[114.] Clarke’s Life of James the Second, II. 219. Orig. Mem.

Petition der Lords um Einberufung eines Parlaments. [Durch] diese Versicherungen getäuscht, schickte der König sich zum Aufbruch nach Salisbury an. Vor seiner Abreise wurde er benachrichtigt, daß eine beträchtliche Anzahl weltlicher und geistlicher Peers ihn um eine Audienz bitten ließen. Sie kamen mit Sancroft an ihrer Spitze um eine Petition zu überreichen, in der sie um Einberufung eines freien und gesetzlichen Parlaments und um Einleitung von Unterhandlungen mit dem Prinzen von Oranien baten.

Die Geschichte dieser Petition ist interessant. Die Idee scheint zwei wichtigen Parteihäuptern, welche lange Nebenbuhler und Feinde gewesen waren, Rochester und Halifax, zu gleicher Zeit gekommen zu sein. Sie zogen Beide unabhängig von einander die Bischöfe deshalb zu Rathe. Diese zollten dem Vorschlage warmen Beifall. Es wurde nun darauf angetragen, eine Generalversammlung der Peers anzuberaumen, um über die Form der dem Könige zu überreichenden Adresse zu berathen. Es war gerade Terminzeit der Gerichtshöfe, und zu dieser Zeit war Westminsterhall jeden Tag von hochgestellten und vornehmen Männern angefüllt, wie gegenwärtig die Clubs in Pall Mall und St. James Street. Nichts war leichter, als daß die dort versammelten Lords sich zu einer Berathung in ein Nebenzimmer begaben. Allein es erhoben sich unerwartete Schwierigkeiten. Halifax wurde zuerst kalt und dann sogar der Sache abgeneigt. Es lag in seiner Natur, gegen Alles Einwendungen zu entdecken und in gegenwärtigem Falle wurde seine Erfindungsgabe durch die Eifersucht noch besonders geschärft. Der Plan, der seinen Beifall gehabt hatte, so lange er ihn als seinen eigenen betrachtete, begann ihm zu mißfallen, sobald er entdeckte, daß es auch der Plan Rochester’s war, der ihm so lange hinderlich im Wege gestanden und ihn endlich verdrängt hatte, und gegen den er eine so starke Abneigung empfand, als er bei seinem sanften Character überhaupt gegen Jemanden empfinden konnte. Nottingham stand damals bedeutend unter Halifax’ Einflusse. Sie erklärten Beide, daß sie die Adresse nicht unterzeichnen würden, wenn Rochester sie mit unterzeichnete. Clarendon’s Vorstellungen blieben erfolglos. „Es ist nicht meine Absicht,“ sagte Halifax, „Mylord Rochester zu beleidigen, aber er ist Mitglied der kirchlichen Commission gewesen, die Proceduren dieses Gerichtshofes werden bald einer strengen Untersuchung unterzogen werden, und es ist unpassend, daß ein Mann, der einen Sitz darin eingenommen hat, sich an unseren Maßregeln betheiligt.“ Nottingham sprach unter lebhaften Versicherungen seiner persönlichen Hochachtung für Rochester die nämliche Ansicht aus. Die Autorität der beiden dissentirenden Lords hielt mehrere andere Kavaliere ab, die Petition zu unterschreiben; aber die Hyde und die Bischöfe blieben bei ihrem Vorhaben. Es kamen neunzehn Unterschriften zusammen und die Petenten begaben sich in pleno zu dem Könige.[115]

Er nahm ihre Adresse sehr ungnädig auf. Er versicherte zwar, daß er selbst den Zusammentritt eines freien Parlaments dringend wünsche und versprach ihnen auf sein königliches Wort, ein solches einzuberufen, sobald der Prinz von Oranien die Insel wieder verlassen haben würde. „Aber,“ setzte er hinzu, „wie kann ein Parlament frei sein, so lange ein Feind im Lande ist und nahe an hundert Stimmen gewinnen kann?“ Zu den Prälaten sprach er mit besonderer Gereiztheit. „Neulich,“ sagte er, „konnte ich Sie nicht dazu bewegen, Sich gegen die Invasion zu erklären; jetzt aber sind Sie völlig bereit, Sich gegen mich zu erklären. Damals wollten Sie Sich nicht in die Politik mischen; heute tragen Sie kein Bedenken mehr, Sich in dieselbe zu mischen. Sie haben den Geist der Empörung unter Ihren Heerden erregt, und jetzt schüren Sie ihn noch an. Sie würden Ihre Zeit besser anwenden, wenn Sie sie lehrten mir zu gehorchen, anstatt daß Sie mich lehren wollen zu regieren.“ Sehr aufgebracht war er auch gegen seinen Neffen Grafton, dessen Name unmittelbar unter Sancroft’s Namen stand, und er sagte mit großer Heftigkeit zu dem jungen Manne: „Sie verstehen nichts von Religion, Sie kümmern Sich auch gar nicht darum, und doch wollen Sie behaupten, daß Sie ein Gewissen haben!“ — „Es ist wahr, Sire,“ erwiederte Grafton mit schamloser Offenheit, „ich habe sehr wenig Gewissen; aber ich gehöre einer Partei an, die sehr viel hat“.[116]

So gereizt die Sprache des Königs gegen die Bischöfe selbst war, so wurde sie doch noch viel bitterer, nachdem sie sich entfernt hatten. In der Hoffnung, sein pflichtvergessenes und undankbares Volk zufrieden zu stellen, sagte er, habe er schon viel zu viel gethan. Der Gedanke an Zugeständnisse sei ihm von jeher verhaßt gewesen, doch er habe sich überreden lassen, und jetzt habe er wie sein Vater gesehen, daß Zugeständnisse die Unterthanen nur noch anspruchsvoller machten. Er wolle nun aber nichts mehr bewilligen, kein Atom, welche letzten zwei Worte er seiner Gewohnheit nach mehrere Male mit Heftigkeit wiederholte. Er wolle den Angreifern nicht nur keine Eröffnungen machen, sondern auch keine von ihnen annehmen. Sollten die Holländer Parlamentaire schicken, so würde der erste ohne Antwort zurückgeschickt und der zweite gehängt werden.[117]

[115.] Clarendon’s Diary vom 8. bis 17. Nov. 1688.

[116.] Clarke’s Life of James the Second, II. 212. Orig. Mem.; Clarendon’s Diary, Nov. 17. 1688; Citters, 20.(30.) Nov.; Burnet, I. 791; Some Reflections upon the most Humble Petition to the King’s most Excellent Majesty, 1688; Modest Vindication of the Petition; First Collection of Papers relating to English Affairs, 1688.

[117.] Adda, 19.(29.) Nov. 1688.

Der König begiebt sich nach Salisbury. [In] dieser Stimmung reiste Jakob nach Salisbury ab. Sein letzter Act vor seiner Abreise war die Ernennung eines Rathes von fünf Lords, die ihn während seiner Abwesenheit in London vertreten sollten. Zwei davon waren Papisten und deshalb gar nicht befähigt zu diesem Amte. Ihnen zur Seite stand Jeffreys, zwar ein Protestant, aber von der Nation mehr verabscheut, als irgend ein Papist. Gegen die übrigen zwei Mitglieder des Collegiums, Preston und Godolphin, war nichts Erhebliches einzuwenden. An dem Tage, an welchem der König London verließ, wurde der Prinz von Wales nach Portsmouth geschickt. Diese Festung hatte eine starke Besatzung und Berwick war Gouverneur. Die von Dartmouth commandirte Flotte lag nahe zur Hand, und so hoffte man, wenn die Dinge eine unglückliche Wendung nahmen, den kleinen Prinzen ohne Schwierigkeit von Portsmouth nach Frankreich bringen zu können.[118]

Am Neunzehnten traf der König in Salisbury ein und stieg im bischöflichen Palaste ab. Von allen Seiten kamen ihm nun in rascher Aufeinanderfolge schlimme Nachrichten zu. Die westlichen Grafschaften hatten sich endlich erhoben. Sobald Cornbury’s Abfall bekannt wurde, faßten sich viele reiche Grundeigenthümer ein Herz und eilten nach Exeter. Unter ihnen befand sich Sir Wilhelm Portman von Bryanstone, einer der angesehensten Männer von Dorsetshire, und Sir Franz Warre von Hestercombe, der in Somersetshire großen Einfluß hatte.[119]