er seinem Glauben entsagt und öffentlich zu einer der Nation verhaßten Kirche übergetreten sei? Was habe er von einer Veränderung zu hoffen? Habe er nicht Alles zu fürchten? So plausible diese Gründe waren und obgleich sie mit der schlauesten Gewandtheit hervorgehoben wurden, sie vermochten den Eindruck, der von hundert verschiedenen Seiten gleichzeitig aufgetauchten Einflüsterungen und Gerüchte nicht zu verwischen. Der König wurde von Tag zu Tag kälter. Sunderland versuchte es nun, sich an die Königin anzulehnen, erlangte auch eine Audienz bei Ihrer Majestät und befand sich gerade in ihrem Zimmer, als Middleton eintrat und ihm auf Befehl des Königs die Siegel abverlangte. An diesem Abend hatte der gefallene Minister die letzte Privatunterredung mit dem Fürsten, dem er geschmeichelt und den er hintergangen hatte. Die Unterredung war höchst merkwürdig. Sunderland spielte den verleumdeten Tugendhelden mit seltener Vollendung. Er sagte, er bedaure den Verlust des Staatssekretariats und der Präsidentschaft im Geheimen Rathe nicht, wenn ihm nur die Achtung seines Herrn und Gebieters bliebe. „Machen Sie mich nicht zum unglücklichsten Unterthan Ihres Reichs, Sire, indem Sie mir die Erklärung verweigern, daß Sie mich von Illoyalität freisprechen.“ Der König wußte nicht was er denken sollte. Ein bestimmter Schuldbeweis lag nicht vor und die Energie und der Pathos, womit Sunderland log, hätte einen schärferen Verstand als der war, mit dem er es zu thun hatte, täuschen können. Bei der französischen Gesandtschaft fanden seine Versicherungen noch immer Glauben. Dort erklärte er, daß er noch einige Tage in London bleiben und sich am Hofe zeigen werde; dann wolle er sich auf seinen Landsitz in Althorpe zurückziehen und seinen zerrütteten Finanzen durch Sparsamkeit wieder aufzuhelfen suchen. Sollte eine Revolution ausbrechen, so müsse er nach Frankreich flüchten; seine schlecht vergoltene Loyalität lasse ihm keine andre Zufluchtsstätte übrig.[83]

Die Sunderland abgenommenen Staatssiegel wurden Preston übergeben. Dieselbe Nummer der Gazette, welche diesen Ministerwechsel ankündigte, enthielt auch die officielle Nachricht von dem Unfalle, der die holländische Flotte betroffen.[84] Dieser Unfall war zwar ernster Art, aber doch bei weitem nicht so schlimm, als der König und seine wenigen durch ihre Wünsche irregeleiteten Anhänger zu glauben geneigt waren.

[83.] Barillon, 8.(18.), 15.(25.), 18.(28.) Oct., 25. Oct. (4. Nov.), 27. Oct. (6. Nov.), 29. Oct. (8. Nov.) 1688; Adda, 26. Oct. (5. Nov.).

[84.] London Gazette, Oct. 29. 1688.

Wilhelm nimmt Abschied von den holländischen Generalstaaten. [Am] 16. October nach englischer Zeitrechnung wurde eine feierliche Sitzung der Staaten von Holland gehalten. Der Prinz erschien, um von ihnen Abschied zu nehmen. Er dankte ihnen für die freundliche Fürsorge, mit der sie über ihn gewacht, als er eine verlassene Waise gewesen, für das Vertrauen, das sie ihm während seiner Verwaltung geschenkt und für den Beistand, den sie ihm in dieser wichtigen Krisis gewährt hätten. Er bat sie überzeugt zu sein, daß er das Wohl seines Vaterlandes stets im Auge gehabt und es zu fördern gesucht habe. Er verlasse sie jetzt vielleicht auf immer. Wenn er im Kampfe für den reformirten Glauben und für die Unabhängigkeit Europa’s fallen sollte, so empfehle er sein geliebtes Weib ihrer Fürsorge. Der Großpensionair antwortete mit gebrochener Stimme und kein Mitglied des ernsten Senates konnte sich der Thränen enthalten. Aber Wilhelm’s eiserner Stoicismus verleugnete sich nie; er stand ruhig und ernst unter seinen weinenden Freunden, als ob er sie nur zu einem kurzen Ausfluge nach seinen Jagdgründen bei Loo hätte verlassen wollen.[85]

Die Deputirten der vornehmsten Städte begleiteten ihn bis zu seiner Yacht. Selbst die Vertreter von Amsterdam, das so lange der Hauptsitz der Opposition gegen seine Verwaltung gewesen war, schlossen sich dieser Höflichkeitsbezeigung an. In allen Kirchen des Haags wurden an diesem Tage öffentliche Gebete für ihn gehalten.