Wenige Stunden nach diesem Scharmützel ereignete sich ein Vorfall, der jeder Wahrscheinlichkeit eines ernsten Kampfes zwischen den beiden Armeen ein Ende machte. Churchill und einige von seinen Hauptcomplicen befanden sich in Salisbury. Zwei der Verschwornen, Kirke und Trelawney, hatten sich nach Warminster begeben, wo ihre Regimenter standen. Alles war reif zur Ausführung des lange erwogenen Verraths.

Churchill rieth dem Könige, Warminster zu besuchen und die dort stehenden Truppen zu inspiciren. Jakob willigte ein und sein Wagen hielt schon am Thore des bischöflichen Palastes, als er mit einem Male heftiges Nasenbluten bekam. Er mußte die Reise aufschieben und sich einer ärztlichen Behandlung unterziehen. Drei Tage vergingen, ehe die Blutung völlig gestillt war und während dieser drei Tage kamen ihm beunruhigende Gerüchte zu Ohren.

Eine so weitverzweigte Verschwörung wie die, an deren Spitze Churchill stand, konnte unmöglich lange streng geheim gehalten werden. Man hatte zwar keine Beweise, die einer Jury oder einem Kriegsgericht hätten vorgelegt werden können, aber es circulirten sonderbare Gerüchte im Lager. Feversham, der das Obercommando führte, meldete, daß ein schlechter Geist in der Armee herrsche. Man machte den König darauf aufmerksam, daß gewisse Personen seiner nächsten Umgebung nicht seine Freunde seien und daß es nur ein Schritt weiser Vorsicht sein würde, wenn er Churchill und Grafton unter Bedeckung nach Portsmouth sendete. Jakob verwarf diesen Rath. Neigung zum Argwohn gehörte nicht zu seinen Fehlern. Im Gegentheil, er setzte ein so großes Vertrauen in Versicherungen der Treue und Anhänglichkeit, wie man es wohl von einem gutmüthigen und unerfahrenen jungen Menschen, nicht aber von einem in Jahren vorgerückten Staatsmann hätte erwarten sollen, der die Welt kennen gelernt, der von schurkischen Ränken und Intriguen viel zu leiden gehabt hatte und dessen eigner Character keineswegs ein vortheilhaftes Muster der menschlichen Natur war. Es dürfte schwer sein, einen zweiten Mann zu finden, der sein Wort so leichtsinnig brach, als Jakob und der dabei so schwer zu dem Glauben zu bringen war, daß Andere ihr Wort gegen ihn brechen könnten. Nichtsdestoweniger machten ihn die ihm zukommenden Berichte über die Stimmung seiner Armee sehr besorgt. Er sehnte sich jetzt nicht mehr nach einer Schlacht, ja er begann sogar an den Rückzug zu denken. Samstag Abend, den 24. November berief er einen Kriegsrath zusammen, dem auch diejenigen Offiziere beiwohnten, gegen die er ernstlich gewarnt worden war. Feversham sprach sich dahin aus, daß der Rückzug wünschenswerth sei. Churchill stimmte für das Gegentheil. Die Berathung dauerte bis Mitternacht. Endlich erklärte der König, daß er sich zu dem Rückzuge entschieden habe.

[127.] Whittle’s Diary; History of the Desertion; Luttrell’s Diary.

Churchill’s und Grafton’s Abfall. [Churchill] bemerkte oder glaubte zu bemerken, daß man ihm nicht traute und vermochte trotz seiner nicht gewöhnlichen Selbstbeherrschung seine Angst nicht zu verbergen. Er entfloh daher noch vor Tagesanbruch mit Grafton ins Lager des Prinzen.[128]

Er ließ eine schriftliche Erklärung zurück, welche in dem anständigen Tone gehalten war, den er bei aller Strafbarkeit und Ehrlosigkeit doch stets beobachtete. Er erkannte an, daß er der Gunst des Königs Alles verdanke. Interesse und Dankbarkeit, sagte er, zogen ihn nach der nämlichen Seite hin. Unter keiner andren Regierung könne er hoffen so einflußreich und mächtig zu werden, als er es gewesen sei; aber alle solche Rücksichten müßten einer höheren Pflicht weichen. Er sei Protestant und sein Gewissen gestatte ihm nicht, gegen den Protestantismus das Schwert zu ziehen. Übrigens aber werde er stets bereit sein, zur Vertheidigung der geheiligten Person und der gesetzlichen Rechte seines gnädigen Gebieters Gut und Leben aufzuopfern.[129]

Am nächsten Morgen war im königlichen Lager Alles in der größten Bestürzung. Die Freunde des Königs waren wie vernichtet und seine Feinde konnten ihre Freude nicht unterdrücken. Jakob’s Bestürzung wurde noch durch Nachrichten vermehrt, welche denselben Tag von Warminster einliefen. Kirke, welcher dort commandirte, hatte Befehlen, die er von Salisbury erhalten, den Gehorsam verweigert. Es konnte keinem Zweifel mehr unterliegen, daß auch er mit dem Prinzen von Oranien im Bunde stand. Es hieß, er sei schon mit allen seinen Truppen zum Feinde übergegangen, und obgleich dieses Gerücht falsch war, fand es doch einige Stunden lang vollen Glauben.[130] Jetzt ging dem unglücklichen Könige wieder ein neues Licht auf. Er glaubte zu errathen, warum man ihn vor einigen Tagen gedrängt hatte, Warminster zu besuchen. Er würde dort hülflos in der Gewalt der Verschwörer und in der Nähe der feindlichen Vorposten gewesen, Die, welche es versucht hätten ihn zu vertheidigen, würden leicht überwältigt und er als Gefangener in das Hauptquartier der feindlichen Armee gebracht worden sein. Vielleicht wäre ein noch schwärzerer Verrath verübt worden, denn Menschen, die einmal ein strafbares und gefährliches Unternehmen begonnen haben, sind nicht mehr Herren ihrer selbst und werden oft durch ein Verhängniß, das einen Theil ihrer verdienten Strafe bildet, zu Verbrechen getrieben, an die sie vorher nur mit Schaudern hätten denken können. Gewiß war es das Werk irgend eines Schutzheiligen, daß ein der katholischen Kirche ergebener König in dem Augenblicke, wo er blindlings der Gefangenschaft, ja vielleicht dem Tode entgegenzueilen im Begriffe war, plötzlich durch eine Unpäßlichkeit aufgehalten wurde, die er damals als ein Unglück betrachtete.

[128.] Clarke’s Life of James, II. 222. Orig. Mem.: Barillon, 21. Nov. (1. Dec.) 1688; Sheridan MS.

[129.] First Collection of Papers, 1688.

[130.] Brief von Middleton an Preston aus Salisbury vom 25. Nov. „Schurkerei über Schurkerei,“ sagt Middleton, „die letzte immer größer als die vorhergehende.“ Clarke’s Life of James, II. 224. 225, Orig. Mem.