[123.] Brief von Bath an den Prinzen von Oranien vom 18. Nov. 1688; Dalrymple.

Aufstand im Norden. [Während] der Westen sich so gegen den König erhob, stand hinter ihm auch schon der ganze Norden in Flammen. Am Sechzehnten griff Delamere in Cheshire zu den Waffen. Er rief seine Pächter zusammen, forderte sie auf, ihm beizustehen, versprach ihnen, daß, wenn sie im Kampfe fielen, die Pachtungen ihren Hinterlassenen aufs neue bewilligt werden sollten, und ermahnte Jeden, der ein gutes Pferd habe, entweder selbst ins Feld zu ziehen, oder einen Ersatzmann zu stellen.[124] Er erschien mit funfzig bewaffneten und berittenen Männern in Manchester und bevor er Boaden Downs erreichte, hatte sich seine Truppe verdreifacht.

Die benachbarten Grafschaften waren in heftiger Gährung. Es war festgesetzt worden, daß Danby York nehmen und Devonshire in Nottingham erscheinen sollte. In Nottingham erwartete man keinen Widerstand zu finden, in York aber lag eine kleine Garnison unter dem Commando Sir John Reresby’s. Danby ging mit großer Klugheit und Umsicht zu Werke. Auf den 22. November war eine Versammlung der Gentry und der Freisassen von Yorkshire ausgeschrieben, um eine Adresse wegen der Lage der Dinge an den König zu berathen. Alle Statthaltersubstituten der drei Bezirke, mehrere Kavaliere und eine Menge reicher Esquires und wohlhabender Freisassen hatten sich zu dieser Versammlung in der Provincialhauptstadt eingefunden. Vier Abtheilungen Miliz waren zur Aufrechthaltung der Ruhe und Ordnung commandirt. Das Rathhaus war gedrängt voll Freisassen und die Berathung hatte eben begonnen, als sich plötzlich der Ruf vernehmen ließ, die Papisten hätten sich erhoben und metzelten die Protestanten nieder. Die Papisten von York waren viel wahrscheinlicher darauf bedacht, sich zu verbergen, als einen Feind anzugreifen, der ihnen um das Hundertfache überlegen war. Aber damals konnte eine Geschichte von Papistenwuth noch so übernatürlich und wunderbar sein, sie fand dennoch bereitwilligen Glauben. Die Versammlung ging erschreckt auseinander. Die ganze Stadt war in Aufruhr. In diesem Augenblicke ritt Danby an der Spitze von etwa hundert Reitern der Miliz entgegen und erhob den Ruf: „Keinen Papismus! ein freies Parlament! die protestantische Religion!“ Die Miliz stimmte ein. In einem Nu war die Garnison überrumpelt und entwaffnet. Der Gouverneur wurde in Gewahrsam gebracht, die Thore geschlossen und überall Schildwachen ausgestellt. Man ließ den Pöbel ungehindert eine katholische Kapelle niederreißen; sonst aber scheint kein Unfug verübt worden zu sein. Am folgenden Morgen war die Guildhall von den vornehmsten Gentlemen der Grafschaft und den höchsten Magistratsbeamten der Stadt angefüllt. Der Lordmayor wurde zum Vorsitzenden ernannt. Danby schlug eine Erklärung vor, in der die Gründe dargelegt werden sollten, welche die Freunde der Verfassung und der protestantischen Religion bewogen hatten, zu den Waffen zu greifen. Diese Erklärung wurde mit allgemeinem Beifall angenommen und war binnen wenigen Stunden von sechs Peers, fünf Baronets, sechs Rittern und vielen hochangesehenen Gentlemen unterzeichnet.[125]

Inzwischen verließ Devonshire an der Spitze einer starken Truppe von Freunden und Untergebenen den Palast, den er eben in Chatsworth bauen ließ, und erschien bewaffnet in Derby. Hier übergab er der städtischen Behörde in aller Form eine Schrift, in der die Beweggründe seines Unternehmens auseinandergesetzt waren. Dann marschirte er nach Nottingham, das bald das Hauptquartier des Aufstandes im Norden wurde. Hier erließ er eine in kühnen und harten Ausdrücken abgefaßte Proklamation. Das Wort Rebellion, hieß es darin, sei ein Popanz, der keinen verständigen Mann schrecken könne. Sei es Rebellion, die Gesetze und den Glauben zu vertheidigen, zu deren Aufrechthaltung jeder englische König sich eidlich verpflichte? Wie dieser Eid neuerdings gehalten worden sei, darüber werde hoffentlich bald ein freies Parlament entscheiden. Die Insurgenten erklärten, daß sie es, bis diese Entscheidung erfolge, nicht für Rebellion, sondern nur für rechtmäßige Nothwehr hielten, sich einem Tyrannen zu widersetzen, der kein andres Gesetz kenne, als seinen Willen. Im Norden gewann der Aufstand mit jedem Tage eine größere Ausdehnung. Vier mächtige und reiche Earls, Manchester, Stamford, Rutland und Chesterfield, begaben sich nach Nottingham, wo sich ihnen Lord Cholmondely und Lord Grey de Ruthyn anschlossen.[126]

Währenddem kamen die feindlichen Heere im Süden einander immer näher. Als der Prinz von Oranien erfuhr, daß der König in Salisbury angekommen war, hielt er es für an der Zeit, Exeter zu verlassen. Er stellte diese Stadt und ihre Umgegend unter das Commando Sir Eduard Seymour’s und brach Mittwoch den 21. November in Begleitung vieler der angesehensten Gentlemen der westlichen Grafschaften nach Axminster auf, wo er mehrere Tage blieb.

Der König wünschte sehnlichst, daß es zu einem Kampfe kommen möchte, was offenbar in seinem Interesse lag. Jede Stunde entriß ihm etwas von seiner Stärke und vermehrte die seiner Feinde. Überdies war es sehr wichtig, daß seine Truppen sich ans Feuer gewöhnten. Eine große Schlacht, welchen Ausgang sie auch nehmen mochte, konnte die Popularität des Prinzen nur vermindern. Dies Alles erkannte Wilhelm sehr wohl und er nahm sich deshalb vor, einen Zusammenstoß so lange als möglich zu vermeiden. Als Schomberg die Nachricht erhielt, daß der Feind anrücke und zu einer Schlacht entschlossen sei, soll er mit der Gelassenheit eines sich seiner Geschicklichkeit bewußten Taktikers gesagt haben: „Das wird lediglich von uns abhängen.“ Es war indessen nicht möglich, alles Scharmützeln zwischen den Vorposten der beiden Armeen zu verhindern. Wilhelm wünschte, daß bei diesen Scharmützeln nichts geschah, was den Stolz der Nation, die er befreien wollte, verletzen oder ihr Rachegefühl aufstacheln könnte. Daher stellte er mit bewundernswerther Klugheit seine britischen Regimenter dahin, wo die Wahrscheinlichkeit eines Zusammenstoßes am größten war. Die Vorposten der königlichen Armee waren Irländer, und in Folge dessen hatten die Eingedrungenen bei den kleinen Gefechten dieses kurzen Feldzugs die aufrichtige Sympathie aller Engländer für sich.

[124.] First Collection of Papers, 1688; London Gazette, Nov. 22.

[125.] Reresby’s Memoirs; Clarke’s Life of James, II. 231. Orig. Mem.

[126.] Cibber’s Apology; History of the Desertion; Luttrell’s Diary; Second Collection of Papers, 1688.

Gefecht bei Wincanton. [Das] erste derartige Treffen fand bei Wincanton statt. Mackay’s Regiment, das aus britischen Soldaten bestand, lag in der Nähe einer Abtheilung irischer Truppen des Königs, welche ihr Landsmann, der tapfere Sarsfield, befehligte. Mackay schickte ein kleines Detachement unter einem Lieutenant Namens Campbell aus, um Bagagepferde herbeizuschaffen. In Wincanton fand Campbell was er brauchte, und als er eben die Stadt wieder verließ, um zur Armee zurückzukehren, rückte eine starke Abtheilung von Sarsfield’s Truppen heran. Die Irländer waren ihren Gegnern um das Vierfache überlegen, dennoch aber entschloß sich Campbell bis zum Äußersten zu kämpfen. Mit einem Häuflein tapferer Männer stellte er sich auf der Straße auf, und seine übrigen Soldaten besetzten die Hecken zu beiden Seiten der Straße. Der Feind kam heran. „Halt!“ rief Campbell, „für wen seid Ihr.“ — „Ich bin für König Jakob,“ antwortete der Anführer der feindlichen Truppe. „Und ich für den Prinzen von Oranien,“ versetzte Campbell. „Wir wollen Euch beprinzen!“ rief der Irländer mit einem Fluche. „Feuer!“ commandirte Campbell, und augenblicklich knatterte ein wohlgezieltes Feuer hinter den Hecken hervor. Die königlichen Truppen erhielten drei kräftige Salven, ehe sie das Feuer erwiedern konnten. Endlich gelang es ihnen, eine der Hecken zu nehmen, und sie würden die ihnen entgegenstehende kleine Schaar überwältigt haben, hätte nicht das Landvolk, das die Irländer gründlich haßte, falschen Lärm gemacht, daß noch mehr Truppen des Prinzen anrückten. Sarsfield rief seine Leute ab und zog sich zurück und Campbell setzte mit den Bagagepferden seinen Marsch ungehindert fort. Dieses Gefecht, das zwar dem Muthe und der Disciplin der Armee des Prinzen Ehre machte, wurde durch die Fama zu einem Siege vergrößert, den britische Protestanten über eine bedeutende Übermacht von papistischen Barbaren davongetragen, welche aus Connaught herübergeholt worden seien, um unsre Insel zu unterdrücken.[127]