[85.] Protokolle der Staaten von Holland und Westfriesland; Burnet, I. 782.

Er schifft sich ein und segelt ab. [Am] Abend kam er in Helvoetsluys an und begab sich an Bord einer Fregatte, die „Brill“ genannt. Unmittelbar darauf wurde seine Flagge aufgehißt. Sie zeigte das Wappen des Hauses Nassau, verbunden mit dem englischen. Die in drei Fuß hohen Buchstaben eingestickte Devise war glücklich gewählt. Das Haus Oranien führte seit langer Zeit die elliptische Devise: „Ich werde aufrechterhalten“ (Je maintiendrai); der fehlende Nachsatz wurde jetzt durch die Worte ergänzt: „Die Freiheiten Englands und die protestantische Religion.“

Er wird durch einen Sturm zurückgeworfen. [Der] Prinz befand sich kaum einige Stunden an Bord, so wurde der Wind günstig. Am neunzehnten stach die Flotte in See und legte vor einer steifen Brise ungefähr den halben Weg zwischen den Küsten Hollands und Englands zurück. Plötzlich aber sprang der Wind um, blies stark aus Westen und schwoll zu einem heftigen Sturme an. Die zerstreuten Schiffe erreichten mit genauer Noth die holländische Küste wieder. Die „Brill“ langte am einundzwanzigsten vor Helvoetsluys an. Die Schiffsgenossen des Prinzen hatten mit Bewunderung bemerkt, daß weder Gefahr noch Mißgeschick nur einen Augenblick seine ernste Ruhe gestört hatten. Obgleich er seekrank war, weigerte er sich doch ans Land zu gehen, denn er sah ein, daß sein Bleiben an Bord Europa am deutlichsten zeigen werde, daß der ihn betroffene Unfall die Ausführung seines Vorhabens nur um kurze Zeit verzögern könne. In einigen Tagen war die Flotte wieder beisammen. Ein einziges Schiff war gescheitert, aber nicht ein Soldat oder Matrose wurde vermißt. Nur einige Pferde waren umgekommen, aber diesen Verlust ersetzte der Prinz auf der Stelle wieder und noch ehe die London Gazette die Nachricht von seinem Unfalle verbreitet hatte, war er schon wieder segelfertig.[86]

[86.] London Gazette, Oct. 29. 1688; Burnet, I. 782; Bentinck an seine Gattin, 21.(31.) Oct., 22. Oct.(1. Nov.), 24. Oct. (3. Nov.), 27. Oct. (6. Nov.) 1688.

Seine Erklärung kommt in England an. [Seine] Erklärung gelangte nur einige Stunden vor seiner Ankunft nach England. Am 1. November begannen die londoner Politiker heimlich davon zu flüstern, sie ging von Hand zu Hand und wurde in die Briefkästen des Postamts geworfen. Einer der Agenten wurde verhaftet und die Packete, die er zu besorgen hatte, nach Whitehall gebracht. Der König las die Proklamation und sie machte einen erschütternden Eindruck auf ihn. Sein erster Gedanke war, das Papier vor jedem menschlichen Blicke zu verbergen. Er ließ daher sämmtliche ihm überbrachte Exemplare bis auf eines verbrennen, und dieses eine wagte er kaum aus den Händen zu geben.[87]

[87.] Citters, 2.(12.) Nov. 1688; Adda, 2.(12.) Nov.

Jakob befragt die Lords. [Der] Paragraph des Manifestes, der ihn am meisten beunruhigte, war der, in welchem gesagt war, daß einige von den geistlichen und weltlichen Peers den Prinzen von Oranien zu einem Einfall in England aufgefordert hätten. Halifax, Clarendon und Nottingham, welche gerade in London waren, wurden sogleich in den Palast beschieden und über diesen Punkt befragt. Halifax weigerte sich anfangs, eine Antwort zu geben, obgleich er sich seiner Unschuld bewußt war. „Eure Majestät fragt mich, ob ich einen Hochverrath begangen habe,“ sagte er. „Wenn ich eines solchen verdächtig bin, so lassen Sie mich vor den Gerichtshof meiner Peers stellen. Kann Eure Majestät der Antwort eines Angeklagten, dessen Leben auf dem Spiele steht, Glauben schenken? Selbst wenn ich Seine Hoheit ersucht hätte herüberzukommen, würde ich mich ohne Bedenken für nichtschuldig erklären.“ Der König erwiederte ihm, daß er ihn durchaus nicht als einen Angeklagten betrachte, sondern ihn nur gefragt habe, wie ein Gentleman einen Andren, der verleumdet worden sei, frage, ob die Verleumdung irgend eine Begründung habe. „In diesem Falle,“ sagte Halifax, „nehme ich als Gentleman, der mit einem Gentleman spricht, keinen Anstand, bei meiner Ehre, die mir eben so heilig ist als ein Eid, zu versichern, daß ich den Prinzen von Oranien nicht veranlaßt habe herüberzukommen.“[88] Clarendon und Nottingham sagten das Nämliche. Noch mehr wünschte der König, die Gesinnung der Prälaten zu ergründen. Wenn diese ihm feindlich gesinnt waren, dann war sein Thron wirklich in Gefahr. Aber das konnte nicht sein. Daß ein Bischof der anglikanischen Kirche sich gegen seinen Souverain empören sollte, war etwas Unerhörtes. Compton wurde ins königliche Kabinet gerufen und gefragt, ob der Prinz den geringsten Grund zu seiner Behauptung habe. Der Bischof war in Verlegenheit, denn er gehörte zu den Sieben, welche die Einladung unterzeichnet hatten, und sein nicht sehr weites Gewissen wollte ihm wahrscheinlich nicht gestatten, eine positive Unwahrheit zu sagen. „Sire,“ antwortete er, „ich bin fest überzeugt, daß es unter meinen Amtsbrüdern keinen giebt, der in dieser Angelegenheit nicht eben so schuldlos wäre, als ich selbst.“ Die Zweideutigkeit war gut ersonnen; ob aber der Unterschied zwischen der Sünde einer solchen Zweideutigkeit und der Sünde einer Lüge irgend eines Aufwandes von Erfindungsgeist werth war, mag vielleicht bezweifelt werden. Der König war zufriedengestellt. „Ich spreche Sie Alle vollkommen frei,“ sagte er; „aber ich halte es für nöthig, daß Sie öffentlich die ehrenrührige Beschuldigung zurückweisen, die Ihnen in der Erklärung des Prinzen zur Last gelegt wird.“ Der Bischof bat natürlich darum, das Papier lesen zu dürfen, dem er widersprechen sollte; der König aber wollte ihn keinen Blick darauf werfen lassen.

Am folgenden Tage erschien eine Proklamation, in der einem Jeden, der es wagen sollte, Wilhelm’s Manifest zu verbreiten, oder es auch nur zu lesen, die härtesten Strafen angedroht wurden.[89] Der Primas und die wenigen in London anwesenden geistlichen Peers waren vor den König beschieden worden. Preston war, mit der Erklärung des Prinzen in der Hand, bei der Audienz zugegen. „Mylords,“ sagte der König, „hören Sie folgende Stelle. Dieselbe geht Sie an.“ Preston las nun den Paragraph vor, in welchem die geistlichen Peers erwähnt waren. „Ich glaube kein Wort von dem Allen,“ fuhr der König fort; „ich bin von Ihrer Unschuld überzeugt; aber ich halte es für nöthig Ihnen mitzutheilen, wessen Sie beschuldigt sind.“

Der Primas erklärte dem Könige mit vielen Versicherungen der Ehrerbietung, daß Seine Majestät ihm nur Gerechtigkeit widerfahren lasse. „Ich bin als treuer Unterthan Eurer Majestät geboren,“ sagte er, „und ich habe meine Unterthanentreue zu wiederholten Malen eidlich bekräftigt. Ich kann nur einen König auf einmal haben. Ich habe den Prinzen nicht eingeladen herüberzukommen, und ich glaube nicht, daß ein einziger von meinen Amtsbrüdern es gethan hat.“ — „Ich weiß gewiß, daß ich es nicht gethan habe,“ sagte Crewe von Durham. „Ich auch,“ setzte Cartwright von Chester hinzu. Crewe und Cartwright konnte man wohl glauben, denn sie hatten Beide in der Hohen Commission gesessen. Als Compton an die Reihe kam, umging er die Frage mit einer Gewandtheit, um die ihn ein Jesuit hätte beneiden können. „Ich gab schon gestern Eurer Majestät meine Antwort.“

Jakob wiederholte ihnen immer und immer wieder, daß er sie alle vollkommen freispreche. Trotzdem dürfte es aber doch für ihn nützlich und zu ihrer Ehrenrettung nöthig sein, daß sie sich öffentlich rechtfertigten. Er verlangte daher von ihnen die schriftliche Erklärung, daß sie den Plan des Prinzen verabscheuten. Sie schwiegen, ihr Stillschweigen wurde als Zustimmung betrachtet und sie durften sich entfernen.[90]